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http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,462052,00.html
Tabus in einer islamischen Gesellschaft brechen
Er, der Wirtschaft studiert hatte, besuchte nun für drei Jahre einen Studiengang für Fotografie an einer Privatschule. Akash sympathisiert mit Menschen am Rande der Gesellschaft, die isoliert sind und geächtet - wegen Vorurteilen und Desinteresse der Mehrheit. Die Kraft der Bilder will er nutzen, um die Verhältnisse zu ändern, um Tabus zu brechen.
Akashs Themen sind in den Problemnischen einer durch und durch islamischen Gesellschaft verortet. Er hat Prostituierte fotografiert, um zu zeigen, dass diese keine moralisch verwerflichen Menschen sind - sondern oft Opfer werden von Not und Geschäftemachern. Er hat Drogenabhängige fotografiert, um klarzumachen, dass ihre Flucht in den Rausch mit der Perspektivlosigkeit im Land zusammenhängt. Er hat Kinder fotografiert, die zu Millionen in Fabriken arbeiten.
Mit einem Bild hat Akash im vergangenen Jahr den dritten Platz beim "World Press Photo Award" erreicht. Das Bild, aufgenommen durch die geöffnete Tür einer Näherei, zeigt einen Jungen an einer Nähmaschine. Ein Aufseher schlägt mit einem Prügel auf ihn ein. Schüchtern hebt der Junge den Arm, um den nächsten Schlag abzuwehren. Der Junge habe zu langsam gearbeitet, sagte der Aufseher. Akash veröffentlichte das Foto, ging danach zu dem Mann: "Wenn du ihn noch einmal schlägst, bringe ich dich ins Gefängnis."
Der Mann versprach, mit dem Schlagen aufzuhören. Die Macht der Bilder - diesmal brachte sie nicht den Fotografen in Gefahr, sondern den Verursacher eines Missstandes unter Druck.
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Es gehören immer mutige Menschen dazu, Mißstände zu verändern, Situationen zum Positven zu verändern. Und es ist noch viel zu tun, ehe das innere Gewissen erwacht.
G.M.B. Akash erzählt, wie er vor Jahren in der Fotografie seine Berufung fand. Eine Foto-Ausstellung über Aids war es, die damals seinem Leben eine neue Richtung gab. Besonders ein Bild faszinierte ihn: Eine Familie zu Besuch beim aidskranken Sohn in einem Krankenhaus. Die Mutter lässt aus ihrer Hand Tabletten in die Hand des Sohnes fallen - ohne ihn zu berühren. Ein Dokument der Angst von Angehörigen, die fürchten, sich selbst zu infizieren, wenn sie einen Aidskranken anfassen. Ein anderes Bild zeigt ungefähr 20 Kinder in einem Krankenzimmer, kleine Kinder, allesamt HIV-positiv. Niemand ist da, der sich um sie kümmert. Akash: "Sie werden behandelt wie Abfall."
Doch dann nimmt er ein Motiv ins Visier, das gefährlich für ihn werden wird. Er fotografiert einen siebenjährigen Jungen, der auf dem Boden eines leeren Raumes sitzt und ihm mit hoffnungsvollem Blick direkt ins Objektiv schaut. Um die Beine des Jungen ist eine Eisenkette gewickelt, gesichert mit einem Vorhängeschloss.
Die Theorie sagt uns, wie Praxis gelebt werden soll. Aber wenn des Menschen Bewußtsein noch nicht entwickelt ist, wird er die Gebote nicht verstehen und mit diesem Unverständnis wird er allen Geboten der Menschenliebe zuwider handeln.
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