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Lieber Dr. Gonzo,
Du schreibst:
| Zitat: |
| Ich habe mich -momentan- damit abgefunden, dass es einen Gott geben muss, denn: |
(Hervorhebung von mir).
Außerdem redest Du von einem "Gottesbeweis", was bedeutet, dass Deine Argumente zumindest logisch zwingend sein müssten (was alleine noch nicht bedeutet, dass sie auch wahr sind).
Leider sind Deine Argumente weder logisch zwingend noch konsistent, sondern basieren auf sog. Denkfallen. Diese entstehen immer dann, wenn man Logik falsch anwendet. Das ist keine Schande, das passiert uns (also auch mir) dauernd. Die falsche Anwendung der Logik wird häufig von Leuten verwendet, die sich mit Logik nicht auskennen, und dabei leiten sie entweder Emotionen oder eine sog. Kurzschluss-Logik, die in vielen, aber eben nicht allen Fällen funktioniert. Auch das passiert mir immer wieder, und ich bin professioneller Logiker (Systemanalytiker), d. h. ich arbeite jeden Werktag mit einer bestimmten (formalen) Logik.
Betrachten wir einmal Deine Argumente genauer. Du sagst:
| Zitat: |
a) Ist es keinem Wissenschaftler auch nur ansatzweise gelungen zu erklären, was vor dem Urknall (vor 10-43s -t) passierte ist:
Nichts entsteht aus Nichts. auch das "Nichts" müsste etwas sein.
Gott hat das Universum also in jener Zeit programmiert, als es noch gar nicht da war. Danach hat er seine Spuren geschickt kaschiert. |
Zu a.): Dass die Wissenschaftler nicht bislang erklären konnten, wie das Universum entstand, ist kein Argument dafür, dass es Gott erschaffen hat. Um zu behaupten: "Dass Universum kann nicht auf natürliche Weise entstanden sein" müsste man alle Möglichkeiten ausschließen, dass seine Entstehung auf natürlichem Wege erfolgt sein können". Das bedeutet, Du behauptest letztlich (in Konsequenz) dass die Wissenschaft nicht nur bisher keine natürliche Ursache für das Universum gefunden hat, sondern auch nie finden wird. Um das zu behaupten, müsstest Du allwissend sein - d. h., alle zukünftigen wissenschaftlichen Erkenntnisse kennen, nur dann folgt logisch, was Du sagst.
Auf den zweiten Fehler wurdest Du bereits hingewiesen: Die Zeit entstand mit dem Universum, soweit wir wissen, daher kann es unter Umständen kein "vorher" geben. Der Umstand, dass kein Wissenschaftler ein "vor dem Universum" erklären kann, kann also auch daran liegen, dass es kein vorher geben kann. In diesem Fall ist so eine Erklärung unmöglich und daher jede logische Erklärung obendrein auch noch falsch!
Tatsächlich gibt es eine ganze Menge Modelle, die erklären können, wie das Universum auf natürliche Weise entstanden ist. Wir wissen nicht, welches dieser Modelle eventuell den Tatsachen entspricht, aber um Deine Behauptung, dass Gott das Universum erschaffen hat, zu widerlegen, reicht es aus, mindestens eine Möglichkeit zu finden, die auf Gott verzichtet. Diese muss nicht einmal wahr sein, um Dein Argument auszuhebeln.
Warum?
Dein Argument ist von der Form: Wenn A, dann folgt B. Da B wahr ist, folgt daraus A. Also:
Wenn es Gott gibt, dann hat er das Universum geschaffen (zur Existenz verholfen).
Das Universum existiert (das ist wohl unbestreitbar wahr).
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Also muss Gott das Universum geschaffen haben.
Das Schöne an Argumenten ist, dass sie unabhängig von ihrem Inhalt sind, daher reicht oft ein Gegenbeispiel aus, um ein Argument zu widerlegen. Also:
Wenn jemand einen Stein durch das Fenster wirft, dann zerbricht es.
Das Fenster ist zerbrochen (nehmen wir an, das ist eine unstrittige Tatsache).
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Also muss jemand einen Stein durch das Fenster geworfen haben.
Nun ist das nicht die einzige Möglichkeit, warum ein Fenster zerbrechen kann. Hagel wäre eine weitere Möglichkeit, oder eine sehr starke Druckwelle etwa durch eine Explosion, oder ein Luftzug hat das Fenster zugeschlagen, und dadurch ist es zerbrochen etc. Keine dieser Möglichkeiten muss wahr sein, um das Argument ungültig zu machen, denn die Schlussfolgerung: "Es muss jemand ein Stein durch das Fenster geworfen haben" folgt nicht, solange man nicht alle anderen Möglichkeiten ausschließen kann.
Nun hast Du alle anderen Möglichkeiten ausgeschlossen, in dem Du behauptet hast, dass die Wissenschaft niemals herausfinden wird, wie das Universum entstanden, und das Argument ist ungültig. Das bedeutet, Du hast die Möglichkeit, dass das Universum natürlich entstanden ist, nicht ausgeschlossen, und damit "bricht Dein Argument zusammen" wie ein Kartenhaus, bei dem man die unteren Karten entfernt. Du hast zudem übersehen, dass wenn das Universum keine Ursache hat, man auch keine Erklärung für seine Existenz finden wird.
