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Weil wir es nicht verstehen und nicht verstehen werden












In einem Forum las ich Artikel über die pharaonische Beschneidung und ich habe mit dem Suchwort: "pharanonische Beschneidung im alten Ägypten"
sehr viele Seiten einsehen können. Foren zu diesen Themen und auch diese Geschichte, die mich sehr bewegt hat.

Ich möchte nicht verhehlen, daß es mich immer wieder sehr erschüttert,diese Geschichten zu lesen und während ich beim Lesen die körperlichen Leiden nachvollziehen kann, frage ich mich, weshalb es nicht enden kann, wo es doch so unnötig ist.

Zugleich habe ich mich auch gefragt, ob Frauen, die zum Islam übertreten, auch nachträglich beschnitten werden müssen. Mir fiel zu diesem Thema eine junge Teilnehmerin ein, die eine Heirat mit einem Moslem eingehen wollte.

Ich hoffe, sie wird es nicht erleben müssen, wie auch die Autoren der "Weißen Massai" schilderte, hatte sie Glück, daß ihr Ehemann für sie eintrat.

Gleichzeitig frage ich mich auch, ob die schnelle Ausbreitung von A .IDS in Afrika aus diesem Grunde so rasant die Bevölkerung dezimiert.

Die Hoffnung lebt immer, daß diese schlimmen Geschichten eines Tages nicht mehr passieren.

http://www.futuremelody.de/frauen.html

Süddeutsche Zeitung vom 10.12.1997, Seite 3

Frauen – Beschneidung: Eine Folter mitten in Europa

Mit dem Messer in die Hochzeitsnacht

Tausendfach werden Afrikanerinnen auch in England verstümmelt – weil die Männer es so verlangen und sich viele Familien jede Einmischung verbitten

Von Michaela Haas




London, im Dezember - Ein Reihenhaus in Manchester. Roter Backstein, gepflegter Vorgarten, gute Wohngegend. Hier wohnt ein anerkannter Arzt, doch Nachbern erzählen, aus dem Haus des algerischen Doktors drängen Schreie. Als schlachte er Lämmer. Mehr wollen sie nicht sagen, der Arzt selbst verweigert jede Auskunft. Erst als ihn eine somalische Mutter anruft, wird klar, wie der Mann seinen Beruf versteht: "Können Sie meine sechs Jahre alte Tochter beschneiden?" fragt die Frau. "Ich kann zwei am Tag erledigen, ich beschneide sie und nähe sie auch zu, es kostet 130 Mark pro Mädchen", ist seine Antwort. "Kommen Sie am Freitag in mein Haus." Jane Inebe schaltet den Videorecorder ab. Die Szenen aus Manchester, die sie hier in einem Londoner Vorort ihrem Publikum vorgespielt hat, stammen aus einer Dokumentation, die kürzlich im britischen Fernsehen ausgestrahlt wurde.

"Von diesen Doktoren gibt es nicht nur ein oder zwei", sagt Jane Inebe, "sie sind überall. Sie sind aber immer noch besser als die alten somalischen Frauen. Die sind oft schon halbblind und sehen kaum noch, was sie wegschneiden." Jane Inebe ist Sozialarbeiterin und stammt aus Uganda. Ihre Zuhörerinnen in einer kargen Turnhalle verbergen ihre Gesichter hinter schwarzen, roten, gelben Schleiern, es ist so still in dem giftgrün gestrichenen Raum, als hielten alle den Atem an. Dann bricht Geschrei, Gekicher und Gelächter aus, alle schreien gleichzeitig durcheinander. Die Stimme einer rotverschleierten Frau übertönt das Gewirr: "Die Engländer haben kein Recht, uns vorzuschreiben, was wir tun." Es sind 30 Frauen hier, alle aus Somalia, und sie wollen an diesem Abend keinen Mann dabeihaben. Sie wollen unter sich bleiben, um einen schweren Kampf auszutragen, einen Kampf an der Nahtstelle zwischen Tradition und Vernunft. Ein Ringen mit der Kultur des Landes, aus dem sie stammen und der Kultur des Landes, in dem sie leben. Fast alle Frauen in dieser Turnhalle sind selbst beschnitten, kennen die quälenden Folgen der Verstümmelung ihrer Sexualorgane am eigenen Leib: die Schmerzen, die Infektionen, die Krankheiten. Und doch wollen sie ihre eigenen Töchter beschneiden lassen. Mitten in England, mitten in Europa.

