Seebeben, Naturkatastrophen: Warum lässt Gott dies zu?


Warum lässt Gott dies zu?

Aus Anlass der Naturkatastrophe in der Region des Indischen Ozeans wird der folgende Auszug eines Briefwechsels zu der Frage veröffentlicht, wie ein allmächtiger, gütiger Gott dies zulassen kann. Auf die kritische Anfrage antwortet Dr. Udo Schaefer. In diesem Zusammenhang ist im Anschluss an den Briefwechsel auch der Text einer Ansprache ‘Abdu’l-Bahás aus Anlass des Untergangs des Passagierschiffes Titanic wiedergegeben.

Warum lässt der allwissende, allgütige, allmächtige Gott Auschwitz zu? (Also die Theodizee-Frage). Normalerweise wird auf diese Frage (von Christen) sehr elegant ausgewichen, dass behauptet wird, es existiere ein „Gewissen“, Gott habe dem Menschen dieses gegeben und eine „Willensfreiheit“ – jetzt könne er sich eben für/gegen ihn (Gott) entscheiden etc... Gott mische sich in diese Entscheidung nicht ein. Würde ein Bahá'í diese Frage auch so „wegerklären“?

Warum lässt der allwissende, allgütige, allmächtige Gott Seebeben und Tsunamis mit zehntausenden Toten zu? Hier war ja keine „Schlechtigkeit“ von Menschen am Werk, hier kann man nicht argumentieren mit „gerechter Strafe“ wegen der „Schuldbeladenheit“, hier geht es ja nicht um „Nichteinmischung“ bei „freien Willensentscheidungen“. Hat Gott Lust am Töten? Hat er „seine Welt“ doch nicht unter Kontrolle? Was könnte hier eine Erklärung sein?

Wenn sich keine Schuld zuweisen lässt, wird es schwer verständlich, dass eine so „fehlerhafte Schöpfung“ ganze Schulklassen von Kleinkindern so mir nichts dir nichts vernichtet?! Steht hierzu etwas in den Bahá'í-Schriften?

Schläft Gott? Hat er doch Fehler gemacht bei der Weltkonstruktion? Hat er keine Lust zu helfen, obwohl er es könnte? Kann er gar nicht helfen?


Aus dem Antwortschreiben von Dr. Schaefer:

Auf die Theodizee-Frage, die so alt ist wie die Menschheit und die gerade jetzt wieder eine schaurige Aktualität erhalten hat, wird es nie eine schlüssige Antwort geben, jedenfalls nicht eine solche, die Ihre ausschließlich an rationalen Kriterien orientierte Denkweise befriedigt. Das Leiden der unschuldigen Kinder hat schon Camus zum Ausgangspunkt seines Denkens über die Unerträglichkeit der Schöpfung genommen (Die Pest).

Menschheitskatastrophen wie Auschwitz, Gulag, Naturkatastrophen, Seuchen wie Aids – so etwas hat es im Grunde schon immer gegeben, nur jetzt in wahrhaft apokalyptischem Ausmaß.

Es ist die Frage nach dem Handeln Gottes (die Theologen sprechen von „Rechtfertigung Gottes“). Dazu gibt es eine Fülle theologischer und philosophischer Literatur. Doch alle Versuche, eine befriedigende Antwort zu geben, sind gescheitert. Kant hat in seinen Kritiken auch nachgewiesen, warum dies so ist: Fragen der Metaphysik, nach „Gott, Freiheit und Unsterblichkeit“ sind jenseits unserer rationalen Erkenntnis und darum philosophisch nicht zu klären. Die Offenbarung weist die Frage ab: „Er soll nicht befragt werden über Sein Tun“, heißt es im Qur’án (21:24). Ähnliches können Sie im Römerbrief des Apostels Paulus nachlesen (9:20ff.). Gott ist jenseits unserer Vorstellung und Aussagen, und darum ist auch sein Handeln unerforschlich. Das ist eine im Schrifttum Bahá’u’lláhs vielfältig dargestellte Lehre. Deshalb ist es für den Menschen auch nicht möglich, sein Handeln zu verstehen oder gar zu bewerten...

