Warum träumen wir eigentlich?


Man beachte den letzten Absatz, der auf diese Frage eine Antwort gibt:

Zitat:
Ja, mein Bruder, wenn wir über irgendeines der erschaffenen Dinge nachdenken, so werden wir hunderttausend vollkommene Weisheiten finden und ungezähltes wundersames und neues Wissen erfahren. Eine der erschaffenen Erscheinungen ist der Traum: Sieh, wie viele Geheimnisse er birgt, welche Weisheiten er enthält, und wie groß die Zahl der Welten ist, die er einschließt. Du schläfst in einer verschlossenen Wohnung und weilst doch plötzlich weitab in einer Stadt, in die du eintrittst, ohne die Glieder zu rühren oder dich des Körpers zu bedienen, du siehst ohne Augen, hörst ohne Ohren und sprichst ohne Zunge. Und vielleicht geschieht es, daß du zehn Jahre danach in der äußeren Welt dem, was du nächtlich im Traum geschaut hast, begegnest.

Viele Weisheiten sind im Traum, dessen wahren Sinn niemand sonst als der Wanderer in diesem Tale wirklich verstehen kann. Vor allem, was ist das für eine Welt, in der wir uns ohne Auge, Ohr, Hand oder Zunge dieser Sinne bedienen? Sodann, wie kommt es, daß sich dir heute in der äußeren Welt ein Traum verwirklicht, den du vielleicht zehn Jahre vorher geträumt hast? Denke über den Unterschied zwischen diesen beiden Welten nach und über die Geheimnisse, die darin verborgen liegen, damit dir göttliche Bestätigung und himmlische Entdeckung zuteil werden und du die Welten der Heiligkeit begreifest.

Gott, der Erhabene, hat diese Zeichen in die Menschen gelegt, damit die Philosophen die Geheimnisse des Fortlebens nicht zu leugnen vermögen, noch herabsetzen, was ihnen verheißen ist.
Baha'u'llah


Wir träumen also, um nicht zu vergessen, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Wirklich erstaunlich...
_________________
"Die Trübsale dieser Welt gehen vorüber, und was uns bleibt, ist das, was wir aus unserer Seele gemacht haben." Shoghi Effendi
Irgendwo habe ich mal gelesen, das man den Schlaf als den "kleinen Bruder des Todes" bezeichnet.

Dass das, was man träumt, irgendwann mal eintrifft - diese Erfahrung habe ich auch schon gemacht. Schwierig ist an der Traumdeutung nur der Umstand, dass wir Träume träumen die sowohl eine Verarbeitung unserer tagtäglichen Schwierigkeiten darstellen, als auch einen konkreten Hinweis auf unsere Zukunft.

Als Beispiel: Wenn ich träume, ich wäre mit einer wunderbaren Partnerin irgendwo unterwegs - bedeutet das dann, das ich irgendwann tatsächlich mit eines wunderbaren Partnerin unterwegs bin (...seufz, ) oder ist das nur ein unbewusster Ausdruck meines unbefriedigten Zustandes ?

Ich denke, in den Träumen stecken zweierlei Botschaften: Solche die uns daran erinnern, das es eine Gotteswelt gibt und solche die uns daran mahnen, unsere Alltäglichkeiten besser zu verarbeiten.
Thomas hat folgendes geschrieben:
Ich denke, in den Träumen stecken zweierlei Botschaften: Solche die uns daran erinnern, das es eine Gotteswelt gibt und solche die uns daran mahnen, unsere Alltäglichkeiten besser zu verarbeiten.


Genau das denk ich auch! Es gibt dazu eine Stelle, die glaube ich, genau das ausdrückt:

Zitat:
Es wäre wahr, wenn du behaupten wolltest, daß diese Traumwelt nach dem Ratschluß des allherrlichen und allmächtigen Gottes in deinem eigenen Selbst liegt und ganz in dir aufgeht. Es wäre ebenso wahr zu sagen, daß dein Geist, wenn er die Grenzen des Schlafes überschritten und sich von allen irdischen Bindungen befreit hat, durch Gottes Ratschluß ein Reich durchwandert, das in der innersten Wirklichkeit dieser Welt verborgen liegt. Baha'u'llah


Also ein Traum, der seinen Ursprung in unserem "Selbst" hat - vielleicht Träume, die Wünsche und Leidenschaften ausdrücken. Und die andere Art Traum ist die, wo wir in die Zukunft sehen und Visionen haben. Es steht aber auch dabei, dass das erst geschieht, wenn der Geist sich "von allen irdischen Bindungen befreit hat".

