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Sünde, Erbsünde: kommt von absondern, nämlich von der Einheit mit Gott als dem allumfassenden Bewußtsein. Nach griechisch-antiker Auffassung: den Punkt (Symbol der Einheit) nicht treffen, nicht begreifen; auch Synonym für “polar sein”. Die “Sünde” liegt also in der Polarität begründet, und nicht im konkreten Handeln des Menschen. “Erbsünde” ist die karmische Belastung, die man vom Vorleben ins aktuelle Erdenleben mitbringt.(PASSIAN,R. 1985: 116)
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Dem zufolge hieß der erste Mensch "Adam Kadmon" und war männlich und weiblich zugleich - ein Hermaphrodit - und damit der "vollkommene Mensch" - ein Zustand, den die Alchimisten auf materieller und geistiger Ebene herzustellen versuchten, in Form von Goldmacherei, das als das edelste Metall galt, sowie in Form von "Erleuchtung", wofür heute nur noch der Buddhismus bekannt ist, der scheinbar weit von Christentum entfernt ist.
Beide Wege - die Goldmacherei als auch die Erleuchtung - waren das Gleiche - nur auf verschiedenen Ebenen - der geistigen und der materiellen.
Es ist unerheblich, ob wir tatsächlich glauben, dass es diesen Adam Kadmon je wirklich gab - das Entscheidende ist die Symbolik dahinter.
Ich vermute, das Patriachat hat das Seine dazu getan, die Schuld der Verdammnis Eva zuzuschreiben, sowie auch ihre Geburt aus Adams Rippe - ein Umstand, der jahrhundertelang als Rechtfertigung dafür her halten musste, warum die Frau weniger wert sei, als der Mann.
Doch betrachten wir die Symbolik dieser Geschichte an dem Punkt, an dem beide von Baum der Erkenntnis essen und damit Gut und Böse voneinander unterscheiden lernen, kommen wir an die bedeutsame Botschaft dieser Legende.
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Dort heißt es, Adam und Eva hätten von der verbotenen Frucht gegessen und haben "sich erkannt und sahen, dass sie nackt waren und schämten sich." Sie nahmen also wahr, dass sie unterschiedlich waren, und sie fielen heraus aus der Einheit, die Gott war.
Plötzlich nahmen sie gut und böse wahr und lernten, zwischen gut und böse zu unterscheiden. Aber was sind "gut und böse"? Zwei Zustande oder Eigenschaften, die sich polar gegenüber stehen.
Und wenn das so ist, dann bedeutet das, das die EIN-sicht Gott und die VIEL-sicht oder auch der Unter-schied - die Scheidung - das Gegenteil ist: der Teufel. (von dem ich allerdings glaube, dass er von Menschen in ihrer "Vielsichtigkeit" und ihrem Vermögen zu unterscheiden, geschaffen worden ist, denn GOTT ist das EINE. Somit ist alles in IHM und es gibt kein Gegenteil von GOTT. Er ist das Einzige, was kein Gegenteil besitzt, das nicht endlich und nicht vorstellbar ist.)
Die Erkenntnis von Gut und Böse ist tatsächlich das einzige Übel, dass die Menschen dazu brachte, zu leiden und Schmerzen zu haben. Denn wäre es uns "gleich-gültig" im wahrsten Sinne des Wortes, würden wir aufhören, es zu werten.
Wir sind nicht vollkommen, wir sehnen uns immer nach dem DU - dem anderen. Wir blieben getrennt von uns selbst und damit vom EINEN - oder umgekehrt - es ist das Gleiche. Wir sind immernoch wie Adam und Eva.
Erlangen wir Selbsterkenntnis, erlangen wir Kenntnis vom EINEN, haben wir EIN-sicht und umgekehrt. Die Geschichte von Adam und Eva und der "Erbsünde" ist -symbolisch betrachtet - also alles andere als unwahr.
Wir leben innerhalb von Polaritäten. Es geht uns und gut oder schlecht, je nachdem, was uns geschieht. Wir sind der Spielball der Dinge. Mal schwingt das Pendel hier hin, mal dort hin, scheinbar unbeeinflussbar.