Das Argument der Willensfreiheit ist übrigens kein „Wegerklären“ des Problems, sondern, soweit es das Leid aus Menschenhand anbelangt, ein Argument, das man nicht „wegdiskutieren“ kann. Zur Erklärung von Katastrophen taugt es freilich nicht. Die Philosophen, sofern sie gläubig waren, sind gleichwohl an ihrem Gott nicht irre geworden. Als Bahá’í sage ich Ihnen: Die Schöpfung ist nicht fehlerhaft, keine „verfehlte Schöpfung“, wie Cioran sein Buch betitelte, der Mensch kein „Irrläufer der Evolution“, kein „Fehlschlag der Natur“ (Arthur Koestler), kein „Untier“ (Ulrich Hostmann). Gott hat auch keine „Lust am Töten“, wie Sie zynisch fragen. Er „schläft“ auch nicht und hat seine Welt sehr wohl „unter Kontrolle“.

Dass die Frage unbeantwortbar bleibt, zeigen die Ihnen angebotenen Erklärungsversuche, die Sie zu Recht kritisieren. Die unschuldigen Kinder haben keine Schuld auf sich geladen, und die meisten der Opfer wohl auch nicht. So etwas steht auch nirgendwo in der Schrift. Dort können Sie aber lesen, dass es individuelle und kollektive Prüfungen, Heimsuchungen gibt und, Sie werden es nicht glauben, dass das Leid, das den Menschen in vielfältiger Weise trifft, keine Art „Betriebsunfall“ ist, sondern eine Funktion im göttlichen Heilsplan hat. Es soll die Einzelseele läutern und die Menschheit läutern und zusammenschmelzen (vgl. ´Abdu’l-Bahá, Briefe und Botschaften 39:5; Shoghi Effendi, Der verheißene Tag ist gekommen, S. 21ff.). In der Anlage habe ich Ihnen eine Ansprache ´Abdu’l-Bahás, die er am 23. April 1912, kurz nach dem Untergang der Titanic gehalten hat, beigefügt [siehe unten]. Aber wahrscheinlich hat man Sie auf diese Schriftstellen schon hingewiesen. Über die unschuldigen Kinder ist gesagt, dass sie sündlos in die jenseitige Welt eingehen und „unter dem Schutz und der Gnade Gottes“ stehen (Beantwortete Fragen 66:9). Die Gerechtigkeit Gottes stellt sich für den, der an Gott und an ein Fortleben post mortem glaubt, eben anders dar als für den, der die Welt für ein reines Zufallsprodukt hält...

Vielleicht, wenn es Ihnen wirklich um die Wahrheit geht, versuchen Sie es einmal anders, etwa auf dem Weg der Mystik. Dann werden Sie zwar auf die Theodizee-Frage keine schlüssige Antwort erhalten, weil es, solange wir in dieser Welt leben, keine Antwort geben wird, aber die Frage wird Ihre Relevanz verlieren, weil man sich damit abfindet, dass man in dieser Welt nicht alles rational erklären und beweisen kann. Gott (und auch der Mensch) ist ein Geheimnis, und vieles verstehen wir erst in der künftigen Welt, sofern man sich auf diesen Pfad begeben hat.