Die Frauen leben in Klein-Somalia mitten in London. Die wenigsten sprechen mehr als ein paar Brocken Englisch, in ihren Häusern hängen goldgerahmte Suren des Koran. Ihre aus Somalia mit eingewanderten religiösen Führer, die Scheichs, verkünden, der Islam gebiete die Genitalverstümmelung. Das ist falsch, aber welche Frau würde wagen, den Scheichs zu widersprechen. Mit den Hunderttausenden afrikanischer Einwanderer, vor allem aus Somalia, dem Sudan, Ägypten oder Äthiopien, ist der blutige Ritus nach Europa gelangt, für den "Beschneidung" eigentlich ein viel zu harmloser Begriff ist. "Es ist Folter", sagt Jane Inebe. Rund 130 Millionen Frauen in 30 Ländern Afrikas, des Nahen und Mittleren Ostens und einigen Ländern Asiens sind körperlich und seelisch verstümmelt, weil nur Frauen ohne Scham als schamhaft gelten. Jedes Jahr, schätzt die Weltgesundheitsorganisation, werden zwei Millionen Mädchen verstümmelt.

In Deutschland leben etwa 20 000 beschnitte Afrikanerinnen. Deren Töchter, sagt Ines Laufer von der Organisation "Terre des Femmes", seien auch hier in absoluter Gefahr. Die Afrikanerinnen schickten ihre Töchter in die Heimatländer, um ihre Geschlechtsteile verstümmeln zu lassen. Und es mehren sich Hinweise, daß dies auch in Deutschland geschieht. In einem Brief an die Süddeutsche Zeitung berichtet eine afrikanische Krankenschwester, sie habe glaubwürdige Informationen über Beschneidungen Anfang Mai "an einem abgelegenen Ort in Deutschland". Sie recherchiere für ein Buch, doch habe sie Drohungen erhalten und wolle jetzt nicht ihren Namen veröffentlichen. Frauen - Beschneidung könnte in Deutschland als Körperverletzung geahndet werden, aber es gibt keinen Präzedenzfall. "Wir wissen, daß es hier gemacht wird", sagt Ines Laufer, "aber wir wissen nicht, wo und wann. Wir brauchen eine Stelle, an die sich Afrikanerinnen wenden können, denn solange sich das nicht mit Namen und Zahlen belegen läßt, können die offiziellen Stellen so tun, als würde es nicht existieren." Am kommenden Freitag wird es zur Genitalverstümmelung immerhin eine Plenardebatte des Deutschen Bundestages geben.

Frankreich und Großbritannien versuchen mit scharfen Gesetzen, die grausamen Praktiken abzuschaffen, dort gibt es erste Verurteilungen - und Prozesse, in denen westliche Richter unsicher darum ringen, was noch als kulturelle Eigenheit toleriert und was schon als Kindesmißhandlung geahndet werden muß. Jane Inebes Londoner Kollegin Saada Mann sagt, oft würden britische Ärzte und auch Lehrer in der Schule einfach wegsehen. "Sie wissen, was zu Hause passiert ist, aber dann sagen sie: ‚Oh, das sind Afrikaner, da darf ich mich nicht einmischen, das ist ihre Kultur.'"


Fortsetzung 1


Saada Mann ist eine elegante Somalierin, die ihre traditionelle schwarze Alaya über einem modischen grauen Hosenanzug und zu spitzen Pumps trägt. Sie sagt, wenn weiße Kinder in England so mißhandelt würden, "hätten wir längst eine Sonderkommission und Stellen, an die sich die Familien wenden können. Es ist und bleibt Kindesmißhandlung, auch wenn es um schwarze Mädchen geht." Saada Mann spricht von einer "Verschwörung des Schweigens", einer Kultur des Wegsehens. "Sogar, wenn es der Polizei berichtet wird, sagen die Polizisten, das sei eine Familiensache. Aber auch wenn sie aktiv werden: Wer soll als Zeuge vor Gericht aussagen? Die Mädchen sind zu klein, und die beteiligten Frauen werden einen Teufel tun." Trotz des Gesetzes also beteuern die Frauen in der giftgrünen Turnhalle einmütig, es sei "überhaupt kein Problem", in England einen Beschneider zu finden.