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" Versucht nun der Mensch, seine Schattenseite anzugehen und seine unrühmliche, wenn auch vielleicht zu jener Zeit mit Ruhm überdeckte Vergangenheit aufzuarbeiten, so bedeutet dies nicht, daß er seine Taten gut heißen würde. Er wird vielmehr versuchen, die Tatsache anzunehmen, daß auch er einmal ein "Kind" war. Das Annehmen der Schattenseite beruht stets darauf, daß sich der Mensch angesichts der Destruktivität, die in der Welt ja nicht aufhört, bewußt wird, daß auch er all die destruktiven Taten, die unentwegt begangen werden, gleichermaßen hätte tun können. Es ist dabei völlig unwichtig, ob er nun dieses oder jenes zerstörerische und Leid verursachende Verhalten einst auf dieselbe Weise an den Tag gelegt hat. Jeder Mensch hat einmal bei Destruktivität tapfer mitgemacht. Entscheidend ist für den Menschen lediglich, daß er sich über keine der möglichen bösen Taten erhalben fühlt und nichts meint, er hätte dies oder jenes niemals tun können. So denkt nur ein innerlich sehr unreifer Mensch, der sich noch den Luxus leisten kann, in Illusionen zu leben. Es geht aber auch nicht darum, sich bestimmter Taten anzuklagen. Dafür sorgen ohnehin Organe in der Seele, die das Gewissen regulieren."
"Die erste Art, das Gewissen der unteren Stufen, ist anerzogen. Alles, was der Mensch an Geboten und Verboten, moralischen und ethischen Grundsätzen und Verhaltensregeln, an Sitte und Gepflogenheit freiwillig oder unter Zwang von außen her aufnimmt, formt das Gewissen der unteren Stufen. Dieses Gewissen ist also künstlich erzeugt und gehorcht dem Zwang."
"Der Mensch wird zu dieser ersten Art von Gewissen regelrecht gedrillt. Dies ist in der fraglichen Entwicklungsphase für ihn sehr wichtig. Nur durch Drill eignet er sich Anhaltspunkte und Regeln für sein richtiges Verhalten an, ist doch seine eigene Urteilskraft noch lange nicht hinreichend herangebildet. Auch seine Erkenntnisfähigkeit erlaubt ihm noch keine Einblicke in die Grundlagen echt moralischen und ethischen Verhaltens. Sie werden ihm erst auf den höheren Stufen zugänglich. Das Drill-Gewissen entlastet und formt zugleich den Menschen."
"Wie nun die jeweilige Gestaltung des Drill-Gewissens ausfällt, hängt nicht zuletzt vom Enwicklungsniveau der Gemeinschaft ab, in welcher der Mensch lebt. Daß sie auch gute, den Forderungen der Entwicklung entsprechende Verhaltensregeln bieten kann, steht außer Zweifel. Solche Verhaltensregeln können sogar grundlegend für das echte Gewissen sein, wie etwas die mosaischen zehn Gebote. Nur nützen sie dem Menschen auf den unteren Stufen auf die Dauer herzlich wenig. Denn er gehorcht seinem Gewissen, selbst wenn er dies nicht weiß, bloß unter Zwang, nicht aber aufgrund von Einsicht. Er wurde ja auf das Einhalten der Vorschriften sogar dressiert, so daß es ihm bereits als Abtrünnigkeit erscheint, wenn sich in ihm auch nur leise Zweifel an der Richtigkeit so mancher Vorschriften zu regen beginnen. Er hat sogar dann ein schlechtes Gewissen, wenn er überhaupt wagt, über das Vorgeschriebene nachzudenken. So halten es manche Menschen heute noch für eine Blasphemie, wenn jemand versucht, mit Jenseitigen in Verbindung zu treten, oder auch nur über das Leben nach dem Tode oder über die Reinkarnation nachzudenken, hat doch dies Gott, laut Bibel, laut Kirche, strengstens verboten. (Lev 19,26,20,27; Deu 18, 10-11) "
"Der Übergang vom Drill-Gewissen zum echten kann nur durch die Befreiung von der Zwanghaftigkeit geschehen. Er ist ein entscheidender Entwicklungsschritt. Es genügt daher dem Menschen noch lange nicht, daß er beginnt, Einsicht in die Brüchigkeit und Fragwürdigkeit mancher Vorschriften zu gewinnen, stammen sie von der Sippe, wie etwa die Verpflichtung zur Rache für eine Bluttat an einem Sippenmitglied , oder aus einer Relgion wie etwa das Zölibat. Denn selbst wenn ein Mensch bereits einsieht, daß solche Vorschriften für ihn nicht mehr gelten, kann er gleichwohl ein schlechtes Gewissen haben, wenn er ihnen zuwiderhandelt."
"Denn die Grundlage des echten Gewissens ist die Menschlichkeit. Es ist ein grundlegender Unterschied, ob sich ein Mensch an moralische und ethische Vorschriften hält, weil er lediglich die entsprechenden Gebote einer Gemeinschaft befolgt und sich dabei vielleicht bloß vor der Strafe füchtet oder davor, daß die "Sache rauskommt" und er sein "Image" verliert, oder ob er sein ganzes Denken und sein ganzes Tun nach der Menschlichkeit ausrichtet."
Auszüge aus dem Buch:
"Das Vaterunser" Die spirituelle Entwicklung des Menschen - im Lichte des Evangeliums - vor dem Hintergrund der Reinkarnation
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