Aus einer Ansprache ‘Abdu’l-Bahás, gehalten am 23. April 1912 in Washington, D.C.*)

Während der letzten Tage hat ein schreckliches Ereignis die Welt erschüttert, ein Ereignis das jedes Herz mit Trauer erfüllt und jedermann bekümmert hat. Ich meine die Katastrophe um die Titanic, bei der viele unserer Mitmenschen ertrunken sind; viele liebe Seelen sind aus diesem irdischen Leben geschieden. Obwohl ein solches Ereignis in der Tat bedauerlich ist, müssen wir uns doch vergegenwärtigen, dass alles was geschieht einer bestimmten Weisheit unterliegt und nichts grundlos geschieht. Darin liegt ein Mysterium. Was jedoch auch immer der Grund und das Mysterium seien – es war ein trauriges Geschehen, eines das viele Augen mit Tränen erfüllt und vielen Seelen Pein gebracht hat. Mich hat diese Katastrophe tief berührt. Einige der Ertrunkenen sind bis Neapel auf der Cedric mit uns gereist und dann auf einem anderen Schiff weiter gesegelt. An sie zu denken, erfüllt mich in der Tat mit Trauer. Wenn ich dieses Unglück jedoch unter einem anderen Gesichtspunkt betrachte, tröstet mich die Einsicht, dass Gottes Welten unbegrenzt sind. Jene Menschen gingen dieses Daseins verlustig, sie haben aber andere Möglichkeiten im jenseitigen Leben; wie Christus sagte: »In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen.« Aus dem Zeitlichen wurden sie abberufen und in die Ewigkeit versetzt; sie haben dieses stoffliche Dasein aufgegeben und die Tore der geistigen Welt durchschritten. Das Vergnügen und Behagen der Irdischen hinter sich lassend, sind sie jetzt einer viel dauerhafteren Freude, eines weit wirklicheren Glücks teilhaftig, denn sie sind ins Reich Gottes geeilt. Gottes Gnade ist grenzenlos, und unsere Pflicht ist es, dieser verstorbenen Seelen in unseren Gebeten und Fürsprachen zu gedenken, damit sie immer näher zum eigentlichen Quell gelangen.

Die menschlichen Zustände lassen sich dem Mutterleib vergleichen, aus dem das Kind in die weite Außenwelt hineingeboren wird. Zunächst fällt es dem Kind schwer, sich mit seinem neuen Dasein abzufinden. Es schreit, als wolle es nicht aus seiner engen Wohnung entfernt werden, als stelle es sich vor, das Leben sei auf diesen umgrenzten Raum beschränkt. Es mag seine Heimstatt nicht verlassen, aber die Natur zwingt es in die Welt hinaus. Nachdem es in seinen neuen Zustand eingetreten ist, erfährt es, dass es aus dem Dunkel in eine Sphäre des Glanzes, aus düsteren, beengten Verhältnissen in eine geräumige, angenehme Umgebung gelangt ist. Seine Nahrung war das Blut der Mutter; nun freut es sich an köstlichen Speisen. Sein neues Leben ist von Glanz und Schönheit erfüllt; freudig und verwundert schaut das Kind auf Berge, Auen und grüne Felder, Flüsse und Quellen, die herrlichen Sterne; es atmet die erquickende Luft; und schließlich preist es Gott dafür, dass Er es aus dem Kerker seines vorherigen Zustandes erlöste und die Freiheit einer neuen Welt erlangen ließ. Dieses Gleichnis drückt das Verhältnis der zeitlichen Welt zum jenseitigen Leben aus, den Übergang der Menschenseele aus dunkler Unsicherheit in die helle Wirklichkeit des ewigen Reiches. Zuerst fällt es der Seele schwer, den Tod willkommen zu heißen; aber wenn sie ihren neuen Zustand erreicht hat, ist sie dankbar, ist sie doch der Bande des Begrenzten ledig und kann die Freiheiten des Unbegrenzten genießen. Aus einer Welt des Leides, des Schmerzes und der Heimsuchung ist sie entlassen, um in einer Welt unaufhörlicher Freude und Wonne zu leben. Das vergängliche und das Natürliche gibt sie auf, um zu den Möglichkeiten des Idealen und des Geistigen zu gelangen. So sind die Seelen derer, die von der Erde geschieden sind und die Zeitspanne ihrer irdischen Pilgerreise mit dem Untergang der Titanic vollendet haben, in eine höhere Welt enteilt. Sie haben sich aus diesem Zustand trüben Dunkels emporgeschwungen in das Reich des Lichtes. Das sind die einzigen Überlegungen, welche die Hinterbliebenen trösten und stärken können.

