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Die Hilfe für die Toten












Ich habe oft darüber nachgedacht, wie ich so manches, was mir passierte, deuten sollte. Es gab Dinge, über die ich nicht sprach. Und dann traf ich auf Literatur, die mir meine Fragen beantworten konnte. So kann ich mir jetzt einiges erklären.


Aus "Das Leben in der geistigen Welt" - letztes Kapitel -


Nun kommen wir zur Betrachtung dessen, was weitaus der größte und wichtigste Teil der Arbeit ist - die Hilfe für die Toten. Bevor wir
dies verstehen können, müssen wir uns von den gewöhnlichen plumpen und irrtümlichen Ideen über den Tod und den Zustand der Toten befreien. Sie sind nicht weit weg von uns, sie sind nicht plötzlich völlig verändert, sie sind nicht zu Engeln oder Dämonen geworden. Sie sind einfach menschliche Wesen, genaus so wie sie früher waren, weder besser noch schlechter, und sie sind immernoch ganz in unserer Nähe, für unsere Gefühle und Gedanken sogar noch empfänglicher als früher. Deshalb ist unbeherrschter Trauer um die Toten so flasch und auch so selbstsüchtig. Der tote Mensch fühlt jede Gemütsbewegung, die durch das Herz seiner Lieben geht, und er fühlt auch, wenn sie sich in der Unverständnis dem Kummer überlassen, der eine entsprechende Depressionswolke über ihn ausbreitet und seinen Weg schwerer macht, als er zu sein brauchte, wenn seine Freunde eines besseren belehrt worden wären.

So kann den Toten auf mancherlei Weise Hilfe geleistet werden. Vor allem bedürfen viele - ja die meisten - von ihnen der Aufklärung über die neue Welt , in der sie sich befinden. Ihre Religion hätte sie darüber aufklären sollen, was zu erwarten ist und wie sich das Leben in diesen neuen Verhältnissen gestaltet wird; aber in den meisten Fällen ist nichts derartiges geschehen. Daher kommt es, daß sichviele von ihnen in einem Zustand grooßen Unbehagen und andere in einem solchen Schrecken befinden. Sie müssen beruhigt und getröstet werden; denn wie sie den grauenhaften Gedankenformen begegnen, die sie und ihresgleichen jahrhundertelang hervorgebracht haben - Gedankenformen von einem persönlichen Teufel und einer zornigen , grausamen Gottheit - sind sie oft in einem bemittleidenswerten Zustand der Furcht, der nicht nur äußerst unangenehm, sonder sehr ungünstig für ihre Evolution ist. Die Helfer brauchen viel Zeit, um sie in eine vernünftigere Gemütsverfassung zu bringen.