Rooda trägt einen durchsichtigen rosa Chiffon-Schleier, der ihr volles dunkles Gesicht umrahmt und die großen, schwarzen Augen betont. Der Schleier ist über und über mit Rosen bestickt und wirkt wie ein hauchzarter Widerspruch, zu dem, was sie durchleiden mußte. Cutting the rose, so nennen die Somalierinnen das grausame Ritual: Sechs oder sieben Jahre alt war Rooda, noch zu Hause in einem kleinen Dorf im Norden Somalias, als ihre Mutter sagte, nun würde sie eine Frau werden". Die ältere Schwester war längst beschnitten, Rooda sagt: "Ich sah die vielen Geschenke, die sie bekommen hatte, und ich wollte das endlich auch. Ich war stolz und neugierig." Keiner bereitete sie auf das vor, was dann kam.

Drei Frauen des Dorfes hielten das Kind fest, eine kniete auf ihrer Brust und hielt die Arme nieder, zwei zogen die Beine auseinander. An Rooda wurde - wie an den meisten somalischen Frauen - die schlimmste Form der Beschneidung vollzogen, die "pharaonische": Mit einer Rasierklinge amputierte eine der alten Frauen die Klitoris und die kleinen Schamlippen, schabte die großen Schamlippen aus und stichelte sie bis auf eine winzige, stecknadelkopfgroße Öffnung mit Akaziendornen zusammen - ohne jede Betäubung. Mit zusammengebundenen Beinen lag Rooda tagelang in ihrer Hütte, bis die blutende Wunde zusammengewachsen war.

Sie spricht sachlich über ihre Beschneidung, sie ist dazu erzogen werden, die Zähne zusammenzubeißen. "Sie hat's nicht geschafft", sagt sie über ihre Kinder - Freundin, die am selben Tag wie Rooda beschnitten wurde. Das andere Mädchen ist daran gestorben, verblutet wie viele. Mit ihren Händen deutet die 32 Jahre alte Rooda an, daß ihre Scham nun völlig flach ist, so flach wie ihr Handrücken, ein dichtes Narbengewebe, das in ihrer Hochzeitsnacht aufgebrochen wurde.

In jener Nacht nahm ihr Mann ein Messer, "das Käsemesser", sagt Roda, und schnitt seine Frau auf. Er vollzog den Verkehr in der offenen Wunde.

Rooda sagt stolz über ihn: "Er ist ein guter Mann. Er hat nichts anderes getan als viele somalische Männer." Rooda bekam drei Kinder, bei jeder der Geburten wurde sie wieder aufgebrochen. Der Glaube, Schmerzen seien klaglos zu ertragen, ist ihr anerzogen worden. "Liebe tut dreimal weh", zitiert Rooda eine Redensart somalischer Frauen, "bei der Beschneidung die Liebe der Eltern, bei der Hochzeit die Liebe des Mannes und bei der Geburt die Liebe zu den Kindern." Und: "Sex ist für Männer, nicht für Frauen."

Fortsetzung Ende

Die Immigranten gehorchen den Geboten ihrer Ahnen, nicht den Gesetzbüchern ihrer Gastländer. Sie sprechen Europäern das Recht ab, sie dafür zu verurteilen "Es ist unsere Tradition", sagt eine junge Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte, "ihr westlichen Frauen könnt das nicht verstehen." Auf ihrem Schoß knuddelt sie ihr eineinhalb Jahre altes Mädchen, ihre älteste Tochter, Amina, fünf Jahre alt, läuft quietschend durch den Raum. "Sie ist bald soweit", sagt die Mutter, "für Amina werden wir bald jemanden finden müssen." Wozu ist das gut? "Gut ist das nicht", antwortet die Mutter, "aber es muß so sein. Gerade hier, wo wir fremd sind, müssen wir unsere Tradition bewahren." Als sie später alleine ist, erzählt sie zögerlich, sie wolle ihre Töchter eigentlich nicht beschneiden lassen, aber das dürfe hier keiner erfahren. Sonst könnte sie ihre Kinder nicht mehr mit der Großmutter allein lassen. Sie habe Angst, die lasse die Kinder verstümmeln, wenn sie nicht da sei. Die Frauen, die mit der Tradition brechen, werden als "Verräterinnen" beschimpft, deren Moral von den Jahren im Exil korrumpiert wurde. "Sie sind Feinde", sagt eine alte Frau unter ihrer roten Alaya. "Wer ein echter Muslim ist", entgegnet Jane Inebe, "kann nicht wollen, daß seine Tochter verstümmelt wird. Allah hat die Frau als Frau und den Mann als Mann geschaffen." Jane Inebe versucht zu erklären, daß die Religion nur ein Vorwand ist. Nirgendwo sagt der Koran, Frauen müßten beschnitten sein. Auch christliche und jüdische Gemeinschaften in Afrika beschneiden ihre Töchter. Sogar in Europa und Amerika wurden um die Jahrhundertwende Mädchen verstümmelt, vor allem höhere Töchter - als vermeintliches Mittel gegen Masturbation. Einen religiösen Hintergrund gibt es nicht, einen medizinischen schon gar nicht.

