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Der kleine schwarze Fisch












...man stelle sich eine Zeit vor, in der die Bäche sauber, die Teiche unberührt, die Flüsse rein und der Ozean unermesslich war....

Am Rande der Bucht, dort wo sich das süsse Wasser der Flusses mit dem salzigen Nass des Meeres vereint, wohnte eine Fischfamilie. Sie suchten ihre Nahrung sowohl im Schlamm des Flusses, als auch im Sand des Meeres, doch sie entfernten sich nie weiter als einige Fischschwanzlängen voneinander. Es gab unter ihnen rote Fische, blaue, grüne, weisse, braune, violette, solche die alle Farbschattierungen aufwiesen und solche, die nur einige Flecken von Farbe ihr eigen nannten. Und es gab einen kleinen, schwarzen Fisch.

Kindheit und Jugendzeit des kleinen schwarzen Fisches verliefen, wie heute Kindergarten und Schule für den Mensch. Doch wie beim Menschen die Zeit der Unbeschwertheit sich einmal einem Ende zuneigt, so ist`s auch bei den Fischen - der kleine schwarze Fisch wurde erwachsen. Die Oberhäupter des Fischclans feierten dies mit allgemeinem Flossen-wackeln und forderten den kleinen schwarzen Fisch auf, seine Stellung im Clan einzunehmen.

"Gerne" sagte der kleine schwarze Fisch,"gerne folge ich eurem Rat, der sich auf Generationen der Weisheit, erworben in diesem überschaubaren Teil des Wassers gründet. Aber sagt: was ist dort draussen?" Und er zeigte auf die unendliche Weite des Meeres....

Die Alten verloren alle Farbe. "Dort ist .......nichts. Kein weiser Fisch begibt sich dorthin. Dort ist, was wir nicht sehen, was wir nicht fühlen, was wir nicht tasten, dort ist nichts...!"

"Aber, wart ihr denn schon mal da, das ihr wisst, das dort nichts ist?" fragte der kleine schwarze Fisch weiter.

Da schob sich ein uralter, mit Narben übersäater Fisch vor: "Dort ist nichts! Ich war schon auf der Welt, als Dein Grossvater aus dem Laich schlüpfte, und auch ich hörte von meinem Grossvater so wie dieser von seinem Grossvater - DORT IST NICHTS!"

Der kleine schwarze Fisch begab sich in seine Schlafhöhle und dachte nach. Das Problem des Unbekannten beschäftigte ihn so sehr, das an Schlaf nicht zu denken war. Früh am morgen, die Sippe ruhte noch, erblickte der kleine schwarze Fisch die ersten Sonnenstrahlen am Horizont.
Das Meer, in den den Alten zufolge nichts war, wurde von goldenen Strahlen durchzogen, und weit in der unendlich erscheinenden Ferne waren Schatten, Formen, Gebilde.

Der kleine schwarze Fisch begann seinen Weg in`s Meer zu suchen...

Lange dauerte die Reise, vielfältig waren die Gefahren, überwältigend das Glück - eine Feder reicht nicht die Erlebnisse zu schildern. Doch das Meer der Unendlichkeit beschenkte den kleinen schwarzen Fisch mit dem Ort der Ruhe in den Korallen, weit ab vom Wesen seiner Geburt.

Und viele Generationen später erblickte ein kleiner roter Fisch die Schönheit des Korallenriffs. Sein Augenmerk wandte sich der dunkelblauen Tiefe zu, und er fragte die Alten, was dort wohl sei........
Nachtrag: Die Geschichte kommt aus dem Iran und wird fallweise Sa`adi, fallweise auch Ha`fis zugerechnet.
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