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Man möchte eigentlich gar nicht wissen, was man in Nikolaus Geyrhalters Doku "Unser täglich Brot" über die Herstellung von Lebensmitteln sieht und erfährt. Der mehrfach ausgezeichnete österreichische Dokumentarfilmer gibt mit diesem Film einen gnadenlos ehrlichen Einblick in die Produktion verschiedener Nahrungsmittel und erspart dem Zuschauer nichts. Ohne jeden Kommentar - und gerade deshalb so wirkungsvoll - zeigt er wie unsere Nahrungsmittel - vom Treibhausobst bis zum Rind - verarbeitet werden
"Wie das Außen, so das Innen", besagt eine alte Alchimisten-Weisheit. Auch Feng-Shui-Wissen oder etwa die Gemälde eines Caspar David Friedrich vermitteln, dass es zwischen der Art und Weise, wie der Mensch seine Umwelt gestaltet, und seiner Seele tiefgründige Zusammenhänge gibt. Demnach müssten unser aller innere Landschaften reichlich öde und steril aussehen - und diese Erkenntnis hätten wir auch Nikolaus Geyrhalter zu verdanken: Der 34-jährige österreichische Dokumentarfilmer ("Pripyat", 1999, "Elsewhere", 2001) zeigt in seinem fünften Werk die Monotonie und Seelenlosigkeit des industriellen Umgangs mit Flora und Fauna. Wie selbstverständlich werden wir heute mit preiswertem Essen und Trinken versorgt.
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Drei Jahre lang in zahlreichen Betrieben recherchiert
Lebende Küken werden von Sortieranlagen durch die Luft geschossen, ganze Fische von High-Tech-Maschinen binnen Sekunden in fünf Produkte zerteilt, Spargelfelder erstrecken sich auf flurbereinigten Flächen, so weit das Auge reicht. Die Zucht von Tomaten, Paprika oder Gurken in riesigen Gewächshäusern ist in ihrer Optik zunächst kaum zu unterscheiden. Drei Jahre lang hat Geyrhalter (Regie, Kamera) mit Wolfgang Widerhofer (Drehbuch, Schnitt) in vielen Betrieben Europas - immerhin mit deren Erlaubnis - recherchiert und gedreht.
Seine Kamera mittig und statisch auf die jeweilige Produktionssituation gerichtet, lässt er die Bilder in ihrer eigentümlichen Anti-Ästhetik ohne Kommentar auskommen. Untermalt werden sie nur vom Summen und Brummen, vom Hämmern und Schlagen der Anlagen. Zwischendurch sind immer wieder Menschen zu sehen, die diese Maschinen bedienen: Isoliert, in reizlosen Räumen sitzend, verzehren sie ihr Pausenbrot.
Verarmende Effizienz
Inwieweit dem Betrachter dabei der Appetit oder die eingefahrene Ernährungsgewohnheit vergeht, hängt vom einzelnen ab. "Das Publikum soll einfach in diese Welt eintauchen und sich selbst eine Meinung bilden", sagt Geyrhalter. Solche Objektivität seines Films besteht wohl nur scheinbar. Denn die subtil erschreckenden Aufnahmen, die keine wilden Schlachthausszenen zeigen, sondern eine verarmende Effizienz, wirken auf das Gemüt natürlich auch manipulierend - wenngleich mit besten Absichten.
Um ein fundiertes Urteil zu gewinnen, müsste sich der Interessierte mit zusätzlichem Faktenmaterial versorgen. Doch eine wesentliche Erfahrung bietet Geyrhalters Film, der auch im Zusammenhang mit aktuellen Food-Dokus wie "Super Size Me" (2004) und "We Feed The World" (2005/6) zu sehen ist, allemal: Er zeigt uns einen Zustand der Welt. Und der gibt auf jeden Fall zu denken
Ich erinnere mich: hat nicht jemand gesagt, daß wir bald eine bessere Welt bekommen werden mit viel Frieden und Gleichheit aller Lebewesen und dann noch viel Glückseligkeit ? Wenn wir geistig und seelisch verarmen ? Wie das ?
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