Gottesbeweise


Der Kontingenzbeweis

Der Kontingenzbeweis schließt aus der Tatsache, dass es nicht-notwendiges Sein gibt, darauf, dass es das absolut notwendige Sein (das Absolute) geben müsse. Das nicht-notwendige (zufällige) Sein sei nur, weil es das Sein einem anderen Sein verdanke, könnte also auch nicht sein. Letztlich müsse es ein Sein geben, das aus sich heraus (ens a se) ist; dies sei das Absolute, das heißt Gott. Siehe zu einer ausführlicheren Begründung den Artikel: Natürliche Theologie

Dieser Beweisversuch setzt zwingend voraus, dass nicht alles Sein notwendig ist, und nicht-notwendiges Sein nicht nur scheinbar aus der begrenzten menschlichen Perspektive resultiert. Diese Voraussetzung ist fragwürdig und muss jedenfalls nicht unbedingt der Fall sein. So sind Weltmodelle vorstellbar in denen alles mögliche Sein notwendig auch existiert, Beobachtern aber prinzipiell nur begrenzte Ausschnitte der Welt zugänglich sind. Dieser zugängliche Auschnitt kann je nach Beobachter unterschiedlich sein. Entitäten in den für einen Beobachter nicht zugänglichen Bereichen würde dieser dann aus seiner Perspektive als nichtexistent betrachten, während es sie in der "Gesamtwelt" trotzdem gibt und ein anderer Beobachter mit anderer Perspektive sie als existent betrachten könnte. Ein Beispiel für ein solches Weltmodells ist etwa Everetts Viele-Welten-Interpretation der Quantenmechanik. Sogar aus dem gegenwärtigen Standardmodell der Kosmologie folgt, wie vom Physiker Max Tegmark gezeigt, dass innerhalb einer Entfernung von 1028 Metern alle quantenmechanisch möglichen Welten vorkommen und deswegen alles demnach vorstellbar Mögliche auch existieren muss, obwohl für uns nur ein sehr kleiner Teil davon zugänglich ist, da unser physikalischer Ereignishorizont viel geringer ist. Die Möglichkeit von nicht-notwendigem Sein wäre dann also nur eine scheinbare und würde letztlich daraus resultieren, dass in unserer Auffassung von "Sein" die menschliche Perspektive implizit miteingeht.

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Der teleologische Gottesbeweis

Nach dem teleologischen Gottesbeweis ist alles in der Welt zielgerichtet und auf Ordnung, Schönheit und Zweckmäßigkeit hin ausgelegt. Es wird oft argumentiert, dass dies nur den Schluss zuließe, dass Gott existieren muss und die Welt dergestalt eingerichtet hat. Unausgesprochene Voraussetzung des teleologischen Beweises ist, dass komplexe Systeme, welche einen geordneten und zielgerichteten Eindruck machen, nur von einer planerischen Intelligenz geschaffen werden können.

Einer der ersten Kritiker des teleologischen Gottesbeweises war David Hume in seinen Dialogues Concerning Natural Religion. Dieses Werk entstand hundert Jahre, bevor die Evolutionstheorie formuliert wurde. Mit deren Siegeszug aber auch der Entwicklung von Theorien wie der Selbstorganisation hat der teleologische Gottesbeweis stark an Überzeugungskraft verloren.

In der Praxis hat sich inzwischen die Begrenztheit planerischen intelligenten Handelns gezeigt. So haben sich etwa menschliche Wirtschaftsysteme, die zentral geplant und geleitet wurden (Planwirtschaft), nicht gegenüber marktwirtschaftlichen Systemen durchsetzen können, die mit evolutionären Elementen wie etwa dem Prinzip "Versuch und Irrtum" arbeiten. Bei noch komplexeren Systemen, wie zum Beispiel der Biosphäre, sind die Möglichkeiten planerischen Handelns gegenüber evolutionären "Versuch und Irrtums-Strategien" dementsprechend noch begrenzter.

Zudem fällt an dieser Argumentation ein mehr oder weniger versteckt anthropomorphes Element auf, da hier ein Gott mit einer planerischen Intelligenz entsprechend dem Menschen als Vorbild konstruiert wird, auch wenn die Fähigkeiten des so konstruierten Gottes die des Menschen übersteigen sollen.

Theodizee

Die Theodizee (frz. théodicée), von griech. theos (Gott) und diké (Gerechtigkeit), fragt danach, wie Gott das Böse in der Welt zulassen kann. Es handelt sich nicht um einen Gottesbeweis, sondern um einen Versuch, die Existenz eines allmächtigen und zugleich gütigen Gottes trotz Vorhandenseins von Bösem und Übel in der Welt zu plausibilisieren.
Der kosmologische Gottesbeweis

Die physikalischen Naturkonstanten haben solche Werte, dass sie Leben, wie wir es kennen, ermöglichen. Wären sie auch nur um wenige Promille anders, gebe es heute kein Leben auf unserem Planeten, also auch keine Menschen. Die Naturkonstanten scheinen also wie von einem Schöpfergott passend gewählt zu sein.

