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Liebe Inanna,
dieser Film ist sicher sehr interessant, und wenn er hier im Dorf liefe, würde ich gewiss auch hineingehen. Aber meine Skepsis bleibt natürlich, dass Quantenphysik irgendwas Mystisches "beweist", wo doch die Quantenphysik von kaum einem Menschen verstanden wird, selbst von Physikern nicht Ohne Frage ist die Quantenphysik eine anerkannte Wissenschaft, aber ihre Inhalte, wie sie "funktioniert", was für physikalische oder gar ausserphysikalische (!) Schlussfolgen und Beweise (!) möglich sind, das alles ist noch in den Kinderschuhen, es wird ständig Neues entdeckt. Und das Wage soll also "beweisen", was Mystiker erfahren?
Weisst Du, um im wissenschaftlichen Bereich ein "Beweisens" zu sein, dürfen nicht nur "Offensichtlichkeiten" verglichen werden, denn die können sehr irren. Die Menschen des Mittelalters hätten Stein und Bein geschworen, dass die Sonne sich um die Erde dreht, weil das "offensichtlich" ist.
Vor allem: Wenn das alles "bewiesen" werden kann, warum lese ich weder in "Spektrum der Wissenschaft" noch in "Bild der Wissenschaft" (zwei seriöse Wissenschaftszeitschriften) davon etwas? Ich bin SICHER, jeder seriöse Wissenschaftler, der einen BEWEIS für (sagen wir mal vorsichtig) Transzendentelles hätte, würde ihn sofort publizieren. Das wäre doch DIE Sensation! Stattdessen wird das inform eines ohrenbetäubenden Filmes gezeigt und in Medien publiziert, die man zumindest zweifelhaft nennen könnte (wie die Zeitschrift "esotera"). Und wer will die "Fakten", die dieser Film angeblich bietet, überprüfen? Physiker verstehen die Quantenphysik nicht, aber der Kinobesucher glaubt, über die "Wahrheit" dieser "Fakten" urteilen zu können?
Vermutlich wirst Du sagen, ich sei einfach nicht "offen" für solche Erfahrungen. Das ist z.Tl. richtig, weil ich Dinge vorab prüfe, bevor ich mich intensiv mit ihnen auseinandersetze. Sowohl in der Wissenschaft als auch in der Pseudowissenschaft gibt es vieles, das durchdenkenswert ist, aber so unendlich MEHR Unsinn, dass ich mich nicht mit allem beschäftigen KANN. Aber ich bin da nicht "ganz zu", würde der Film hier laufen, würde ich mir Oropax kaufen und ihn besuchen...
Ich bin übrigens gar nicht so wissenschaftlich geprägt, wie das aussieht oder wirkt. Bis zu meinem 19ten Lebensjahr habe ich darauf hingearbeitet, katholischer Priester zu werden; später habe ich dann immerhin noch als Katholik engagiert gearbeitet, bis ca. 25. DANN erst bin ich skeptisch geworden, immer skeptischer, trennte mich von der Kirche, und später auch von meinen letzten Resten christlichen Glaubens. Ich bin kein Atheist geworden, aber Agnostiker. Und für mich gehört zum Agnostiker ZWINGEND dazu, dass er vorsichtig und skeptisch ist gegenüber "Erklärungen", die keine wirkliche sinnvolle Basis haben, sondern ALLEINE auf dem Fürwahrhalten (=Glauben) einzelner Menschen basiert. Ich habe während meines ersten Herzinfarktes vier Stunden regungslos in einem Zimmer gelegen und konnte nicht um Hilfe rufen, weil der Elefant auf meiner Brust das einfach nicht zuliess. Ich wusste GENAU, was sich in meinem Brustkorb abspielte, ich habe den Atem des Todes gerochen, um es mal pathetisch auszudrücken. Und während dieser vier Stunden habe ich plötzlich nach ca. 3,5 Stunden extremster und akutester Todesangst eine unendliche Geborgenheit gespürt und mit einem Schlag war die Angst weg. Er ist einem Gefühl aus Geborgenheit UND Resignation, aus Annahme und Trauer gewichen. Aus all dem KÖNNTE man etwas "Transzendentales" herausinterpretieren, oder gar "Gott", der mich "hielt". Ich neige eher dazu, dass der Adrenalinspiegel in mir die Todesangst überwunden hat und dass die Selbstregulierungskräfte meiner Psyche funktioniert haben. Ich neige NICHT dazu, auszuschliessen, dass da ein gütiger Gott mich "hielt". Aber die Erklärung "Psyche und hormonelle Regulation" ist mir einfach näher und einleuchtender und für mich auch wahrscheinlicher.
>Übrigens sagen die Rosenkreuzer, dass man nichts
>glauben darf, was man nicht selbst erfahren hat.
Ich finde das durchaus richtig! Und wenn dann noch hinzu kommt, dass man das dann Glaubende trotz aller Offensichtlichkeit weiterhin skeptisch betrachten sollte, wird ein Schuh draus. Meine Erfahrung, die ich oben schilderte, war geradezu prädestiniert, aus ihnen den Schluss "Gott ist" zu ziehen. Das wäre offensichtlich durchaus in Ordnung gewesen. Aber es gibt eben auch ANDERE Erklärungen, und genau die lassen mich skeptisch werden. Weisst Du, wenn es NUR die Erklärung "Gott hält mich" gegeben hätte, wäre ich heute ein glaubender Mensch. Aber es gab eben auch andere, ganz "sachliche", wissenschaflicher Erklärungen...
Ich glaube, das ist es, was es mir so schwer mit Gläubigen macht: Warum schliessen sie andere Erklärungen so prinzipiell aus? Beispiel: Ein gläubiger Mensch hat eine "mystische Erfahrung". Warum schliesst er prinzipiell aus, dass da CHEMIE in seinem Körper eine Rolle spielt? Warum wird bei sogenannten Nahtoderfahrungen vom Glaubenden gar nicht in erwägung gezogen, dass es PHYSISCHE (!) oder CHEMISCHE (!) Fakten gibt, die man noch gar nicht allgemein kennt, aber die nichts mit "Gott" oder "Jenseits" zu tun hat?
Weisst Du, warum? Weil der Glaubende glauben WILL. Und daher alles unter diesem Blickwinkel sieht. OK, der Nichtglaubende tut das auch. Aber er ist sich dessen bewusst. Zumindest ICH bin mir dessen bewusst.
Sei lieb gegrüsst und hab ein schönes Wochenende
Sucher
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