Das würd auch erklären, warum die vielen Propheten Visionen im Traum hatten, die dann wahr wurden - sie hatten ein reines Herz, Glauben und "sich von allen irdischen Bindungen befreit".

Meine Theorie daher: Ein reines Herz und Loslösung von der Welt befähigt uns, unsere Träume besser zu verstehen, sie zu deuten und vielleicht träumen wir von Dingen, die uns auch sehr sinnvoll erscheinen und den Weg weisen.

Liebe Grüße, Saed
_________________
"Die Trübsale dieser Welt gehen vorüber, und was uns bleibt, ist das, was wir aus unserer Seele gemacht haben." Shoghi Effendi
Lieber Deas,

ja, es geht darum, das Fortleben nach dem Tode nicht zu leugnen, aber auch, die unvorstellbare Herrlichkeit nicht herabzusetzen, die diesem Tage verheißen ist.

Abdu'l-Bahá macht deutlich, wie wesentlich es ist, diese Herrlichkeit in sich aufzunehmen:

Zitat:
Allein die innere Schau der Sendung, die von der Gesegneten Schönheit eingeleitet wurde, konnte genügen, die Heiligen vergangener Zeitalter zu verzücken - Heilige, die sich danach sehnten, auch nur für einen Augenblick an seiner großen Herrlichkeit teilzuhaben.« »Was jene Manifestationen angeht, die zukünftig 'in den Schatten der Wolken' herniederkommen werden«, bestätigt Er in noch deutlicherer Sprache, »so wisse wahrlich, daß sie in ihrer Beziehung zur Quelle ihrer Eingebung unter dem Schatten der Altehrwürdigen Schönheit stehen. Jedoch in ihrer Beziehung zu dem Zeitalter, in dem sie erscheinen, tut jeder von ihnen, 'was immer Er will. (Zitier in: Shoghi Effendi, Die Weltordnung Baha'u'llahs)


So beklagt Er:

Zitat:
Ist es nicht seltsam, daß der Mensch, der zur Erkenntnis und Liebe Gottes, zu den Tugenden der Menschenwelt, zu Geistigkeit, himmlischer Erleuchtung und ewigem Leben erschaffen wurde, trotzdem unwissend bleibt und dies alles vernachlässigt? Sieh, wie er alles zu erkennen sucht, nur nicht Gott. So ist zum Beispiel seine höchste Sehnsucht, die Geheimnisse der tiefsten Erdschichten zu durchdringen. Tag um Tag strebt er nach Kenntnis dessen, was zehn Meter unter der Erdoberfläche gefunden werden könnte, was er im Gestein entdecken und durch archäologische Forschung in der Erde erfahren könnte. Er leistet schwere Arbeit, um Geheimnisse im Erdreich zu ergründen, aber er befaßt sich überhaupt nicht damit, die Geheimnisse des Königreiches zu erkennen, die unbegrenzten Gefilde der ewigen Welt zu durchschweifen, mit den göttlichen Wirklichkeiten vertraut zu werden, die Geheimnisse Gottes zu entdecken, die Erkenntnis Gottes zu erlangen, Zeuge des Glanzes der Sonne der Wahrheit zu werden und sich die Herrlichkeit ewigen Lebens vorzustellen ... Wie stark ist er von den Geheimnissen der Materie angezogen, und wie gänzlich blind ist er für die Geheimnisse des Göttlichen ... Es ist, als habe ein gütiger, liebevoller Vater eine Bibliothek mit wundervollen Büchern für seinen Sohn bereitgestellt, damit er sich über die Geheimnisse der Schöpfung unterrichte, ihn zugleich mit jeder Art von Wohlergehen und Freude umgeben, der Sohn aber beschäftigt sich mit Tand und Spielzeug, ohne auf die fürsorglichen Gaben seines Vaters zu achten ... Abdul-Bahá,( Goettliche Lebenskunst)


Trotz all dieser leuchtenden Hinweise können wir es wieder und wieder erleben, wie sich fast alle Menschen von der Betrachtung dieser Herrlichkeit abwenden, sie "von sich weisen". Es ist wirklich so unendlich traurig. Selbst ihre eigenen Träume nehmen sie oft nicht wahr, betrachten dies als "Zaubererei":

Zitat:
Und wenn Wir euch kundtun, was Gott Uns in Seiner Gute und Großmut verliehen hat, so sagt ihr: »Das ist nichts als Zauberei! (Baha'u'llah, Aehrenlese)


Und die Sicht bleibt auf das irdische Leben beschränkt, auf die Welt beschränkt, die, wie Er sagt:

Zitat:
Freust du dich darüber, daß du ein Stückchen Erde beherrschst, während die ganze Welt nach der Schätzung des Volkes Bahás soviel wert ist wie das Schwarze im Auge einer toten Ameise? (Baha'u'llah, Brief an den Sohn des Wolfes)


Wieviele Menschen gibt es mit dieser Sichtweise, daß die Welt und alles was in ihr ist weniger Wert ist als das schwarze im Auge einer Toten Ameise?