Darüber hinaus haben diese Geschehnisse tiefere Gründe. Ihr Zweck ist, den Menschen gewisse Lehren zu erteilen. Wir leben in einer Welt des Vertrauens auf materielle Dinge. Die Menschen bilden sich ein, die ungeheure Größe und Stärke eines Schiffes, perfekte Maschinenanlagen oder die Geschicklichkeit eines Steuermanns gewährten Sicherheit; aber diese Unglücksfälle ereignen sich zuweilen, damit die Menschen erkennen, dass Gott der wahre Beschützer ist. Wenn es der Wille Gottes ist, den Menschen zu beschützen, kann ein kleines Boot der Zerstörung entgehen, während das größte und bestgebaute Schiff mit dem erfahrensten und geschicktesten Steuermann einer Gefahr, wie sie kürzlich das Meer barg, nicht zu entrinnen vermag. Die Absicht ist, dass die Menschen der Welt sich Gott, dem einzigen Beschützer, zuwenden, dass sich die Menschenseelen Seiner Vorsehung anvertrauen und in Ihm ihre wahre Sicherheit erkennen. Diese Dinge geschehen, damit der Glaube der Menschen größer und stärker werde. Deshalb müssen wir, auch wenn wir traurig und entmutigt sind, Gott anflehen, dass Er unsere Herzen dem Königreiche zuwende, und für diese abgeschiedenen Seelen im Glauben an Seine unendliche Gnade beten, damit sie sich, obgleich dieses irdischen Lebens beraubt, eines neuen Daseins in den erhabenen Wohnstätten des himmlischen Vaters erfreuen mögen. Denkt nicht, diese Worte besagten, der Mensch solle nicht gründlich und vorsichtig in seinen Unternehmungen sein. Gott hat dem Menschen den Verstand gegeben, damit er sich vorsehe und selbst beschütze. Darum muss er achtsam sein und sich mit all dem versehen, was wissenschaftliches Können hervorbringt. Er muss vorsichtig, bedachtsam und gründlich in seinen Vorhaben sein, die besten Schiffe bauen und für den erfahrensten Kapitän sorgen, doch dabei Gott vertrauen und Gott als den alleinigen Erhalter ansehen. Wenn Gott beschützt kann nichts des Menschen Sicherheit gefährden; wenn es jedoch nicht Seinem Willen entspricht zu beschützen, nützen auch die beste Vorbereitung und die größte Vorsicht nichts.

*) Aus: ‘Abdu’l-Bahá, The Promulgation of Universal Peace, S. 47 ff; vorläufige Übersetzung (in Teilen bereits veröffentlicht in Göttliche Lebenskunst, S. 10 f und in … und zu Ihm kehren wir zurück, S. 118 f)
_________________
"Alle Religionen lehren, daß wir einander lieben und unsere eigenen Fehler herausfinden sollten, bevor wir uns erkühnen, die Fehler anderer zu verdammen, und daß wir uns nicht über unseren Nächsten erheben dürfen." -- Abdul-Baha
Warum lässt Gott es zu?

-Ganz einfach dieses Leid wurde nicht von Gott VERURSACHT.

Waren die ganzen Kriege der Menschheit von Gott verursacht? Kam Gott auf die Erde und sagte: "Ihr, fängt einen Krieg mit dem an!"

