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http://www.iivs.de/~iivs01311/H.Krieg/Matrix.htm
Die apokalyptischen Matrix hat die Form eines „Dramas“ vom Untergang der Welt und ihrer Neuerstehung. Sie weist in allen Glaubensrichtungen die folgenden gleichen Inhalte, Handlungsabläufe und Zielrichtungen auf:
1. Die Geschichte der Menschheit ist der irdische Ausdruck eines kosmischen Krieges zwischen Gut und Böse, zwischen Licht und Finsternis. In diesem universellen Kampf stehen sich Gott und Satan, Engel und Teufel, Oberwelt und Unterwelt als unversöhnliche Feinde gegenüber. Wenn sich die Weltgeschichte der apokalyptischen Entscheidungsschlacht nähert, ist jeder Mensch gezwungen, sich für oder gegen Gott zu entscheiden.
2. Die gegenwärtige Periode in der Menschheitsgeschichte ist gekennzeichnet durch die zunehmende Herrschaft des Bösen, die sich ausdrückt im sittlichem Verfall und sexuellen Exzessen, in Ungläubigkeit, Korruption, Krieg, Gewalt, Ungerechtigkeiten, Verbrechen, Seuchen, Naturkatastrophen und Wirtschaftskrisen. Die Gegenwart, so wie sie ist, wird radikal abgelehnt.
3. Ein Dämon, der Satan oder dessen Stellvertreter, ergreift die Gewaltherrschaft über diese Welt der Niedertracht. Mit Vorspiegelungen, Betrug, Hinterhältigkeit, Manipulation, Terror und Mord zwingt er einen Großteil der Menschheit unter sein Kommando und wird zum Weltenherrscher. Dann versucht er nach dem Throne Gottes zu greifen.
4. Kurz bevor der satanische Welt-Imperator alle seine Ziele erreichen kann, inkarniert sich im letzten Augenblick das Gute in der Gestalt eines „Militanten Messias“, der als Anführer einer „kosmischen Armee“ aus Menschen und Überwesen (Engeln, Göttern, Heroen) mit extremer Härte, mit Zorn und mit gnadenloser Grausamkeit gegen die „Koalition des Bösen“, den Teufel und sein Pandämonium antritt und diese dann endgültig vernichtet. Beide Parteien kämpfen mit allen Arten von Massenvernichtungswaffen und setzen auch Naturkatastrophen und Seuchen als Kampfmittel gegeneinander ein.
5. Die Anhänger des „Militanten Messias“ bezeichnen sich als „Gotteskrieger“, die bereitwillig das Martyrium auf sich nehmen, um dadurch sofortige „Erlösung“ zu erlangen.
6. Vernichtet werden am Ende alle, die nicht den „wahren“ Glauben haben, erlöst werden dagegen alle Rechtgläubigen. Diejenigen, welche die apokalyptischen Kriege überleben, müssen sich einem Gericht stellen, das die restlichen Rebellen und Ungläubigen zu unsäglichen Höllenqualen verurteilt.
7. Nach seinem triumphalen Sieg über das Böse errichtet der „Militante Messias“ einen weltweiten, autoritativen „Gottesstaat“ (eine Theokratie oder eine Buddhokratie) mit dem eigenen Glauben als einziger Religion. Ein totalitärer Staat, in dem alle Gesetze von „Gott“ und nicht von den Menschen erlassen werden, in dem die absolute Macht durch ein militantes Priesterkönigtum ausgeübt wird und in dem die Frauen eine untergeordnete Rolle spielen, ist das Ziel jeder traditionellen Endzeitvision. Dieser religiöse Machtstaat wird in den apokalyptischen Schriften als das „Paradies auf Erden“ beschrieben.
8. 1000 Jahre (ein Millennium) lang dauert dieses paradiesische „Reich des Guten“. Danach geht es ebenfalls unter und der gesamte Planet Erde wird vernichtet
http://www.miz-online.de/archiv/miz006.htm
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Ich weiß nicht, ob es so schlimm ist. Ich hoffe doch im Innersten meines Herzens, daß wir uns als Menschen besinnen werden und auch unsere Vernunft walten lassen. Schaut man aber in einige Foren, dann möchte man bezweifeln, daß sich die Vernunft durchsetzt.