Diesem kosmologischen Gottesbeweis steht jedoch das anthropische Prinzip gegenüber ("Weil es Beobachter des Universums gibt, muss es Eigenschaften besitzen, die die Existenz von Beobachtern zulassen").

Auch verschiedene kosmologische Modelle bieten Erklärungen für diese Beobachtungen, wie vor allem die Theorie des Multiversums, wobei Beobachter nur in den Universen entstehen konnten, die die entsprechenden physikalischen Rahmenbedingungen bieten.
Pascalsche Wette

Die Pascalsche Wette wird Blaise Pascal zugeschrieben und ist kein eigentlicher Gottesbeweis. Sie wird manchmal von Gläubigen benutzt, um nichtgläubige Menschen von den Vorteilen eines Gottglaubens zu überzeugen. Die 'Wette' basiert auf der Annahme, dass Gott, sofern er existiert, diejenigen belohnt, die an ihn glauben, und diejenigen bestraft, die nicht an ihn glauben. Es gibt also vier Möglichkeiten:

Gott existiert nicht, und ich glaube nicht an Gott (neutral)
Gott existiert nicht, und ich glaube an Gott (neutral)
Gott existiert, und ich glaube nicht an Gott (Bestrafung)
Gott existiert, und ich glaube an Gott (Belohnung)
Die Pascalsche Wette wendet darauf die Regeln der Spieltheorie an und schlussfolgert, dass es – unabhängig davon, ob man die Wahrscheinlichkeit für die Existenz Gottes mit 0,1 % oder 99,9 % einschätzt – taktisch klüger ist, an Gott zu glauben (neutral oder Belohnung), als nicht an Gott zu glauben (neutral oder Bestrafung).

Gegen diese Argumentation Pascals werden jedoch vielfach Einwände erhoben. Erstens nimmt Pascal implizit an, dass der Glaubende den 'richtigen' Gott aus der Vielzahl der anbietenden Religionen auswählt, seiner Meinung nach den christlichen Gott. Zweitens wird vorausgesetzt, dass zum Glauben ein bloßer Entschluss ausreiche, was aus theologischen wie psychologischen Gründen vielfach bezweifelt oder verneint wird (z.B. von Augustinus oder Luther, die den Glauben als Gnade Gottes betrachten). Drittens scheint die Annahme problematisch, dass das Heil des Gläubigen allein vom Glauben und nicht (auch) z.B. von den Taten oder anderen Faktoren abhängt. Damit bricht die Argumentation sofort zusammen, falls Gott zum Beispiel einen aufrechten Atheisten oder Agnostiker gegenüber einem opportunistischen glaubenden Theisten, der sich seinen Vorteil buchstäblich ausgerechnet hat, bevorzugt.
Zitate

Albert Einstein sagte 1929 in einem Interview:
Wir befinden uns in der Lage eines kleinen Kindes, das in eine riesige Bibliothek eintritt, die mit vielen Büchern in verschiedenen Sprachen angefüllt ist. Das Kind weiß, dass jemand die Bücher geschrieben hat. Es weiß aber nicht, wie das geschah. Es versteht die Sprachen nicht, in der sie geschrieben wurden. Das Kind erahnt dunkel eine mysteriöse Ordnung in der Zusammenstellung der Bücher, weiß aber nicht, was es ist. Das ist nach meiner Meinung die Einstellung auch des intelligentesten Menschen gegenüber Gott. Wir sehen ein Universum, das wunderbar zusammengesetzt ist und bestimmten Gesetzen gehorcht, aber diese Gesetze verstehen wir nur andeutungsweise. Unser begrenzter Verstand kann die mysteriösen Kräfte, welche die Konstellationen bewegen, nicht fassen.
(Zitiert nach D. Brian: Einstein – a life, Wiley 1996, S.186)

Nach einer Legende wurde der Mathematiker Leonhard Euler von der Russischen Zarin Katharina der Großen zu einer Diskussion mit dem Philosophen Diderot nach St. Petersburg eingeladen. Euler sollte dort einen mathematischen Beweis für die Existenz Gottes liefern. Als der Disput beginnen sollte, stand Euler auf und sagte: „Mein Herr, a + b / n = x, also existiert Gott. Antworten Sie mir!“ Diderot, der von Mathematik keine Ahnung hatte, musste sich geschlagen geben.

„Das Dasein eines, der da ist, zu beweisen, ist das unverschämteste Attentat, da es ein Versuch ist, ihn lächerlich zu machen.“ Søren Kierkegaard

„Ein bewiesener Gott ist Welt, und ein Gott der Welt ist ein Götze.“ W. Hermann, protestantischer Theologe

„Wer mit Gottesbeweisen etwas über Gottes Wirklichkeit auszusagen meint, disputiert über ein Phantom.“ Rudolf Bultmann, protestantischer Theologe