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(Anm. Thread geteilt aus http://www.geistigenahrung.org/ftopic2041.html )
Hi Deas,
erstmal vielen Dank für die ausführliche Antwort.
Daß Übersetzungen ( besonders aus dem Persischen und Arabischen ) sehr problematisch und zeitaufwendig sind, leuchtet mir ein; ein so extrem langer Zeitraum ist mir dennoch nicht nachvollziehbar.
Vielleicht verbringe ich meinen nächsten Urlaub in Haifa und mach den Jungs vom Übersetzungskomitee etwas Dampf
Hier noch zwei Fragen, die vielleicht nicht besonders bedeutend sind, mich aber dennoch interessieren:
1. Was bedeutet es, daß Bahaullah die Arbeit in den Rang des Gottesdienstes erhoben hat? Daß heutzutage jeder froh ist, Arbeit zu haben, ist klar, und daß die meisten Arbeiten in irgendeiner Weise nützlich sind, auch, aber wenn er nur das gemeint hätte, hätte er doch sicher nicht ein so großes Wort wie Gottesdienst gebraucht?
2. Was bedeutet das Verbot, die Finger ins Essen zu tauchen? Darf ein Bahai keine Pommes mit den Fingern essen und muß auch bei Hähnchen zu Besteck greifen?
Tschau,
dein Freund Tinto
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Mein lieber Tinto!
Verzeih wenn ich immer so viel schreibe, ich tu mir schwer mich kurz zu fassen
| Tinto hat folgendes geschrieben: |
| ein so extrem langer Zeitraum ist mir dennoch nicht nachvollziehbar. |
Ich glaube die Gründe dafür sind:
1) Mangel an Human-Ressourcen. Die Leute, die das alles übersetzen, müssen die absoluten Checker sein, die müssen arabisch, persisch und englisch so perfekt es geht beherrschen können. Sie müssen die ganze Baha'i Geschichte kennen, die Baha'i Literatur, den ganzen islamischen Hintergund und und und. Von solchen Leuten - die das Ganze dann auch noch ehrenamtlich machen - gibt es leider nicht viele.
2) Das Zentrum für das Studium der Heiligen Texte macht ja nicht nur das Übersetzen, sie haben eine Unzahl an anderen zeitraubenden Aufgaben. Beispielsweise das Ausforschen und Sammeln von Original-Briefen, die von Baha'u'llah, Abdu'l Baha, Shoghi Effendi in alle Welt verschickt wurden, oder die Erhaltung dieser Originale ist eine wahre Mammut-Arbeit. Das Gebäude, das von außen so zierlich aussieht, geht fünf Stockwerke in die Tiefe und wer weiß was da unten alles gemacht werden muß
3) Meiner Meinung nach geht die Übersetzung dennoch rasch voran, wenn man Obiges bedenkt. Das Universale Haus der Gerechtigkeit hat in letzter Zeit ja wieder Schriften veröffentlicht.
| Tinto hat folgendes geschrieben: |
| Vielleicht verbringe ich meinen nächsten Urlaub in Haifa und mach den Jungs vom Übersetzungskomitee etwas Dampf |
Hehe
Hast Du nicht mal gesagt, Du hättest die Offenbarung Baha'u'llahs von Taherzadeh gelesen? Er beschreibt ja dort so viele Schriften, ihren Hintergrund und so....
| Tinto hat folgendes geschrieben: |
| 1. Was bedeutet es, daß Bahaullah die Arbeit in den Rang des Gottesdienstes erhoben hat? |
Ich glaube, daß diese Frage sehr bedeutend ist, ich kann nur meine persönliche Ansicht dazu geben und wie ich das sehe. Baha'u'llah schreibt:
| Zitat: |
| O Volk Bahas! Es ist jedermanns Pflicht, einer Arbeit nachzugehen - einem Handwerk, dem Handel oder dergleichen. Wir haben solche Arbeit in den Rang der Anbetung des einen wahren Gottes erhoben. Denket nach über die Gnade und die Segensgaben eures Herrn, o Volk, und bringet Ihm Dank dar am Abend und am Morgen! Vergeudet eure Stunden nicht in Faulheit und Müßiggang, sondern tut, was euch und anderen nützt. |
Abdu'l Baha schreibt:
| Zitat: |
| Im Bahá'í-Glauben werden Künste, Wissenschaften und alle Arbeit als Gottesdienst erachtet. Ein Mensch, der etwas, sei es auch nur ein Stück Notizpapier, nach seinem besten Können herstellt und dabei bewußt alle seine Kräfte darauf richtet, es zu vervollkommnen, preist damit Gott. Kurz, alle Bemühungen und Anstrengungen, die ein Mensch macht, sofern sie von ganzem Herzen kommen und er von den höchsten Beweggründen und dem Willen dazu getrieben wird, der Menschheit zu dienen, sind Gottesdienst. Gott dienen heißt der Menschheit dienen und den Nöten der Menschen abhelfen. Dienst ist Gebet. Ein Arzt, der dem Kranken frei von Vorurteilen, freundlich und sorgsam hilft und an die Zusammengehörigkeit der menschlichen Rasse glaubt, preist damit Gott. |
Die Mission Baha'u'llahs besteht nicht nur darin, das geistige Leben der Menschheit zu erneuern, sondern auch materiellen Fortschritt und Wohlstand für alle Völker der Welt zu schaffen. Jedes geistige Prinzip in der Baha'i Religion hat auch einen materiellen und sichtbaren Effekt auf die Gesellschaft. Baha'u'llah schreibt über die Gleichwertigkeit von Mann und Frau, die Konsequenz daraus ist ist die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Es gibt viele solcher Beispiele... für Wirtschaft, Kultur etc.