Northwick Park Hospital im Norden Londons. Ein schäbiger, abgewetzter Bau mit rissigen Mauern, durch die ein ungemütlicher Wind pfeift, es ist hier wie in vielen heruntergekommenen Krankenhäusern Englands, aber der Teil, der für die African WeIL Woman Clinic reserviert ist, ist besonders schlecht ausgestattet. Im Untersuchungsraum steht nicht einmal ein Gynäkologenstuhl. Hier werden dieFrauen wieder aufgeschnitten. Jeden Freitagvormittag leuchten die Schleier der afrikanischen Frauen in den Gängen, wie bunte Vögel hocken sie in den KIinikfluren, viele halten ihr sechstes oder siebtes Kind im Arm. 16mal wiederholt sich an diesem Morgen fast der gleiche Dialog: "Wann ist es gemacht worden?" - "Ich war sechs oder acht Jahre alt." - "Willst du es wieder aufschneiden lassen?" Ein schüchternes Nicken der Frau. "Ich gebe dir einen Termin." Einige Mädchen sind heimlich gekommen, um die Verstümmelung rückgängig machen zu lassen und bitten flehentlich darum, Klinikpost nicht nach Hause zuschicken.

Doktor Harry Gordon, der vor vier Jahren diese Klinik - die erste ihrer Art - gegründet hat, erzählt von Patientinnen, die 50 Minuten auf der Toilette brauchen, weil die millimetergroße Öffnung ihrer Scham nur Tropfen freigibt. Er erzählt von Mädchen, deren Periode zehn, zwölf Tage dauert, weil sich das Blut im Körper staut. "Wir können sie nicht einmal richtig untersuchen", sagt Harry Gordon, "weil kein Untersuchungsinstrument hineinpaßt." Wenn er operiert, kann er oft unter den Narben einen Teil der Klitoris wieder freilegen und die Frauen bekommen nach der Operation zumindest eine Ahnung davon, wie sich Lust ohne Schmerz anfühlt.

Die erste Patientin an diesem Tag ist eine aparte 29 Jahre alte Sudanesin. Sie kommt, was ungewöhnlich ist, mit ihrem Ehemann. Das Paar turtelt frischverliebt. Sobald Schwester Jeanette sie bittet, ihre Alaya, ihren Schleier, zu lüften, verläßt der Mann abrupt und verlegen den Raum. "Die beiden sind seit einem Dreivierteljahr verheiratet, aber sie ist noch Jungfrau", sagt Schwester Jeanette nach der Untersuchung. "Die Verstümmelung hat ihr eine nicht einmal sechs Millimeter breite Öffnung gelassen, ich kann nicht einmal meinen kleinen Finger hineinstecken." Anders als Roodas Mann möchte der junge, gebildete Sudanese seine Frau nicht mit Gewalt lieben.

Das Paar ist eine Ausnahme. Die meisten Frauen kommen erst, wenn sie schwanger sind und dann oft im letzten Moment. Sie mißtrauen westlichen Ärzten, die ihre Sprache nicht sprechen und haben ohnehin größte Scheu, ihre Geschlechtsteile vor einem Mann zu entblößen. "Im schlimmsten Fall", sagt Harry Gordon, "kommen die Frauen erst, wenn die Wehen schon eingesetzt haben und der Kopf des Kindes nicht durch die Öffnung paßt, weil sie zu sehr vernarbt ist." Zur Geburt aufschneiden, gebären, wieder zugenäht werden, Schwangerschaft, aufschneiden, gebären, wieder zunähen - das ist der Kreislauf, den die Frauen in der Regel zu Hause durchleiden, bis zu zehn-, zwölfmal. Das Risiko einer Totgeburt oder des eigenen Todes ist bei beschnittenen Wöchnerinnen um ein Vielfaches höher. In England ist es bei Strafe verboten, die Scham nach der Geburt wieder zuzunähen, und Harry Gordon erzählt von unerfreulichen Diskussionen mit Männern, die verlangen, daß er ihre Frauen unmittelbar nach der Geburt - sei sie noch so qualvoll gewesen - wieder zunäht. Je enger, desto besser.

