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Hallo Heiko,
das ist schon sehr interessant, was du in deinem letzten posting angesprochen hast.
Ich weiss nicht, ob du das wirklich mit Hintergrundwissen geschrieben hast, aber es trifft ziemlich genau ins Schwarze.
Der Islam ist nicht einfach aber sehr vereinfacht worden.
Ich versuche das zu erklären, ohne viel in der Geschichte zu wandern, dennoch muss ich das in geringem Masse doch tun.
Die heutige und dominierende Mehrheit des Islams ist der sog. Sunnitische Islam, die sich streng an der Sunna orientiert. Die Sunna wiederum ist eine lange reihe von Regeln, die den Koran und Hadithen gleichermassen als Quelle benützt.
Bis ins 11. Jh. nC. wurde der Islam mehr oder weniger in verschiedenen Arten regionaler Ausprägung praktiziert, wobei abgesehen von den Grundbedingungen viele Unterschiede vorherrschten. Bis dahin hatten sich zwar die heute noch vorhandenen 4 Gruppierungen herausgebildet aber erst mit Imam Gazzali um die Wende des 11. und 12. Jh. wurden die heutigen Verhaltensregeln festgelegt.
Gazzali war ein hochgebildeter Mann, der auch die griechischen Philosophen studiert hat und sehr gut mit der aritotelischer Logik vertraut war.
Mit seiner immensen Bildung kam er zeitweise selbst in einen Glaubenskonflikt und zog sich für 11 Jahre zurück und seine Rückkehr war auch das Schicksal des heutigen islams.
Er hat danach viele Bücher darüber geschrieben, wie und mit welcher Methode der Koran ausulegen ist. Darüber hinaus hat er sich sogar mit Themen beschäftigt, wie das Reinigungsritual nach der Notdurft zu verrichten ist.
Gazzali hat das Verhalten des gläubigen Moslems auf einfache Regeln reduziert. Über alles weitere soll sich der Gläubige keine Gedanken machen denn, der normale Mensch hat nicht genug Verstand, um sich die richtigen Gedanken zu machen, so Gazzali.
Seitdem verhalten sich Muslime nach bestimmten Schablonen und überlassen die Religionsinhalte den Gelehrten, wie von Gazzali bestimmt.
Gazzali hat auch die Grenzen der Zuverlässigkeit des menschlichen Verstandes festgelegt. Sollte der Verstand der Überlieferung (Koran und Hadithen) widersprechen, so gilt die Überlieferung. Das bedeutet, wenn in der Überlieferung geschrieben wäre, dass die Milch schwarz ist, dann ist sie schwarz.
Der Verstand, der die Milch als weiss wahrnimmt ist der Überlieferung untergeordnet. Hier gilt nämlich der Grundsatz, dass die Überlieferung Allah"s Wort ist und der Mensch es nicht besser wissen kann als Allah.
Gazzali wusste sehr wohl, dass der verstand sehr häufig mit der Überlieferung kollidiert und hat dann Regeln aufgestellt, wie die Religion zu lernen ist. Danach soll der normale Gläubige sich gar nicht erst dir Mühe machen, den Koran zu verstehen. Er soll ihn nur vorschriftmässig rezitieren und die Inhalte den gelehrten überlassen. Warum?... Genau! Weil der Mensch nicht klug genug ist.
Die Religion ist aus den Büchern der Gelehrten zu lernen. Darin ist alles notwendige für den täglichen Glauben enthalten.
Gazzali sagte: "Der Gläubige braucht nicht viel Verstand. Gerade soviel, wie zur Ausübung der Rituale notwendig ist."
So beschäftigen sich beinahe alle Gelehrten mehr mit den Ritualen als mit den Inhalten.
Deshalb erscheint der Islam als einfach.
Mit diesen Verhaltensreglen wird auch erfolgreich vermieden, dass die Gläubigen sich mit den Inhalten beschäftigen. Auch das Gazzali vorherbestimmt.
Er sagt weiter: "Der Gläubige soll nicht zuviel denken. Zuviel denken bringt Zweifel."
So lebt der sunnitische Islam immer noch Regeln, die vor 900 Jahren aufgestellt wurden.
Ist es da noch ein Wunder, wenn der Islam im 21. Jh. grosse Probleme hat?
In was für einer Welt müssten wir leben, wenn wir 1000 Jahre alte Regeln anwenden würden?
Der Islam lebt in der modernen Welt nach anachronistischen Regeln.
Gruss
Darvinist
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