Wie kann ich Gott lieben?


luschn hat folgendes geschrieben:
Wenn ich einem Menschen nicht helfen will, weil es ein intrinsisches Verlangen ist, sondern einfach nur um Gottes Willen, verzichte ich als betroffenes Opfer herzlichst auf diese Art von Hilfe.


Lieber luschn, es geht im Kern darum, dass Gottes- und Nächstenliebe untrennbar sind. Es ist ein und dasselbe Gebot, wie Jesus in einzigartiger Weise gezeigt hat, die beiden sind untrennbar eine Einheit, wie eine Legierung:

"Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?
Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.
Das ist das wichtigste und erste Gebot.
Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Mt 22,36-39)

Es ist ja letzlich mein Wesen als Mensch gut zu sein, genauer: wie Jesus zu sein, der das "personifizierte Gute" ist, der "Prototyp" des Menschen, der Mensch im "unversehrten Zustand". Nur insoweit ich also gut bin - das heißt "deckungsgleich" mit Jesus Christus - bin ich Mensch. Und daher entspreche ich gerade wenn ich das Gute tapfer und entgegen Widerwärtigkeiten und Widerständen tue meinem inneren Wesen als Mensch. In dem Beispiel von Mutter Theresa zeigt sich die Kardinaltugend der Tapferkeit - das bedeutet mein gutes Verhalten nicht von irgendeinem Lohn abhängig zu machen, das Gute also nicht "berechnend" zu tun, sondern schlicht weil es mir als Mensch entspricht es zu tun - und daher ohne jeden "Stolz" auf das Gute. Wir kennen das ja, wie gerne wir gelobt werden für das Gute, so ein bisschen sich als Wohltäter loben lassen - uns gerne "auf die Schulter klopfen" lassen. Wenn es uns aber auf das ankommt sind wir schon nicht mehr gut.
Warum sollte ich Lob dafür haben wollen, wenn ich so bin, wie ich eigentlich sein soll? Gegen diese Art von "Belohnungshaltung" wendet sich Jesus extrem scharf, weil sie so schädlich ist und uns so in die Irre leitet.

"So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan." (Lk 17,10)

Jesus kommt es also darauf an, dass wir "Mensch werden", sprich das Gute selbstverständlich tun, weil es uns entspricht, nicht weil wir dafür "belohnt" werden wollen. Und genau dann kommt der Lohn, nach dem wir eigentlich so lechzen, genau in diesem "absichtslosen Guten" - nämlich das innere Glück und die Zufriedenheit, weil wir dann wirklich in unserer "inneren Mitte" als Mensch leben. "Gut sein" heißt also letzlich leben. Ich lebe nur in dem Maße wirklich, in welchem ich das Gute denke und tue.
Lieber Burkl,

wird Dir dabei nicht 'unwohl' - 'Mutter' Theresa als 'heilige' Wohltäterin hinzustellen?

Das was über sie bekannt wurde, wie man überall recherchieren kann, ist mehr als fragwürdig!

Gruß
Rose
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"Die ganze Mannigfaltigkeit, der ganze Reiz und die ganze Schönheit des Lebens setzen sich aus Licht und Schatten zusammen".

*Leo Nikolajewitsch Graf Tolstoi*
Burkl hat folgendes geschrieben:

Lieber luschn, es geht im Kern darum, dass Gottes- und Nächstenliebe untrennbar sind. Es ist ein und dasselbe Gebot, wie Jesus in einzigartiger Weise gezeigt hat, die beiden sind untrennbar eine Einheit, wie eine Legierung:

"Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?
Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.
Das ist das wichtigste und erste Gebot.
Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Mt 22,36-39)

Wie in dem Zitat geschildert, hat das erste und "wichtigste" Gebot für mein Empfinden einen höheren Stellenwert als das Zweite. In meinen Augen ist jedoch nur das zweite Relevant, das erste soll jeder halten wie er will. Es braucht keinen Gott für eine heile Welt, nur Menschen die an Menschen glauben und sich auch dafür einsetzen. Eine höher gestellte Instanz führt immer zu Entzweiung und solange es Götter gibt, wird es keine Einigkeit unter Menschen geben.

Burkl hat folgendes geschrieben:

Es ist ja letzlich mein Wesen als Mensch gut zu sein, genauer: wie Jesus zu sein, der das "personifizierte Gute" ist, der "Prototyp" des Menschen, der Mensch im "unversehrten Zustand". Nur insoweit ich also gut bin - das heißt "deckungsgleich" mit Jesus Christus - bin ich Mensch. Und daher entspreche ich gerade wenn ich das Gute tapfer und entgegen Widerwärtigkeiten und Widerständen tue meinem inneren Wesen als Mensch.

Ob Jesus oder Batman, beide sind die Glorifizierung eines Helden, die gegen die Ungerichtigkeit und das Böse in der Welt vorgehen. Beide werden für ihre Taten verachtet, obwohl sie nur für eine bessere Welt einstehen. Wieviel jedoch ist real? Bei Batman kann man sich relativ sicher sein, dass er zumindest in unserer Realität nur Fiktion ist, bei Jesus ist es fraglich. Können Sie als Vorbilder dienen? Definitiv. Doch alles was über eine Vorbildfunktion hinausgeht ist meiner Meinung nach zuviel.

