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| Vielleicht hast du zuviel mit dem Verstand gesucht und dein Herz nicht genug geöffnet? Ich denke auch wie Martin, dass jeder würdig ist. Mit dem Herzen sehen ... |
Ja, ich habe auch mit dem Herzen gesucht. Als das erfolglos war, habe ich es mit dem Verstand und dem Herzen getan.
Erstaunlich ist, dass gerade die, die so viel vom Herzen sprechen und davon, dass man damit besser sehen kann, davon nicht viel verstehen. Die meisten wissen nicht viel über ihre Gefühle, außer, dass sie sehr mächtig sind. Sie wissen nicht - und sie wollen es auch nicht wissen - was es bedeutet, etwas "mit dem dem Herzen" zu sehen. Warum sagt man wohl "Liebe macht blind"? In dieser alten Volksweisheit steckt mehr an Erkenntnis als ich es bislang bei denen gefunden habe, die meinten, mit dem Herzen besser sehen zu können. Das genaue Gegenteil ist der Fall: Die eigenen Gefühle machen oft blind.
Man muss dazu wissen, wie Gefühle entstanden sind. Gefühle haben einen bestimmten Zweck im Leben. Und diejenigen, die dem Verstand seine Begrenztheit vorwerfen (selbst da, wo das nicht der Fall ist, und oft nicht da, wo es der Fall ist) sehen ihre eigene Begrenztheit nicht. An Gefühlen kann man sich berauschen, und dann ist meist Gefahr im Verzug.
Wie immer macht es die richtige Balance. Und so, wie es Fälle gibt, wo man besser nach Gefühl entscheidet, so gibt es auch Fälle, wo man besser mit dem Verstand entscheidet, und Weisheit ist, wenn man weiß, wann man was einsetzen soll und wann man es ausbalancieren sollte.
Aber eines weiß ich aus Erfahrung (ich bin Diplom-Psychologe): Je mehr jemand über Gefühle schwafelt und Phrasen wie "mit dem Herzen sieht man besser" wiederholt, umso weniger weiß derjenige über seine Gefühle Bescheid. Und ich habe noch etwas gelernt: Menschen benutzen ihre Gefühle oft, um sich damit gegen die Realität abzuschirmen - Gefühle sind manchmal ein Schutz davor, sehen zu müssen.
Es sind übrigens nicht die Gefühle, die den Menschen vom Tier unterscheiden. Gefühle haben wir mit allen Reptilien und Säugetieren gemeinsam. Der Teil des Gehirns, in dem die Gefühle entstehen, das limbische System, nennt man auch "Reptiliengehirn", es zur Zeit unserer tierischen Vorfahren, den Reptilien, entstanden. Wenn man sich Tiere genau ansieht, wenn ich z. B. den Hund meiner Schwester betrachte, dann kann ich mit ihnen fühlen und sie mit mir: Denn unsere Gefühle haben wir gemeinsam. Was den Menschen vom Tier unterscheidet, sind nicht die Gefühle, es ist der Verstand. In unserem Gefühlsleben sind wir alle Reptilien. Erst der Verstand macht uns zu Menschen. Wenn man einem Menschen den Verstand nimmt (was u. a. durch Unfälle, Gehirntumore, Hirnblutungen, Gifte, Drogen und Infektionen geschehen kann), dann sinkt derjenige Mensch auf die Stufe eines Tieres zurück.
Bedenkt also: Wenn Ihr Eure Gefühle alleine über etwas entscheiden lasst, dann entscheidet das Tier in Euch. Das ist ein Teil der dunklen Seite, die wir in uns tragen. Der Hund meiner Schwester namens Bilka liebt meine Schwester - für Bika ist sie der Gott. Und irgendwie werde ich bei dem, was einige so schreiben, immer an Bilka erinnert. Liebe ist natürlich ein positives Gefühl, aber die Liebe von Bilka macht meine Schwester nicht zu einem Gott (auch, wenn Bilka das mit ihren treuen Hundeaugen ganz anders sieht).
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