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Halbe Verwandtschaft












Liebe Gabriele!

Zitat:
Liebe Kiki, der Übergang damals - als die Mauer fiel, ist jedem Menschen schwer gefallen. Die Vorbilder, die galten, fielen von einem Tag auf den anderen nieder. Alles, was gestern noch richtig schien, war mit einem Mal weg.


Bin zwar im Westen großgeworden, aber das kenne ich trotzdem sehr gut. Meine halbe Verwandtschaft lebt in Sachsen (Zwickau), da meine Mama von dort ist. Sie kam 1958 durch die Heirat mit meinem Vater (aus München) in den Westen. (Was für eine Mischung Mischung: Mutter Sächsin, Vater Bayer, aufgewachsen in Baden-Württemberg ) Aber wir haben ja oft Besuche dort gemacht und daher kenne ich vieles: das Anstehen in den Läden; Menschen die zwar das Geld hätten, aber vieles nicht einfach kaufen können, weil es meistens das, was man gerade braucht nicht zu haben ist; aufpassen, zu wem man was sagt; Wohnungszuweisungen; Kinderkrippe; Zwang zum Geldumtausch; Trabbi; Motorräder; der Geruch der Braunkohle, schon an der Grenze; Etagenklo (oft nur Plumpsklo) für meherer Wohnungen; auf der Heimfahrt die Beklemmung an der Grenze, da man nie wirklich sicher war nicht einfach zu "verschwinden" (habe ich schon gesehen), ... aber auch der (Familien)Zusammenhalt, den die Menschen damals noch hatten, weil einer auf den anderen angewiesen war.
Ich glaube das Schlimmste war nicht einfach sagen zu dürfen, was man denkt. Keine freie Meinungsäußerungen, da man auch nie wusste, wer es vielleicht hört. Eine Cousine meiner Mutter war früher auch mal kurz in Bautzen (Gefängnis) weil sie angeblich Flugblätter verteilt hätte, was aber nicht stimmte - sie hatte nur für eine Bekannte nach jemanden bestimmten gesucht. Sie redete nie gern drüber, sagt nur, dass sie froh ist das überlebt zu haben, es wäre sehr schlimm gewesen dort. Sie hat dann eigentlich auch erst nach der Wende erfahren, dass sie damals gefoltert wurde, da sie nicht wusste, dass Schlafentzug auch als Folter gilt.

Ja, ich denke schon, dass es nach der Wende nicht für alle leicht war, weil man auf einmal lernen musste für sich selbst verantwortlich zu sein. Der Staat hat einem dieses nicht mehr abgenommen. Viele Kinderkrippen wurden geschlossen und somit verloren auch viele Frauen ihre Arbeit. Allerdings durfte man endlich auch öffentlich seine Meinung sagen, quasi öffentlich meckern ohne Angst haben zu müssen.

Aber ich denke du hast das ganz gut geschafft - das selbständige Denken- wie ich deinen Beiträgen entnehmen kann.

LG,
Kiki
Forum -> Spiegel- und Reflexionsforum II


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