"Eigentlich", sagt die Sozialarbeiterin Jane Inebe, "müßten wir mit den Männern arbeiten, nicht mit den Frauen. Es sind die Männer, für die die Frauen das tun." Doch sie muß froh sein, wenn sich die afrikanischen Männer überhaupt mit ihr an einen Tisch setzen. "Soweit ist es gekommen", hat ein somalischer Mann einmal zu ihr gesagt, "daß wir jetzt schon ernsthaft mit Weibern reden." Sie haben doch mit ihr geredet, und Jane Inebe sagt, sie habe selten solche Schwierigkeiten gehabt, ruhig und gelassen zu bleiben. Unbeschnittene Frauen, hätten ihr die Männer erzählt, seien nur zum Ausprobieren da, zum Heiraten bräuchte man eine beschnittene Frau. Nur so sei sicher, daß sie treu bleibe. Sex mache auch mehr Spaß, wenn die Frau sehr eng zugenäht sei. "Aber die Frauen", sagt Jane Inebe, "die schreien beim Sex nicht aus Spaß, sondern aus blankem Schmerz. Alles, was mit Sex zu tun hat, ist für sie schrecklich schmerzhaft."

Doch wer nicht beschnitten ist, findet keinen Mann. Gerade wurde eine junge Somalierin, die in Schweden aufgewachsen und unbeschnitten war, noch in der Hochzeitsnacht zurückgeschickt, mit Schimpf und Schande. Der Mann habe Allah angerufen und sei weggerannt, als er entdeckte, daß seine Braut unrein sei, erzählen die Frauen. Das Mädchen suche nun einem Arzt, der sie beschneiden könnte. "Was sollen wir mit unseren Töchtern tun?" fragt eine. "Wir müssen sie doch verheiraten." Manche Männer glauben, eine unbeschnittene Kli.tor.is könne sie vergiften, sie sogar töten, wenn sie sie berührten. Oder die Kli.to.ris würde zu einem Pe.nis auswachsen, wenn sie nicht vor der Geschlechtsreife entfernt wird. "Man braucht nicht Freud zu kennen", sagt Jane Inebe, "um zu sehen, daß sich dahinter die Angst des Mannes vor der intakten Sexualität der Frau verbirgt. "Dieser Aberglaube ist so tief verwurzelt, sagt Jane Inebe, daß es keinen Sinn habe, mit Paragraphen zu drohen, "Die Familien brauchen Hilfe, nicht Strafe und Ächtung."

Es sind die afrikanischen Frauen, die gutausgebildeten, intelligenten unter ihnen, die diese Überzeugungsarbeit leisten. "Es hätte keinen Sinn", sagt Inebe, "wenn eine weiße Frau mit erhobenem Zeigefinger kommen und sagen würde: ,Ihr dürft das nicht tun.' Ich aber bin eine von ihnen. " Für ihre somalische Kollegin Saada Mann ist es schon ein Erfolg, wenn sie eine Mutter dazu bringt, statt der "pharaonischen" eine weniger totale Beschneidung vorzunehmen, die "Sunna", bei der die Spitze der Klitoris gekappt wird, Auch das ist ein schmerzhafter Eingriff mit einer bleibenden körperlichen und seelischen Narbe,

medizinisch vergleichbar, als würde einem Mann die Spitze des P..e .nis amputiert.

Jane Inebe hat die Frauen ihres Stadtviertels mit einer ganz bestimmten Absicht in der giftgrünen Turnhalle versammelt. Sie will herausfinden, welche Frauen für die Beschneidung sind und welche Kinder damit in Gefahr sind. Was wird sie tun mit jenen, die so vehement für die Genitalverstümmelung eintreten und deren Töchter jetzt sechs, sieben Jahre alt sind? Jane Inebe verdreht die Augen zum Himmel, als sende sie ein Stoßgebet nach oben: "Reden, reden, reden. Was sonst?"
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