Krebs - Diagnose


Lieber Teddy,

Du bist vermutlich nicht der Einzige, der mit dem extremen Quatsch, den manche Kirchenleute von sich geben, von Gott und der Religion weggetrieben wird.

Du bist sehr enttäuscht, weil Dich Gott einmal, als Du gebetet hast, im Stich gelassen hat. Dazu fällt mir eine Geschichte ein.

Als ich meine Krebs-Diagnose bekam, ging ich in eine Kirche, die dafür bekannt ist, dass Gebete erhört werden. Dort betete ich um Gesundheit. Aber alle paar Tage kam ein neues Untersuchungsergebnis und jedes war schlechter als das andere. Gott hatte mich nicht erhört. Das war damals sehr schlimm für mich.

Das ist jetzt 4 Jahre her. Ich bin gesund. Ich habe viel gelernt dadurch, dass ich so sehr krank war. Ich habe mein Leben verändert und kann heute sagen, dass es mir besser geht, als es mir vor der Krebs-Diagnose ging.

Hat nun Gott mein Gebet erhört?

Teddy, verstehst Du, was ich sagen will? Wir Menschen wissen so wenig. Wir wissen nicht, wer wir sind, wir wissen nicht, wie genau die Welt funktioniert, in der wir leben, und wir wissen nicht, wie unser Leben weiter geht. Wie können wir wissen, aus welchem Grund Gott uns hilft oder nicht hilft (zumindest glauben wir das manchmal, dass er uns nicht hilft)?

Und würdest Du einen Freund haben wollen, der Dir nur hilft, wenn Du alles richtig findest, was er tut? Du willst doch einen Freund, der auf alle Fälle zu Dir steht, egal ob er was davon hat oder nicht!

Vielleicht ist das mit Gott genau so. Vielleicht ist er nicht erpreßbar: "Wenn Du, lieber Gott, mir das gibst, was ich will, dann will ich an Dich glauben."

Vielleicht will Er, dass wir an Ihn glauben, unabhängig davon, was geschieht.

Schwierige Fragen. Teddy, ich weiß die Antworten auch nicht. Aber ich weiß, dass es mir sehr viel besser geht, wenn ich in Einklang mit Gott sein kann.

Ich finde es schön, dass Du malen kannst. Ich würde mir gerne Deine Bilder ansehen!

Nochmal zur Ziege: Das weißt Du doch, dass der gehörnte Bock (sieht aus wie eine Ziege) das Symbol für das Böse ist? Deshalb, so glaube ich, träumst du von der Ziege. Das ist jetzt Deine Auseinandersetzung mit dem Bösen. Was auch immer das bedeutet für Dich.

Der Psychologe, oder der Psychotherapeut, hört Dir zu, und er schafft eine Atmosphäre der Liebe, des Angenommenseins, der Geborgenheit. In dieser Atmosphäre kannst Du ganz leicht über Deine Sorgen reden. Und wenn man darüber redet bei einem mitfühlenden Menschen, der liebevolle Fragen stellt, damit Du auf den Punkt kommst, dann findest Du eine Lösung für Deine Probleme. Ich kann es nur empfehlen. Und wenn Dir der Psychologe nicht paßt, dann gehst Du einfach nicht mehr hin.

Noch eine Frage stellst Du: Was geschieht mit den Leuten, die nicht glauben nach dem Tod. Ich bin sicher, mit ihnen geschieht dasselbe wie mit den Gläubigen. Weil das einfach Gesetzmäßigkeiten sind. Über die wir allerdings nichts wissen. Ich bin sicher, dass man nach dem Tod ins Licht und in die Liebe geht, wie genau das aussieht, das wissen wir nicht, das können wir uns nicht mal vorstellen, das liegt außerhalb unserer Vorstellungskraft.

Trotzdem glaube ich schon jetzt und nicht erst nach meinem Tod. Und weißt Du warum: weil es mir mit dem Glauben gelingt, glücklicher mein Leben zu meistern als ohne.

Und auf der Erde bin ich, weil ich hier eine Aufgabe habe. Ich habe hier was zu tun, ich kann mich hier entwickeln. Deshalb bin ich hier. Und deshalb ist es gut, hier zu bleiben und seinen Job zu tun.

Teddy, ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht mit Dir. Es gefällt mir sehr, wie Du Dich auseinandersetzt mit dem schlimmen Traum!

Inanna