Irgendwie macht mich das Thema jetzt traurig.

Alles Liebe von Yojo.
_________________
"Es ist die Sehnsucht Gottes an diesem Tage, alle Menschen als eine Seele und einen Körper zu betrachten" (Bahá'u'lláh)
...richtig lieber Yojo...

aber - wie alles im Leben - es kommt auf den goldenen Mittelweg an. Es ist nicht verkehrt, in der Erde oder im Kosmos nach den Spuren der materiellen Schöpfung zu suchen - solange man auch nach den geistigen Spuren der Schöpfung sucht.

Heutzutage überwiegt leider das Materielle - es wäre aber sicherlich genauso schädlich, wenn nur die geistige Suche zählen würde und sich niemand um die materiellen Zusammenhänge kümmern würde.

Die Gleichberechtigung zwischen geistiger und materieller Suche ist m.E. auch ein Aspekt des Gebotes, dass Religion und Wissenschaft gleichberechtigt neben einander stehen und sich gegenseitig ergänzen, befruchten sollen.
Lieber Thomas,

Zitat:
Sieh, wie ein einfacher Schafhirte so von der Begeisterung für Gottes Worte hingerissen war, daß er Zutritt zum Wohnsitz seines Meistgeliebten gewinnen konnte und mit Ihm, dem Herrn der Menschheit, vereint war... (Baha'u'llah, Aehrenlese)


Zitat:
Erst wenn die Lampe des Suchens, des ernsten Strebens, des sehnlichen Verlangens, der leidenschaftlichen Ergebung, der glühenden Liebe, der Begeisterung und Verzückung im Herzen des Suchers entzündet ist und der Hauch der Gnade Gottes über seine Seele weht, wird die Dunkelheit des Irrtums vertrieben, werden die Nebel des Zweifels und der Ängste zerstreut, und die Lichter der Erkenntnis und Gewißheit werden sein Wesen einhüllen. (Baha'u'llah, Aehrenlese)


Zitat:
Höret auf Mich, ihr sterblichen Vögel Im Rosengarten unvergänglicher Pracht begann eine Blume zu blühen, mit der verglichen jede andere Blume nur ein Dorn ist und vor deren strahlender Herrlichkeit das wahre Wesen der Schönheit verblassen und vergehen muß, so erhebet euch und trachtet mit aller Begeisterung eueres Herzens, mit allem Verlangen euerer Seele, mit der ganzen Inbrunst eueres Willens und mit dem gesamten Bemühen eueres ganzen Seins danach, zum Paradiese seiner Gegenwart zu gelangen, und strebet danach, den Duft der nie verwelkenden Blume zu spüren, die süßen Düfte der Heiligkeit zu atmen und euer Teil an diesem Dufthauch himmlischer Herrlichkeit zu erlangen. (Baha'u'llah, Aehrenlese)


Leidenschaft, Begeisterung, Verzückung.....

Zitat:
Unbändige Freude war mein Zechkumpan.
(Abdu'l-Baha, BRIEFE UND BOTSCHAFTEN)


Prost!


Alles Liebe von Yojo
_________________
"Es ist die Sehnsucht Gottes an diesem Tage, alle Menschen als eine Seele und einen Körper zu betrachten" (Bahá'u'lláh)
Lieber Yojo,

quer durch alle Religionen durch - es sind meistenteils die "einfachen Schafhirten" die die Sendung erkennen, nicht die Gelehrten.......

Die Jünger Jesu waren Fischer, Bauern, Tagelöhner...... Moses hatte Rückhalt und Glauben bei den Handwerkern und Lohnarbeitern, Muhammads Gefährten waren Kameltreiber, und die ersten Baha`i und die ersten Babi waren ebenfalls von materiell "niedrigem" Stand....

Merke: Weisheit hat nicht unbedingt etwas mit Gelehrsamkeit zutun