Nein Gott kann man nicht dafür verantwortlich machen. Im Gegenteil er hat uns eine Anleitung des Lebens hinterlassen. -die Bibel. Wenn sich jeder Mensch auf dieser Welt sich an diese Gebot darin haltet, dann gäbe es kein Leid:

-kein Krieg ("Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", "Du sollst nicht töten" etc)
-kein Hunger (Teilen! Lass andere an deinem Mahl zuwohnen.)
-kein Mord, Neid, Hass etc

Was ist der Fall?:

Die weniger dieser Welt die Macht&Geld besitzen knechten das Volk, halten es in Zaum und erteilen Befehle.

-Welcher König schlägt seine Schlachten selbst? -Eindrucksvoll von Michael Moore bewiesen...(Fahrenheit 9/11)

Ich weiß es sind nur kleine Beispiele, zum Thema naturkatastrophen lass ich euch entscheiden warum. Aber ich antworte auch dazu

lg phödi
_________________
Who are you? -Do you have anything worth living for?
Is wirklich ne doofe frage. warum, macht gott unsere fehler nicht unngeschehen? also erstmal wie pöhdi schon sagte, wir menschen sind an einer ganzen menge selber schuld. gerande an den naturkatastrophen. und dann hat sich der mensch zum größten teil von ihm abgewannt. er hat seine aufgabe vergessen, erhört ihn nichtmehr, bis auf einige ausnahmen. und da gott sich von vielen abgewannt hat, der mensch super in selbstbestrafen ist, und mensch nicht gewillt ist zu begreifen und anders zu lernen, gibt es leid. deshalb hunger5n kinder, weil wir reichen lernen sollen klug zu helfen, und mitleiid zu haben, warum gab es kz´s ? weil wir lernen solten uns für gerechtigkeit zu opfern, weil wir tzolleranz lernen sollten, weil wir lernen sollten zusammen zu halten, und weil wir lernen sollten, das hass kein weg ist.
Eine schnelle Geschichte:

"Eine Frau die nach rund 200 Jahren aus dem Kälteschlaf erwacht ist sieht sich fragend um. Der Arzt erklärt das sie zufällig entdeckt worden ist weil das Detektionsgitter vom Minbari-Krieg noch aktiv ist. Sie fragte welches Jahr haben wir? 2259. -Und da haben wir den Hass noch nicht überwunden? -Nein dafür werden wir noch länger als 200 Jahre brauchen." Bab5
phödi hat folgendes geschrieben:
Ganz einfach dieses Leid wurde nicht von Gott VERURSACHT.


Du hast es auf den Punkt gebracht
Es hilft nichts, immer alles auf Gott zu schieben.
_________________
"Alle Religionen lehren, daß wir einander lieben und unsere eigenen Fehler herausfinden sollten, bevor wir uns erkühnen, die Fehler anderer zu verdammen, und daß wir uns nicht über unseren Nächsten erheben dürfen." -- Abdul-Baha
gott ist ja auch nicht der , der unser geschehen wieder gut macht. gott bestraft uns auch warscheinlich nicht sehr nach dem tot. den wir menschen bestrafen uns durch unsere dummheit selbst.
Liebe Freunde

In letzter Zeit sind in meiner Umgebung einige sehr tragische Todesfälle von noch viel zu jungen Menschen passiert. Z.B. eine junge Mutter von einigen zum Teil noch sehr kleinen Kindern starb an Krebs, ihr Mann steht jetzt mit den Kindern alleine da.

Wenn man darüber nachdenkt ist man sehr ratlos.
Beim Zunami ist die Fassungslosigkeit noch viel, viel größer.

Was mir dann dazu eingefallen ist, ist eine Gegenüberstellung. Auf der einen Seite haben wir Dinge, die wir nicht beeinflussen können. Wir sagen dann, dass wir Alles tun würden wenn es irgendeine Möglichkeit gäbe das zu verhindern.

