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| Vieles wird von Menschen vereinfacht dargestellt, so nach ihrem eigenen Gustos. Aber daß alles viel vielschichtiger ist - begreifen sie erst, wenn sie sich ein paar Gedanken mehr machen und wenn sie auch die Dinge annehmen, denen sie ablehnend gegenüberstehen. |
Das stimmt. Als ich noch gläubig war, habe ich den Atheismus total abgeleht, er war für mich völlig unvernünftig. Als ich dann nächtelang mit einem Freund darüber diskutiert habe, einem Atheisten von Geburt an, da habe ich bemerkt, dass ich es mir zu einfach gemacht habe: Ich habe geglaubt, im Recht zu sein, nur hatte ich keine guten Argumente dafür.
Da habe ich dann angefangen zu lesen und zu diskutieren und mich zu bilden. Und die Dinge wurden immer komplizierter und die Argumente vielschichtiger - und die verschiedenen Glaubensrichtungen, denene ich begegnet bin (auch unter Christen) wurden facettenreicher.
Und schließlich - man muss die Argumente beider Seiten kennen, ich kannte nur die der Gläubigen - habe ich angefangen, auch der Gegenseite zuzuhören, um es neu abzuwägen.
Und siehe da - ich kannte nur die Argumente, die für Gott sprachen, aber keine, die sich gegen Gott richteten. Die für Gott waren schlicht, die gegen Gott schon etwas komplizierter, sie zu verstehen erfordert mehr als "einfaches Denken" (das ist der Grund dafür, dass Atheisten meist - im Durchschnitt - über eine höhere Bildung verfügen als Gläubige, siehe das Buch von Shermer "How we believe").
Wenn man bei Amazon nach Büchern sucht, die für Gott und das Christentum, für den Glauben sprechen, so findet man ca. 8.000 Bücher, sucht man nach Werken über den Atheismus, so findet man ganze 70 - davon die Hälfte von Christen, die den Atheismus kritisieren und schlecht reden.
Heute, da ich Atheist bin, lese ich etwa zur Hälfte Bücher über den Atheismus und zur anderen Hälfte Schriften, die für Gott argumentieren. Das einfache Denken habe ich längst aufgegeben. Und deswegen wurde ich Atheist.
Die meisten Christen wissen wenig über ihren Glauben - eine meiner Lieblingsfragen, wie das zehnte Gebot lautet, das auf den Steintafeln stand, die Mose beim dritten und letzten Besuch vom Berg Sinai mitbrachte, konnte noch kein Christ richtig beantworten, auch dann nicht, wenn man ihm zehn Versuche gibt und auch sehr vage Antworten akzeptiert (um welchen Sachverhalt geht es in etwa, geht es um Menschen oder Tiere oder beides?).
Aber welcher Christ hat die Bibel schon komplett gelesen, von Anfang bis Ende? Ich habe es getan, aber ich bin ein Atheist, weil ich es mir nicht einfach gemacht habe.
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