Es gibt Menschen, denen das Eintreten in ein neues Leben zum ersten Mal Gelegenheit verschafft, sich zu sehen, wie sie in Wirklichkeit sind , und manche werden deshalb von Gewissensbissen geplagt. Hier ist wiederum der Dienst des Helfers vonnöten, um zu erklären, daß das Vergangene vergangen ist, und daß die einzige wirksame Reue in dem Entschluß liegt, das Geschehene nicht mehr zu tun, daß der Tote keine verlorene Seele ist, was er auch getan haben mag, sondern daß er einfach da, wo er sich befindet, beginnen muß, ein neues Leben zu führen. Manche von ihnen klammern sich leidenschaftlich an die Erde, auf die alle ihre Gedanken und Interessen gerichtet waren, und sie leiden sehr, wenn sie die Erde nach und nach aus den Augen verliren. Andere sind erdgebunden durch die Erinnerung an Verbrechen, die sie begangen oder an Pflichten , die sie unerfüllt gelassen haben,währen dandere wiederum über den Zustand derer in Sorge sind, die sie hinterlassen haben. Das sind alles Fälle, die einer Aufklärung bedürfen, und manchmal muß der Helfer auch Schritte auf der physischen Ebene unternehmen, um die Wünsche von Sorgen zu befreien, damit er sich höheren Dingen zuwenden kann. Viele Leute sehen nur die Schattenseiten des Spiritismus ; aber wir dürfen nie vergessen, daß er in dieser Art von Werken ungeheuer viel Gutes geleistet hat, indem er den Toten Gelegenheit bot, nach einem plötzlichen und unerwarteten Hinscheiden ihre Angelegenheiten in Ordnung zu bringen
Es ist sicher beglückend zu denken, daß die Zeit dringend benötigter Ruhe für den Körper nicht unbedingt eine Periode der Untätigkeit für den wahren inneren Menschen sein muß. Es gab eine Zeit, da ich die Schlafenszeit als verschwendete Stunden empfand; nun aber begreife ich, daß die Natur ihre Einrichtungen nicht so mangelhaft trifft, um ein Drittel des Menschenlebens zu verlieren. Natürlich werden für diese Arbeit ganz besondere Eigenschaften verlangt; aber ich habe sie so sorgfältig und ausfühlich behandelt in meinem Buche "Die unsichtbaren Helfer", daß ich sie hier nur ganz kurz zu erwähnen brauche. -
Erstens muß der Mensch zielbewußt und die Hilfe für andere ihm erste und höchste Pflicht sein. Zweitens muß er vollkommende Selbstbeherrschung besitzen - sein Temperament und seine Nerven in der Gewalt haben. Er darf nie zulassen, daß seine Gemütsbewegungen seine Arbeit im geringsten Grade beeinflussen. Er muß über Zorn und Furcht erhaben sein. Drittens muß er vollständige Ruhe, Heiterkeit und Freudigkeit besitzen. Menschen, die zu Depressionen und Kummer neigen, sind nicht brauchbar; denn ein großer Teil der Arbeit besteht darin, andere zu trösten udn zu beruhigen, und wie können sie dies tun, wenn sie selbst beständig in einem Zustand der Aufregung oder der Niedergeschlagenheit sind ? Viertens muß der Mensch Kenntnisse besitzen; er muß schon auf dieser Ebene alles gelernt haben, was über die andere zu lernen ist; denn er darf nicht erwarten, daß dort Menschen ihre kostbare Zeit verschwenden werden, um ihn das zu lehren, was er sich selbst hätte aneigenen können. Fünftens muß er vollkommen selbstlos sein. Er muß darüber erhaben sein, sich verletzt zu fühlen und soll nich tan sich selbst, sondern nur an die Arbeit denken, die er zu vollbringen hat, so daß er die bescheidenste oder die größte Pflicht ohne Neid einerseits oder Überheblichkeit andererseits froh auf sich nimmt. Sechstens muß er ein Herz voll Lieben haben - nicht Sentimentalität, sondern den starken Wunsch zu dienen, ein Stromweg für die Liebe Gottes zu sein, die, wie der Friede Gottes, menschliches Verstehen übersteigt.

Sie denken vielleicht, diese Vollkommenheit sei unerreichbar; sie ist jedoch jedem Menschen möglich. Es braucht Zeit dazu; aber sie ist sicherlich gut angewendet. Wenden Sie sich nicht verzagt von diesem Ziele ab, sodnern machen Sie sich sofort daran, für diese glorreiche Aufgabe gefähigt zu werden. Und während wir danach streben, warten wir nicht müßig, sondern versuchen wir, schon jetzt ein Stückchen Arbeit in derselben Richtung zu unternehmen. Jeder kennt jemanden,der in Sorge oder Not ist , ob es unter den Lebenden oder Toten sei, ist ganz einerlei. Ist ihnen ein solcher Fall bekannt, denken Sie vor dem Einschlafen daran, undnehmen Sie sich vor, diese Person aufzusuchen und zu trösten, sobald Sie von diesem Körper befreit sind. Sie mögen sich am nächsten Morgen des Ergebnisses nicht bewußt sein, und Sie mögen sich an nichts erinnern; seien Sie aber versichert, daß Ihr Entschluß nicht fruchtlos war, und Sie etwas getan haben, ob Sie sich daran erinnern oder nicht. Früher oder später werden Sie einmal den Beweis Ihres Erfolges erhalten. Denken Sie daran: in dem Maße, wie wir helfen, kann uns geholfen werden. Vergessen Sie nicht, daß wir vom Niedrigsten bis zum Höchsten durch eine Kette gegenseitiger Dienstleistung verbunden sind und daß , wenn wir auch auf den unteren Stufen der Leiter stehen, diese doch hinausreicht über die irdischen Nebel bis dahin, wo das Licht Gottes immer leuchtet.
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