Sollten wir uns dann nicht sehr bei der Nase nehmen, wo es doch so viele Dinge gibt, die wir doch in der Hand haben, und uns wirklich dafür/dagegen einsetzen, z. B. Rassenhass, Bildung für alle Menschen, Gleichberechtigung, Hunger in der Welt, die Abschaffung des Krieges, ablegen von Vorurteilen, umfassende Abrüstung u.s.w. ......... die Liste ist sehr lang, und Jeder findet sicher ein Betätigungsgebiet....... oder mehrere.

Aber was machen wir so gerne?
Wir wählen bei der nächsten Wahl die selbe Partei, die in "Sicherheit und Rüstung" macht, die Pensionen der kleinen Leute "sichert" durch Kürzungen...........Wir bleiben in der selben Religion, obwohl die sture Linie
der Alleinseligmachung neue Konflikte mit anderen Religionen vorprogrammiert.

Da ist ein neuer Offenbarer der sagt, "Gott gibt uns alle Werkzeuge in die Hand um die Probleme unseres Zeitalters zu meistern! "
Wir wundern uns gerne und sagen "Das wird es nie geben, ............wir können ja nicht". Ausreden über Ausreden fallen uns ein.

Vielleicht sollen uns die Schlimmen Zustände auf unserer schönen Welt an all die Dinge erinnern, die wir doch in der Hand haben, ja die sicher niemand für uns erledigen wird.

Daher haben wir soviel zu tun, also worauf warten wir?

Alles Liebe
_________________
"Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger"
Bahà'u'llàh
"Daher haben wir soviel zu tun, also worauf warten wir?"

-das wird sicher ein Spaß...jeder ist des eigenen Schicksals Schmied...
da hast du recht.
Das ist ein spannendes Thema, da muß ich mich doch gleich mal anmelden und mich einmischen:

Also, ich dachte immer, die Theodizee-Frage sei nur ein Problem von Christen da es mit bestimmten theologischen Auffassungen zusammenhängt und daß sich aus Bahá'i-Sicht die Frage gar nicht stellt.

Die Bahá'i haben z.B. nicht das Konzept, daß Gott ständig in das Geschehen eingreift. So wird Gott z.B. als allmächtiger Schöpfer der Natur begriffen, aber es wird dennoch anerkannt, daß die Natur ihre eigene Gesetzmäßigkeit hat. In der christlichen Welt war das anders und deshalb wurde auch mit der "Kopernikanischen Wende", als man allmählich das Prinzip der Kausalität und die Naturgesetze erkannte, Gott für überflüssig erklärt und die Theologen ganz schön in Verlegenheit gebracht.

Wenn man jedenfalls Gott nicht von vornherein für alles verantwortlich macht, ist auch die Theodizee-Frage weniger gewichtig...

Den oben genannten Punkt, daß das meiste Leid von Menschen gemacht ist, finde ich übrigens auch sehr wichtig!

Und wer hat eigentlich gesagt, daß wir auf der Welt wären um glücklich zu sein? Wir sind auf der Welt um uns geistig weiterzuentwickeln und "eine ständig fortschreitende Zivilisation voranzutragen". Leid und Prüfungen sind Mittel zur Läuterung unserer Seele, wobei das Leid seine Ursache in unserem Verhaftetsein mit der materiellen Welt hat (vgl. Abdu'l-Baha: Ansprachen in Paris, Kap. 35 Schmerz und Sorge). Aus dieser Sicht gibt es kein sinnloses Übel. Es ist auch klar, daß Leid etwas absolut Subjektives ist. Und a propos Mystik: das "Tal der Erkenntnis" (mit der Geschichte über Leyli und Majnun...) aus den "Sieben Tälern" von Bahá'u'lláh handelt davon, wie sich aus einer tiefen Einsicht in die göttliche Absicht jedes Unglück als Gnade darstellt: "Die Wanderer aber in den Gärten der Erkenntnis sehen das Ende im Beginn und darum den Frieden im Krieg und die Freundlichkeit im Zorn."