Genauso ist es meiner Meinung nach mit dem Gottesdienst. Heute wird üblicherweise unter Gottesdienst verstanden, eine religiöse Feier abzuhalten und darin Gott zu preisen. Das hat sicher einen positiven Effekt auf meine Seele, auf das Individuum, aber nicht auf die Gesellschaft. Baha'u'llah will nicht nur den Einzelnen erlösen, sondern die Menschheit und die Gesellschaft als Ganzes und dazu hat er auch Prinzipien gebracht.
Daß Abdu'l Baha Dienst mit Gebet gleichsetzt ist für mich fantastisch.
Das bedeutet wenn ich jemandem diene, dann habe ich gebetet, ich habe nicht nur für mich etwas getan, sondern auch für die Gesellschaft. Ich finde diese Denkweise ist enorm fortschrittlich.
| Zitat: |
| Was bedeutet das Verbot, die Finger ins Essen zu tauchen? Darf ein Bahai keine Pommes mit den Fingern essen und muß auch bei Hähnchen zu Besteck greifen? |
Ich zitiere mal dazu den Vers aus dem Heiligsten Buch, weil ich glaube, dass der Rest von diesem Verbot dazu gehört:
| Zitat: |
| Taucht beim Essen eure Finger nicht in Schalen und Schüsseln. Nehmt solche Sitten an, die im höchsten Maße der Feinheit entsprechen. Wahrlich, Er wünscht bei euch die Sitten der Paradiesbewohner in Seinem mächtigen, höchst erhabenen Reich zu sehen. Haltet euch in jeder Lage an die feinen Sitten, so daß eure Augen davor bewahrt bleiben, Dinge zu schauen, die euch selbst und den Bewohnern des Paradieses zuwider sind. |
Im Kommentar zum Heiligsten Buch steht:
| Zitat: |
73.
"Taucht beim Essen eure Finger nicht in Schalen und Schüsseln."
Dieses Verbot erläuterte Shoghi Effendi als "die Hand ins Essen einzutauchen". In vielen Teilen der Welt ist es üblich, mit den Fingern aus einer gemeinsamen Schüssel zu essen.
74.
"Nehmt solche Sitten an, die im höchsten Maße der Feinheit entsprechen."
Hier handelt es sich um die erste von mehreren Textstellen zur Bedeutung von Kultiviertheit, Feinheit und Reinlichkeit. Das arabische "latáfah", das hier mit "Feinheit" wiedergegeben wird, hat ein breites Spektrum von geistigen und materiellen Bedeutungen, zum Beispiel Eleganz, Anmut, Sauberkeit, Artigkeit, Höflichkeit, Freundlichkeit, Zartgefühl, Liebreiz, oder auch feinsinnig, kultiviert, geheiligt und rein. |
Und ich glaube darum geht es bei disem Verbot: Es ist ein Sinnbild dafür, rein, elegant, sauber und kultiviert zu sein. Ich kenne auch keinen Baha'i-Fanatiker, der die McDonalds-Pommes mit Besteck isst
Herzliche Grüße, Deas
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Hi Deas,
mein Dank für die ausführliche Antwort war durchaus ernst gemeint; gerade bei einem so wichtigen Thema wie das Bahaitum scheint es mir sehr angebracht, außerdem zeigt es mir, daß du dich ernsthaft mit meinen Fragen befasst und nicht nur vorgefertigte 08/15-Antworten gibst. Also nochmal danke, auch für die zweite Antwort.
Mir werden sich bei längeren Befassen mit den Schriften sicher auch in Zukunft Fragen auftun, dann werde ich mich vertrauensvoll an dich wenden ( schleim)
Liebe Grüße,
Tinto
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Hallo Tinto!
Sehr gerne. Ich kann natürlich immer nur meine persönliche Meinung zu den Fragen sagen und wie ich das als Baha'i sehe, sicher werden andere Baha'i andere Interpretationen dazu haben.
Bis demnächst, Deas
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