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Lieber Heiko,
soweit mir bekannt ist, gibt es im Islam 800 verschiedene Strömungen - Sunniten, Schiiten, Sufi, Aleviten um nur einige zu nennen. Fragst Du einen Anhänger einer dieser Strömungen, so wird dieser sich ebenso felsenfest auf dem Boden seiner Theologie bewegen, wie Du, zaf-ad und DJ-Kamil das tun. Du kannst also per sei sicher sein, das Umay Hatun sich auf dem Boden ihrer Interpretation des Islams genauso sicher bewegt, wie Du.
Die ganze Diskussion hier erinnert mich fatal an die Diskussionen zwischen den unterschiedlichsten Christengemeinden (davon gibt`s rund 2000 verschiedenste Strömungen...): Jeder glaubt die Wahrheit mit Löffeln gefressen zu haben und meint, den anderen im Glauben verleumden zu müssen. Toleranz, lieber Heiko, bedeutet auch den Standpunkt des jeweils Anderen zu respektieren, statt mit Polemik und Agitation den anderen Standpunkt "madig" zu machen. Bei zaf-ad, DJ-Kamil und Umay Hatun sehe ich, wie man Toleranz auch im Islam leben und praktizieren kann. Bei Dir sehe ich das leider nicht.
Ich finde es durchaus bezeichnend, das Du Propagandasendungen des RIAS als höherwertig einstufst, als die gleiche Machart von Sendungen des "Radio Mockba", des Propagandasenders der Kreml-Kommunisten. Propaganda und Verleumdung ist nie ein adequates Mittel um sich miteinander auseinander zu setzen. Wie Umay Hatun schon richtig erwähnt hat, ist Ehrlichkeit das wichtigste Mittel der Auseinandersetzung.
Im Übrigen ist und war die westliche Demokratie nie so frei, wie man uns das glauben machen wollte: Wir leben in einer demokratischen - Parteiendiktatur. Oder hast Du schon mal erlebt, das irgendwo in der westlichen Welt eine Regierung unabhängig von Parteibüchern nur aus Fachleuten besetzt wird...? In Deutschland brauchst Du z.B ein Parteibuch, damit Du zum Regierungspräsidenten ernannt werden kannst - die fachliche Qualifikation ist da eher zweitrangig...
Ware Demokratie hast Du erst, wenn Du ohne Wahlkampf, ohne Parteienklüngel die Menschen wählen kannst, von denen Du aus persönlicher Ansicht annimst, das sie eine Befähigung für ein "offenes Amt" haben.
Noch was zum Kopftuch: Baha`i lehnen das Tragen des Kopftuches strikt ab - deshalb tragen die Baha`i-Frauen und Mädchen auch keines. Aber wir Baha`i achten und respektieren auch die Wahlfreiheit des Menschen - und wenn nun eine Muslima aus freien Stücken beschliesst ein Kopftuch zu tragen, so ist das einzig und alleine ihre eigene freie Entscheidung und es steht uns nicht das Recht zu, anhand eines Kleidungsstückes die Muslima als "Anhängerin eines radikal-islamischen Weges" zu diffamieren. Und ebenso steht es keinem westlichorientierten Menschen zu, über Menschen die eine andere Kleidung, ein anderes Aussehen, eine andere Kultur oder eine andere Hautfarbe haben, zu "richten". Pauschal alle Muslima die ein Kopftuch tragen mit den Terroristen in Verbindung zu bringen, ist nichts anderes als Rassismus in neuer Form.
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