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Islam und Psychoanalyse












Hallo zaf-ad

Frage:
Ich hab mir den Link von dir mehrmals durchgelesen.
Meine Schlussfolgerung ist Folgende:
Wenn ich einen Vers des Korans lese, dabei die von dir angegebenen (vielen) Verse berücksichtige ist es eigentlich, wenn ich es genau nehme, damit nicht getan.
Die Antworten setzen sich in weiteren Suren bzw. Versen immer fort – durch den ganzen Koran hindurch.
Das ist, ich nenne es mal, interdisziplinär; eine Art sich ausdehnendes Möbius-Band
das sich beim Wiederholten lesen (des Korans) nicht nur wiederholt sondern auch erweitert. Weil den eigenen Gedanken, die neu erfahrenen Sinneseindrücke bzw. dem Bewusstsein, das aus der realen Welt entstammt auch hinzugefügt wird - beim erneuten, wiederholten lesen des Korans.

Nichts ist statisch – alles bewegt sich – weil dynamisch!

Im Grunde ein nie endender Kreislauf, der immer Neues hervorbringt, solange es Menschen gibt - die im Universum leben.

Die Meinungsverschiedenheiten entstehen aus der Subjektivität des Lesers (Gelehrte, Gläubige), der ausgehend von seinem Bezugspunkt entweder in den Altruismus abweicht od. in den Egoismus.

Somit ist die Rückfrage des Orientierungspunktes von beachtlicher Relevanz.

Berücksichtigt man die Tatsache das dann noch Hadithe (arabisch: أحاديث , حديث - (multidisziplinär) hinzukommen verkompliziert sich das System sowie die Interpretation dramatisch.

Vielleicht liege ich ja auch komplett daneben u. ich les den Link noch mal neu.
Was meinst du?

Liebe Grüße von Linz a. d. Donau u. auch an amalia
Damit ist auch die Frage: "Die Zeit interpretiert den Koran“ beantwortet.
Hallo Parazone,

Um die aktuelle Diskussion wieder etwas naeher an das eigentliche Threadthema zu bringen ihr ein anderer Denkansatz:
Du schreibst:
[quote]Die Meinungsverschiedenheiten entstehen aus der Subjektivität des Lesers (Gelehrte, Gläubige), der entweder ausgehend von seinem Bezugspunkt in den Altruismus abweicht od. in den Egoismus. [quote]
Ich denke, das ist nur die eine Seite. Die andere ist die, die mit dem Satz "Es kann nicht sein, was nicht sein darf" beschrieben werden kann.
Da eine der wesentlichen Intentionen des Qurans die Regelung des Zusammen- und Ueberlebens einer sozialen Gemeinschaft.
Eingebettet in die damaligen gesellschaftlichen Strukturen (incl. Traditionen) baut auch der Quran auf diesen auf.

So ist es zur Selbstdefinition einer Gruppe z.B. sowohl notwendig um sich zu anderen Gruppen abzugrenzen ("Macht sie euch nicht zu Freunden"), als auch die Attraktivitaet der eigenen Gruppe zu erhoehen. ("Der wahre Glaube" "Die paradiesische Belohnung im Jenseits" oder "Das auserwaehlte Volk")
Dies ist das typische "Zuckerbrot" fuer die Mitglieder der Gruppe.

Die Peitsche ist zum einen die Definition der Strafe fuer Abweichen von der Gruppenselbstdefinition (Strafe fuer soziale Verfehlungen wie Unzucht, Homosexualitaet oder Abweichen vom "wahren Glauben".) und zum Anderen fuer das Verlassen der Gruppe (Strafe fuer Apostaten).

Beide Strafearten muessen(!) vorallem dann Selbsterhaltungsgruenden der Gruppe drakonisch sein, wenn die Notwendigkeit einer solchen sozialen Gruppe (Ideologie, Religion) nicht fuer das Individuum (ueberlebens)notwendig ist. Deshalb treffen o.g. Strukturen auf Gruppen wie eine Familie nur sehr bedingt zu, denn diese ist fuer das Individuum (ueberlebens)notwendig.

Nun, wer heute den Quran liest, stoesst auf Spielregeln des Zusammenlebens in einer Kultur, die nicht nur seit rund 1400 Jahren vergangen ist, sondern zudem in diesen Breiten (Deutschland) nie vorhanden war.
Die heutige Sichtweise auf diese Regeln / Strukturen muss deshalb zwangslaeufig im Detail auf Unverstaendniss stossen, befinden wir uns doch in einer sowohl kulturell als auch psychologisch in einer voellig anderen Umgebung.
Ein Portieren / Anwenden dieser Strukturen auf unsere heutige Welt muss deshalb scheitern.
Und genau aus diesem Grunde versucht der Leser eine inhaltlich obsolete Ideologie oder Religion dahingehend subjektiv zu interpretieren (Subjektivität des Lesers), dass sie auf die heutige Welt passt. Ohne Auslassung wesentlicher Inhalte ist dies IMHO jedoch nicht moeglich.

Was bleibt ist vieleicht ein Kern einer jeden Ideologie und Religion, welcher gleich dem einer Familie ist (die ja fuer das Individuum (ueberlebens)notwendig ist). Etwa Geborgenheit, Liebe, Notwendigkeit des Lernens, Rollenverteilung, usw. usf. Ein Kern, der vermutlich in menschlichen Familien nicht viel anders strukturiert ist, als als in Familien anderer Primaten.

