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alle Heiligen Bücher auf ihren Wahrheitsgehalt abklopfen und Religionskritik zulassen, würde es wohl wie in diesem Bericht ähnlich aussehen.
http://www.schmidt-salomon.de/erledigt.htm
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Global gesehen wäre es daher vollkommen verkehrt, davon zu sprechen, daß das Christentum erledigt ist. Im Gegenteil! Zur Zeit rüstet sich das Christentum sehr erfolgreich für den großen ideologischen Zweifrontenkrieg, den es in Zukunft zunehmend führen wird - zum einen gegen den Islam und zum anderen gegen den säkularen Geist der Aufklärung.
Diese Feststellung mag merkwürdig erscheinen für all jene, die das Christentum nur aus der Perspektive der freundlichen, aufgeklärten (ein wenig zahnlosen) deutschen Nachkriegstheologie kennen. Aber - und darauf will ich hier mit Nachdruck hinweisen: In der humanistischen Theologie, wie sie u.a. von Hans Küng, Eugen Drewermann oder Dorothee Sölle vertreten wird, begegnet uns weder das weltpolitisch bedeutsame noch das eigentliche, ursprüngliche, authentische Christentum. (3)
So unangenehm diese Erkenntnis auch den freundlich-zotteligen Religionslehrer unserer Tage sein mag: 2000 Jahre Christentum waren kein Versehen. Man muß den religiösen FundamentalistInnen dieser Erde wohl zugestehen, daß sie - unter der Voraussetzung, daß in den "heiligen Schriften" tatsächlich das Wahre, Schöne, Gute offenbart ist - völlig im Recht sind, wenn sie in den neumodischen Schriften der sogenannten "humanistischen Theologen" Ketzerei, Abkehr vom Glauben, Verführung zum Unglauben sehen. Denn die jeweiligen "heiligen Schriften" und die Ausführungen der jeweiligen Religionsstifter sind längst nicht so human, wie Küng & Co. sich das erträumen. Dies gilt auch (und vielleicht ganz besonders!) für das Christentum. Weder der historische Jesus noch der davon zu unterscheidende geglaubte, retuschiert überlieferte, biblische Jesus Christus waren Propagandisten einer humanen, offen-pluralistischen Weltauffassung. Dies sei nachfolgend in aller Kürze aufgezeigt. |
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Von dem historischen Jesus, dem rebellisch aufbegehrenden "König der Juden", ist - wie gesagt - der geglaubte, retuschiert überlieferte, mythische Jesus zu unterscheiden, der von Gott höchst daselbst gezeugt und von der Jungfrau Maria zu Bethlehem geboren wurde. (Der Geburtsort Bethlehem ist bekanntlich aus mythologischen Gründen wichtig, weil als prophezeit galt, daß der Heiland in Bethlehem geboren werde. Um dies zu ermöglichen, erfand man die phantasievolle, rührselige Geschichte vom herbergsuchenden Pärchen, das aufgrund einer - historisch nicht belegten - "Schätzung" nach Bethlehem reisen mußte, wo dann in einer armseligen Scheune die Prophezeiung erfüllt und der "König der Könige" geboren wurde.)
Der Glaube an den unter solch merkwürdigen Umständen empfangenen und geborenen mythischen Jesus ist die Grundlage des Christentums und der christlichen Kirchen. Es ist - und das ist entscheidend! - ein Jesus, der seine Herkunft als jüdischer Rebell und Patriot vollständig abgelegt hat, ein Jesus, der gerade für Nichtjuden zugänglich wurde, ein Kosmopolit, der zu allen Menschen gesandt war, einer, der alle erlösen, der seine vermeintlich "frohe Botschaft" allen verkünden wollte (gleichgültig, ob sie die Botschaft hören wollten oder nicht).
In vielerlei Hinsicht ist dieser überlieferte Christus die totale Negation des historischen Jesus. War der historische Jesus als patriotischer Jude erklärter Feind der Römer, so mutierte der retuschierte Jesus zum politisch indifferenten Römerfreund. Ja, die Verfälschung der historischen Wahrheit in den Evangelien (insbesondere im Johannesevangelium) geht soweit, daß aus Pilatus, der stets "kurzen Prozeß" mit Verurteilten machte, ein verständnisvoller Zuhörer wurde und für die Ermordung des Rebellen Jesus sein eigenes Volk, die Juden, verantwortlich gemacht wurde und nicht die - besonders unter Pilatus - äußerst brutale Besatzungspolitik der Römer. Mit anderen Worten: Aus der antirömischen Botschaft, für die der historische Jesus sterben mußte, wurde eine antijüdische (9) und - Ironie des Schicksals - die wohl wichtigste Agentur zur Verbreitung seines angeblichen Gedankenguts siedelte sich genau an dem Ort an, an dem der jüdische Rebell wohl nur die übelsten Dämonen vermutet hätte: in Rom.
Aber - wie gesagt - verlassen wir nun den historischen Jesus, über den wir bis auf einige wenige, aus dem historischen Kontext erschlossene Erkenntnisse nur sehr wenig wissen, und nehmen wir "Gott beim Wort", das heißt, tun wir so, als sei das, was in der Bibel steht, tatsächlich wahr, und nicht aus spezifischen Interessen (Anpassung des frühen Christentums an die römische Besatzungsmacht) heraus retuschiert, verfälscht worden.
Wir fragen also nun: Finden wir in der heiligen (= unantastbaren) Schrift des Christentums, die wir für den Moment einmal wirklich als wahren Ausdruck göttlichen Willens auffassen wollen, tatsächlich Grundlagen für ein dem Humanen verpflichtetes Weltethos? |
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| Intellektuell unredlich ist dieser Weg, weil hier nicht mehr kritisch den Ursprüngen, Wegen und Irrwegen, Stärken und Schwächen des Christentums nachgeforscht wird, sondern diese Ursprünge schöngeredet, die Irrwege und Schwächen kaschiert und selbst das offensichtlich Inhumane auf eine Art und Weise umwolkt wird, daß es kaum noch in seiner eigentlichen, menschenfresserischen Substanz zu erkennen ist. Dank eines ungeheuren, rational nicht nachvollziehbaren, exegetischen Salto mortale gelingt es theologischen HumanismusakrobatInnen, christliche Humanität selbst da noch zu erkennen, wo gegen jegliches Mindestmaß an Humanität aufs Scheußlichste verstoßen wird. Hierfür muß die Bibel selbstverständlich - auf Teufel komm raus (im wahrsten Sinne des Wortes!) - so sehr gegen den Strich gebürstet werden, daß jedem unbefangenen Beobachter die Haare zu Berge stehen. Da wird aus Unsinn plötzlich Sinn und aus Leid plötzlich Freude, da verklärt sich das Verbrechen zur Heldentat und das Joch zum Siegessymbol. Kurzum: Da versetzt Glaube nicht nur Berge, sondern auch unbefangene Beobachter in fassungsloses Erstaunen angesichts einer solch virtuosen Unredlichkeit der Deutung. |
Der Mensch schaut immer auf die Menschen, die ihre Heiligen Schriften in die Praxis umsetzen und wie sie es tun, denn der Mensch kennt nicht alle Schriften und so schaut er auf die Umsetzer der Schrift. Ob nun Christentum oder andere Heilige Schriften aus anderen Religionen. Was steht geschrieben (Theorie) und wie handelt der Mensch (Praxis)
Daraus zieht der Mensch seine Schlüsse.
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