Passen wir auf uns auf, daß wir eher einer Humanisierung der Gesellschaft entgegensehen, als das in Gang zu setzen, was in diesem Bericht angedeutet wird.
Füllen wir unsere Gedankenwelt mit friedlichen Vorstellungen von einer besseren Welt.
Die apokalyptische Matrix ist ein reiner Wahn, denn obgleich sich die einzelnen fundamentalistischen Religionsströmungen in ihren Endzeitvisionen und ihrem Absolutheitsanspruch als unversöhnliche Todfeinde gegenüber stehen, weisen sie doch verwandte Strukturen, Bilder, Szenarien, Dramaturgien, Wertvorstellungen und Sehnsüchte auf. Jedoch ein Wahnsinn kann durchaus höchst destruktive Realitäten hervorrufen. „Im schlimmsten Szenario, das keineswegs unwahrscheinlich ist, könnten sich die biblischen Prophezeiungen aus sich selbst heraus erfüllen. Eiferer von jeder der drei monotheistischen Religionen könnten eine Reaktion von Schlag, Gegenschlag und Massenvernichtung in Gang setzen.“ – schrieb die Washington Post im Jahre 2003.
Trotz der Gefahr, die vom dieser weltweiten apokalyptischen Obsession ausgeht, weigern sich die etablierten Glaubensrichtungen bisher dieses „heiße Eisen“ adäquat zu diskutieren. Das religiöse Establishment trifft sich auf zahlreichen interreligiösen Konferenzen, um edle und erbauliche, aber unverbindlicher Worthülsen auszutauschen, die nicht zu den ideologischen Ursachen vorstoßen, aus denen ein „Krieg der Religionen“, (bzw. ein „Kampf der Kulturen“) und der „religiöse Terrorismus“ entstehen und gerechtfertigt werden. Diese Vogel-Strauss-Politik kann jedoch nicht mehr lange andauern. Die Mainstream-Religionen werden schon sehr bald gezwungen sein, zu den Gewaltstellen in ihren Heiligen Schriften, zu ihren katastrophalen Endzeit-Prophezeiungen, zum militanten Messianismus, zum Heiligen Krieg und zum Gottesstaat offen Stellung zu beziehen - spätestens dann, wenn die ihre Machtstellung durch den Fundamentalismus aus den eigenen Reihen selber in Frage gestellt wird.
Nicht nur die offiziellen Kirchen, sondern auch der Säkularismus steckt den Kopf in den Sand. Einstmals aus der Religionskritik entstanden, sucht er heute - konträr zu seiner rebellisch-aufklärerischen Tradition - ständig in den etablierten Religionen Gesprächspartner und Verbündete gegen den Glaubens-Fanatismus. Dieser Dialog zwischen Religionsvertretern und Säkularisten (meist sind es Politiker und Medienvertreter) wird von beiden Parteien in der Sprache des Humanismus geführt, was zur Folge hat, dass sich die Säkularisten in den von ihnen propagierten, humanpolitischen Werten bestätigt sehen und sich beruhigt in die Institutionen ihres bis jetzt noch laizistischen Staates zurückziehen, ohne überhaupt mit den eigentlichen Problemfeldern, aus denen die religiöse Gewaltbereitschaft entsteht, konfrontiert worden zu sein. Irgendwie hat sich unter ihnen der naive Glaube verbreitet, die offiziellen Kirchen hätten das Fundamentalismus- und Terror-Syndrom theologisch, dogmatisch und organisatorisch voll im Griff. Die Gefahr religiöser Gewalt stammt aber, wir wiederholen es zum Schluss noch einmal, aus den Religionen selbst, aus ihrer blutigen Vergangenheit, insbesondere jedoch aus ihren Heiligen Texten. Dies aufzuzeigen, zu analysieren und zu bewerten ist eine vordringliche Aufgabe des Humanismus. Dieser muss sich heute, will er überhaupt überleben, als ein Kulturentwurf präsentieren, der das Erlösungsbedürfnis der Menschen von einer verkehrten Welt befriedigen kann.
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