Foren-Übersicht
Login | Registrieren | Forum | Impressum | Suche

Herausforderung an das Christentum












http://www.rpi.at/wien/Materialien-.....tion_und_Christentum.html


(3) Besonders die evangelische Theologie hat die Konsequenz gezogen, auf den Seelenbegriff überhaupt zu verzichten, und hat die Ganztod-These aufgestellt. Ihr zufolge lässt der Tod des Menschen keinerlei fortlebendes Substrat übrig, an dem Gott dann auferweckend handeln würde. Die Auferweckung wird vielmehr als ein voraussetzungsloser, rein gnadenhafter Schöpfungsakt verstanden, in dem Gott einen Menschen, dessen er sich gleichsam erinnert, ein zweites Mal aus dem Nichtsein ins Sein vor ihm und mit ihm ruft (P. Althaus, W. Elert, K. Barth, E. Jüngel).

Den anthropologischen und eschatologischen Konsequenzen dieser These wird allerdings zunehmend deutlich und m.E. zu Recht widersprochen (W. Pannenberg, J. Moltmann u.a.). Sollte das Sterben eines Menschen wirklich gedacht werden als ein totales Entschwinden ins „Nichts"?

Die theologische Klärung einer angemessenen, sachgemäßen Sprache für die christliche Auferstehungshoffnung und ihrer Bedeutung für das Geschick der „Seele" (des „Selbst", der „Person") im Tode steht allerdings einstweilen noch - und immer wieder neu - in ersten Versuchen.
3. Die neuzeitliche Aporie der christlichen Auferstehungshoffnung

Die christliche Erwartung einer baldigen oder doch sich nähernden „Auferstehung der Toten" hat an Plausibilität eingebüßt. Zum einen hat sich die Vorstellung von einer endlichen, Ziel-bestimmten (Heils-) Geschichte „geöffnet" zur Annahme einer unbestimmt-endlosen Zukunft. Zum andern ist eine weltanschauliche Voraussetzung, nämlich die Vorstellung von der Unsterblichkeit der individuellen und immateriellen Seele hinfällig geworden.


(1) Auch dort, wo sich die Ausformulierung der christlichen Auferstehungshoffnung des biblischen Wortfeldes „Seele" bedient, ist das „Fleisch" immer eingeschlossen, ist also immer der ganze Mensch gemeint: Die entsprechenden biblischen Wörter (näphäsch, psyche, neben ruach, pneuma) können nicht dualistisch gebraucht werden. Aber die biblische Vorstellung, dass Gott den Toten (neues) Leben gibt, ermöglichte es, in der Ausarbeitung der christlichen Eschatologie und Anthropologie die biblischen Redeweisen und die zeitgenössischen philosophischen Begriffe von Seele zu verknüpfen:

Man griff dazu (a) auf den platonisch-neuplatonischen (von einem scharfen Dualismus geprägten) Seelenbegriff zurück. Die Auferwe-ckung konnte dann verstanden werden als Wiedervereinigung der (nach dem Tod zunächst einmal separat existierenden) Seele mit ihrem (eben dadurch wieder ins Leben gebrachten) Körper.
Ein weiterer Schritt bestand (b) in der Aufnahme des aristotelischen Seelenbegriffs im Hochmittelalter, der die Seele strikt als „Form" eines Körpers, als gestaltgebende Lebendigkeit begreift. - Allerdings sah sich die Kirche gegenüber einem radikalisierten Aristotelismus, der die individuelle Seele für sterblich erklärte, schließlich genötigt, die Unsterblichkeit der Seele zu dogmatisieren (5. Lateranense 1513; offiziell bis heute gültig, z.B. Weltkatechismus Nr. 366).


Allerdings bringt ein Defizit der theologischen Anthropologie, verbunden speziell mit der sog. Ganztod-These, die Auferweckungshoffnung in gleichsam unnötige Schwierigkeiten. Denn so richtig es ist, dass in christlicher Perspektive der ganze Mensch stirbt, weil er ganz Geschöpf und ganz Sünder ist und keine anthropologische Konstante ihn über die Todesgrenze hinweg im Sein erhält, so problematisch ist es, das Geschick des Menschen nach dem Tode zu tabuisieren und an dieser Stelle ein Bilderverbot auszusprechen. Zwar sind die biblischen Äußerungen darüber nicht einheitlich, aber sie sind trotzdem, gerade als mythische Hoffnungsbilder (nicht nur das Bild von der Seelenreise oder vom Fegfeuer, sondern auch das Bild des Schlafes ist ein solches), religiös nicht unerheblich. Die neben der apokalyptischen Erwartung stehende Hoffnung darauf, dass die individuelle Gemeinschaft des Christen mit Christus, d.h. sein Sein „im" Auferstandenen und Verklärten, den Tod überdauern wird, verleiht ein Recht auf sprachliche, und das heißt immer auch: bildliche Medien. Schon auf den mittelalterlichen Sterbebildern ist die den Körper verlassende Seele als ganzer Mensch dargestellt; und die neuere Neurophysiologie lässt ein komplizierteres Verhältnis zwischen Selbst und Körper vermuten als der einfache kartesianische Dualismus und seine theologisch inakzeptable „Unsterblichkeit der Seele".


suchwort: seelenbegriff in der kirche
Forum -> Spiegel- und Reflexionsforum II


Ähnliche Themen
Wird durch den Islam das Christentum überflüssig?
Ökumene zwischen Islam und Christentum?
Meine Wut auf das Christentum
Ist das Christentum eine gewalttätige Religion ?2ter versuch
Was unterscheidet den Islam vom Christentum?
Top-Terrorist zum Christentum konvertiert!
Mann&Frau im Christentum und Islam?
Christentum=Monotheismus?
Eine Frage an das Christentum
Ist das Christentum eine gewalttätige Religion ?