Burkl hat folgendes geschrieben:
In dem Beispiel von Mutter Theresa zeigt sich die Kardinaltugend der Tapferkeit - das bedeutet mein gutes Verhalten nicht von irgendeinem Lohn abhängig zu machen, das Gute also nicht "berechnend" zu tun, sondern schlicht weil es mir als Mensch entspricht es zu tun - und daher ohne jeden "Stolz" auf das Gute.

Ich weiß nicht ob Mutter Theresa ein gutes Beispiel für das Gute und Tugendhafte ist, immerhin war sie auch nur ein Mensch und wie sich im Nachhinein herausstellte, alles andere als eine Heilige. Eben ein Mensch, wie du und ich, mit guten und schlechten Ansätzen.

Burkl hat folgendes geschrieben:

Wir kennen das ja, wie gerne wir gelobt werden für das Gute, so ein bisschen sich als Wohltäter loben lassen - uns gerne "auf die Schulter klopfen" lassen. Wenn es uns aber auf das ankommt sind wir schon nicht mehr gut.

Erst wenn es darauf ankommt, wird man von einigen Menschen erst recht überrascht. Ein grimmiger Mann, der es nicht schafft seinen Nachbarn ein Hallo oder Lächeln zu schenken, der sich jedoch vor einen Wagen wirft um ein Kind zu retten. Die Welt ist zum Glück nicht schwarz und weiß.

Burkl hat folgendes geschrieben:

Warum sollte ich Lob dafür haben wollen, wenn ich so bin, wie ich eigentlich sein soll? Gegen diese Art von "Belohnungshaltung" wendet sich Jesus extrem scharf, weil sie so schädlich ist und uns so in die Irre leitet.

Weil Lob eine Form der höchsten Anerkennung ist. Wir sind soziale Wesen, die von Austausch und Rückmeldung leben. Wir schaffen uns moralische Normen, nach denen wir bewertet werden. Wenn die Allgemeinheit etwas für gut empfindet, ich gut handle, erwarte ich dementsprechendes Feedback. Du kannst aus einem Menschen langfristig keine Maschine machen, die programmiert ist nach moralischen Maßstäben deiner Kirche zu dienen.


Burkl hat folgendes geschrieben:

Jesus kommt es also darauf an, dass wir "Mensch werden", sprich das Gute selbstverständlich tun, weil es uns entspricht, nicht weil wir dafür "belohnt" werden wollen.

Diese Romantisierung von Mensch kann ich nicht verstehen. Was ist faul daran, gut und schlecht in einer Person zu sein? Erst so, sind wir was wir sind. Menschen. Fehlbar und doch lernfähig. Das von dir dargestellte ist eine Art "perfekter" Mensch, nach dem Muster einer Institution geschaffen, um uns ewig die Karotte hinzuhalten, auch so zu werden.

Burkl hat folgendes geschrieben:

Und genau dann kommt der Lohn, nach dem wir eigentlich so lechzen, genau in diesem "absichtslosen Guten" - nämlich das innere Glück und die Zufriedenheit, weil wir dann wirklich in unserer "inneren Mitte" als Mensch leben. "Gut sein" heißt also letzlich leben. Ich lebe nur in dem Maße wirklich, in welchem ich das Gute denke und tue.

Ich bin für mein inneres Glück und meine Zufriedenheit selbst verantwortlich. Wodurch jene Zustände zusammenkommen, das hängt von meinen moralischen Vorstellungen ab. Diese können jedoch konträr von deinen sein. Dh im Klartext, wenn wir beide dasselbe "Gute" verrichten, führt es bei dir zu einem seeligen Leben, bei mir zu innerem Unmut oder sogar Verabscheuung meiner selbst durch mein Handeln. Es gibt nicht den einen Weg für alle.
luschn hat folgendes geschrieben:
Dh im Klartext, wenn wir beide dasselbe "Gute" verrichten, führt es bei dir zu einem seeligen Leben, bei mir zu innerem Unmut oder sogar Verabscheuung meiner selbst durch mein Handeln.


Verstehe ich jetzt nicht ganz, lieber Luschn, warum Dein gutes Handeln zur Verabscheuung Deiner selbst führen kann?

LG,
Minou
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Minou hat folgendes geschrieben:
luschn hat folgendes geschrieben:
Dh im Klartext, wenn wir beide dasselbe "Gute" verrichten, führt es bei dir zu einem seeligen Leben, bei mir zu innerem Unmut oder sogar Verabscheuung meiner selbst durch mein Handeln.


Verstehe ich jetzt nicht ganz, lieber Luschn, warum Dein gutes Handeln zur Verabscheuung Deiner selbst führen kann?

LG,
Minou


Mein gutes Handeln, welches ich auch als solches Empfinde, führt natürlich nicht zur Verabscheuung. Deswegen habe ich das Gute auch unter Anführungszeichen gesetzt, da es von jedem individuell empfunden wird. Wenn ich aber die frohe Kunde Gottes oder seiner Propheten verbreite, so verrichte in deinen oder anderer Gottesanhänger eine gute Tat, könnte aber selbst nicht mehr in den Spiegel schaun ... hoffe es kommt etwas klarer rüber.

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