Daher glaube ich:
Eine Ideologie / Religion ist das Werkzeug Weniger um Viele zu manipulieren.
Das wichtigste Werkzeug dabei ist die Instrumentalisierung der familiaeren Strukturen und deren Uebertragung auf eine andere soziale Gruppe um darin ideologische / religoese Inhalte zu Gunsten der Wenigen zu aktivieren.*

Als Resultat entsteht aus einer inhomogenen Gruppe (z.B.: Gruppe aller Menschen eines Landes bezgl. ihres Glaubens) eine homogene Gruppe (z.B.: Anhaenger der Scientologie Sekte oder der Skinhaeds, der Rocker, des Islams, des (aktiven) katholisch apostolischen Glaubens, usw...)
Beispiele homogener Gruppen findet man neben Religionen, Sekten und Ideologien auch prinzipiell in harmlosen Vereinen und sogar Firmenstrukturen.

Mann kann alle diese Gruppen als "Familienersatzgruppen" bezeichnen.

Und hier sind wir wieder beim Ausgangspunkt dieses Threads "Islam und Psychoanalyse."
Denn in wieweit Familienstrukturen (z.B. Vaterfigur) hier Einfluss haben ist genau das Thema der Psychoanalyse.

LG
Martin

*Deutlich wird das beim Islam und Chrsitentum auch in der Bezeichnung "Bruder" und "Schwester".
Hallo Mpoetschik,

vielen Dank für diesen Beitrag! Ich stimme dem 100% zu.

Zitat:
Nun, wer heute den Quran liest, stoesst auf Spielregeln des Zusammenlebens in einer Kultur, die nicht nur seit rund 1400 Jahren vergangen ist, sondern zudem in diesen Breiten (Deutschland) nie vorhanden war.


"Auge um Auge" versus "Liebe deine Feinde"! Es ist offensichtlich, das Rache als Rechtsprinzip in unserer heutigen Welt nicht mehr funktioniert (siehe z.B. Nahost Konflikt)! Dennoch werden wir die Rachegelüste als menschliches Gefühl nicht los!

Gerade hier in Deutschland erleben Menschen die versuchen den Islam in allen Vorschriften zu leben eine enorme Frustration. Weil sie damit in der Gesellschaft nicht nur auf unverständniss stoßen, sonder weil es unmöglich ist. Es findet oft eine schleichende Wandlung vom Gläubigen zum verbitterten Gläubigen statt, die durch die Zunahme der sozialen Probleme (Arbeitslosigkeit, etc.) noch beschleunigt wird.

Hier eine definition von Martin H. die sehr treffend ist:
Zitat:

Verbitterter Gläubiger:
Wer von den Gläubigen den Glauben an das Gute im Menschen vollkommen verloren hat, der hat aufgegeben und praktisch auch den Glauben an Gott verloren. Oder aber er hat einen glauben wie: „Eine große Sintflut wir kommen und Gott in seinem Zorn alles vernichten ...“. Also Kurz ein Glauben der sich mit der Liebe Gottes absolut nicht vereinbaren lässt.
http://www.geistigenahrung.org/ftopic21635-15.html


Wenn wir über die Frage nachdenken wollen "Wie verhindere ich Terrorismus?" dann müßen wir über Wege nachdenken "Wie verhindere ich Verbitterung?" Die verbitterten Gläubigen sind IMHO der Nährboden des Terrorismus!

Gruß Heiko
Hi, Martin, interessant die Darstellungsweise - und sicher vollkommen richtig.
Aber ist es nicht auch für die Menschen notwendig, solange sie diese Strukturen brauchen - bzw. auch , weil darin die gegenseitige Hilfe in Not angeregt oder sogar gefordert wird.
Wären die Menschen nicht an den Glauben gebunden in dieser Form, dann würden sie sicherlich nur ihr ihren Egoismus leben und nicht im Traum daran denken, dem Nächsten zu helfen.

Aus dieser Interpretation heraus benötigt der Menschen den Menschen - und solange der Mensch Hilfe benötigt, sehe ich diese Strukturen auch als sehr wertvoll an.

Wie man jetzt feststellen muß, möchten in den westlichen Kulturen immer mehr Regierungen ihre sozialen Verpflichtungen loswerden - sprich, die Gesetze ändern, die durch Schicksalsschläge mittellos bzw. arm gewordenen Mensche unterstützt werden. Man kann aber Menschen in Armut nicht einfach ins Nichts fallen lassen - das ist nicht menschlich - nicht human.

Also müssen die religiösen Institutionen stärker für diese Aufgaben herangezogen werden oder die Regierung ist in die Pflicht genommen.

Wenn wir den Glauben weglegen - den Glauben an das Gute im Menschen - beginnt eine Zeit der Unmenschlichkeit - und solange jemand reich ist und solange es jemandem gut geht, stört es ihn vielleicht nicht - aber wehe, es kommen einmal schlechte Zeiten. Dann wäre man dankbar über jede Hilfe.

Was also wird verurteilt ?

Der Glaube ?

Wenn der Mensch den Glauben nicht hätte - den Glauben an irgend etwas - dann .....

Wie sähe diese Welt dann aus ?



Ich denke, alles hat seinen Sinn.
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