Ich will ja nicht zynisch klingen und schreckliche Katastrophen nicht relativieren, aber man sollte nicht vergessen, daß die Gründung der UN und die Erklärung der Menschenrechte auf den 2. Weltkrieg und den Holocaust folgten.
Es erstaunt mich auch, wenn Gerhard Schröder nach dem Seebeben anfängt von der "einen Welt" zu reden, Menschen aus aller Welt mit ihren Spenden eine Solidarität jenseits von Nation, Rasse oder Religion beweisen und Regierungen, die sich eben noch spinnefeind waren, lernen daß sie zusammenarbeiten können. Das Wort von der "einen Welt" mag soweit nur eine leere Phrase sein, die noch längst nicht realisiert ist, aber ich finde es ist bereits viel wenn viele Menschen solche Ideen annehmen ...

Außerdem: Wenn Leid sinnlos wäre, wie ist es zu erklären, daß gerade die Boten Gottes Verfolgung, Folter und Märtyrertum ertragen mußten (DER Inbegriff der Ungerechtigkeit schlechthin wenn ihr mich fragt. Siehe auch: Bahá'u'lláh: Buch der Gewissheit) ohne daß Gott dies verhindert hätte?

Noch ein Punkt, den ich interessant finde, ist, daß es im Bahá'i Glauben das Konzept von göttlichen Strafaktionen gibt (ich denke da vor allem an gewisse Passagen aus "Gott geht vorüber" von Shoghi Effendi), was aber nicht heißt, daß alles Unglück als göttliche Strafe für unsere Sünden zu interpretieren sei. Hier gilt, wie aus dem Beitrag von Herrn Dr. Schaefer hervorgeht, daß "Gott tut, was Er will, und bestimmt, was Ihm gefällt" (Bahá'u'lláh) und wir seine Absicht niemals erfassen können.

Wie die Bahá'i über das Wesen des Menschen, das Leben nach dem Tod und den Sinn des Lebens denken, ist hier sicher an anderer Stelle nachzulesen. Begreift man jedenfalls dieses Leben "bloß" als erste Station in der unendlichen Reise unserer Seele zu ihrer Vervollkommnung, verlieren Leid und Tod viel von ihrem Schrecken. Ich stell mir das immer so vor, daß im nächsten Leben jeder das kriegt was er verdient und daß Gott wie ein allwissender Richter ist, der sämtliche "milderden Umstände" berücksichtigt Dabei sind die Anforderungen nicht für jeden gleich: "Die ganze Pflicht des Menschen liegt an diesem Tage darin, seinen Teil von der Gnadenfülle zu erlangen, die Gott für ihn strömen läßt. Deshalb soll niemand der Größe oder Kleinheit des Gefäßes achten. Der Anteil der einen mag in einer Handvoll liegen, der Anteil anderer mag einen Becher füllen, der wieder anderer gar das Maß eines Scheffels" (Baha'u'llah, Aehrenlese). In den Bahá'i Schriften (konnte gerade kein Zitat finden) wird uns außerdem versichert, daß keine Seele über ihr Kapazität geprüft wird. Eigentlich sollten wir uns doch gar keine Sorgen machen...

Und stellt Euch vor, Adam & Evas Sündenfall wäre nie passiert und es gäbe keine Sünde und kein Leid auf dieser Welt: was hätte das menschliche Leben für einen Sinn? Wäre es nicht ziemlich langweilig?



... Dieses Thema ist wirklich unerschöpflich. Ich hoffe, es ist Euch nachvollziehbar wie diese Gedanken mit der Theodizee-Frage zusammenhängen (??? )

Ich wollte eigentlich nur ein paar Stichworte in den Raum stellen, aber bin wohl etwas abgeschweift... Doch wie heißt es so schön in den Bahá'i Schriften: "Eine Stunde Nachdenkens ist mehr wert als siebzig Jahre frommer Andacht."

In diesem Sinne: Gute Nacht!

Forum -> Gott