Man kann Eistenz ohne Ursache aber nicht ausschließen. Warum? Dafür gibt es mehrere Gründe, den komplizierten logischen Beweis, dass Existenz unverursacht sein muss, erspare ich Euch hier. Aber auch Du behauptest (indirekt), dass etwas ohne Ursache existiert, nämlich Gott. Wenn alles eine Ursache hat, und nichts ohne Ursache existieren kann, dann kann auch Gott nicht existieren. Es rettet Dein Argument keineswegs, wenn Du nun sagst, dass die Logik nicht für Gott gilt. Wenn keine Logik gilt (also keine Regeln - Logik ist nichts anderes als Regeln, die man auf das Deken anwendet), dann kann es auch keine Ursache geben. Ursachen setzen Logik voraus. Man kann also argumentieren:
Am Anfang existierten keine Regeln (Behauptung).
Dann kann es auch keine Regel geben, dass Nichts aus dem Nichts entstehen kann (denn dann gäbe es eine Regel).
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Also ist es möglich, dass etwas aus dem Nichts entstehen kann (ohne Ursache, denn dazu wäre Logik, also die Gültigkeit von Regeln, die Voraussetzung).
Solange Du die Behauptung nicht widerlegen kannst, besteht sie zumindest als eine Möglichkeit. Wiederum muss das nicht der Fall gewesen sein, aber zumindest kann man die alternative Erklärung nicht widerlegen.
Alles, was Dein Argument also besagt, ist: Entweder, Gott hat das Universum erschaffen, oder ex existiert ohne Ursache. Und damit folgt Dein Schluss nicht, dass es Gott geben muss.
Denn was meinen wir eigentlich damit, wenn wir sagen: "Etwas ist aus dem Nichts entstanden"? Wir meinen damit, dass dieses Etwas keinen Ursprung gehabt haben kann, keine Ursache. Das bedeutet, wenn Du sagst, dass Gott keine Ursache hat, keinen Ursprung, Du annimst, dass Gott aus dem Nichts stammt. Wenn etwas ewig existiert, kann es keinen Ursprung haben, es kommt buchstäblich "aus dem Nichts". Wenn das Universum, oder das, was es verursacht hat, ewig existierte, aber natürlich war, dann schließt dies sogar einen Schöpfergott explizit aus! Man müsste diese Möglichkeit explizit ausschließen können, und genau das kann man nicht, daher schlägt Dein Argument fehl - selbst wenn es nicht so gewesen ist! Das sind die Tücken der Logik.
Was Du also sagst ist, dass das Universum nicht aus dem Nichts entstanden sein kann (oder ewig existiert), also muss es Gott geben. Aber Du behauptest, dass Gott ewig existiert, und daher von nichts verursacht wurde, also schließt Du diese Möglichkeit nicht aus. Daher ist Dein Argument selbstwidersprüchlich, also falsch. Wenn Du sagst, dass Gott nicht der Logik unterliegt, dann behauptest Du, dass es einen Zustand gegeben haben muss, in dem keine Logik galt. Aber das bedeutet, dass es dann auch nichts geben kann, was einer Entstehung aus dem Nichts widerspricht.
Was bedeutet, Du sprichst dem Universum bestimmte Eigenschaften ab, weil es diese nicht haben kann, sagst dann aber, dass Gott diese Eigenschaften haben muss. Damit widersprichst Du Dir selbst, wenn Du sagst, dass es diese Eigenschaften nicht geben kann: Du "nimmst" diese Eigenschaften und gibst sie Gott. Und es ist eine alte Regel, dass aus widersprüchlichen Argumenten Beliebiges folgt, etwa auch die Existenz von Gott. Man kann dasselbe Argument aber dann auch dazu benutzen, um zu "beweisen", dass es keinen Gott geben kann (etwa in dem man behauptet, dass das Universum - oder das, woraus es per Urknall entstanden ist - ewig existiert hat, und dann kann es keinen Schöpfergott gegeben haben).
Da der Beitrag schon zu lang ist, verzichte ich jetzt darauf, auch Deine restlichen Argumente zu widerlegen, dies funktioniert nach demselben logischen Schema.
Alle Deine Argumente beruhen auf demselben fehler, letztlich:
Dass Universum kann Eigenschaft "X" nicht haben (etwa wig existieren, aus dem Nichts entstanden sein, keine Ursache haben, Ordnung ohne Grund aufzuweisen etc.).
Dann behauptest Du, dass Gott genau diese Eigenschaften hat (indirekt). Aber jedes Argument, warum etwas diese Eigenschaften haben kann, ist auch ein Argument gegen einen Gott mit diesen Eigenschaften!
Wenn Du nun sagst, dass für Gott die Logik nicht gilt, dann behauptest Du gleichzeitig: Ich habe einen logischen Beweis für Gott gefunden, aber die Logik ist auf Gott nicht anzuwenden - und das geht nicht. Man kann mit der Logik nur beweisen, was auch den Regeln der Logik unterliegt. Unterliegt Gott nicht der Logik, kann es auch keinen logischen Beweis für ihn geben.
Das ist die Schwäche aller sog. "kosmologischen Gottesbeweise". Alles, was Du damit maximal erzielen kannst, ist ein Patt mit den Atheisten zu erzielen. Mehr leistet es nicht. Allerdings haben die Atheisten darüber hinaus noch Argumente gegen Gott, die diese Schwäche nicht aufweisen. Nur kennen die meisten Menscen diese Argumente nicht (mit einer Ausnahme) und glauben daher, es sei vernünftiger an Gott zu glauben als anzunehmen, es gäbe keinen. Aber das basiert auf einer Unkenntnis von Argumenten und Logik.
Dein Irrtum ist nicht tragisch, so lange Du bereit bist, daraus zu lernen. Wir alle machen Fehler, gefährlich kann es nur werden, wenn wir nicht bereit sind, daraus zu lernen. "Es irrt der Mensch, solang er strebt" (Goethe).
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