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Lieber Sucher,
es ist schön, mit Dir zu diskutieren, und ich glaube, wir sind gar nicht so weit voneinander entfernt, wir benutzen nur andere Worthülsen für Einsichten, die sehr schwer zu benennen sind.
Zuerst einmal freue ich mich, dass auch Dir das Zitat von Rosa Luxemburg: ich kämpfe für die Freiheit des Gegners (oder so ähnlich) wichtig ist. Und wenn wir uns genauer mit der Psychoanalyse (ich hab auch einmal eine gemacht!) beschäftigen würden, dann hätten wir wahrscheinlich auch gemeinsam die Ablehnung der Analytiker, die aus der Psychoanalyse so etwas wie eine Religion gemacht haben.
Auch ich habe etwas gegen "allgemein anerkannte Realitäten" weil sie es überflüssig zu machen scheinen, selbst nachzudenken und selbst Erfahrungen zu machen.
Ich weiß also ziemlich gut, was Du meinst, und auch ich trenne die beiden Ebenen gut. Als Mensch des 21. Jahrhunderts, wissenschaftlich (auch ich, auch ich!) geprägt, weiß ich, dass ich nichts weiß. Weiß ich, dass der Tod das Ende des Lebens ist, das ich kenne. Und habe ich Angst vor dem Tod, hatte ich vor allem damals, als ich meine Krebs-Diagnose bekam.
Aber da ist dann halt auch noch die andere Inanna, die, die sich - sehr skeptisch! - mit den Lehren der Rosenkreuzer auseinander gesetzt hat, die Übungen gemacht hat und die Ergebnisse nicht mit dem Verstand erklären konnte.
Übrigens sagen die Rosenkreuzer, dass man nichts glauben darf, was man nicht selbst erfahren hat. Nicht unbedingt naturwissenschaftlich (Du hast ja benannt, welche Voraussetzungen naturwissenschaftliche "Wirklichkeiten" haben), aber für mich selbst muß ich entsprechende Erfahrungen haben. Als ich einmal gefragt habe, weshalb ich eine Übung machen sollte, die mir einfach nicht gelang, sagte mir vor Jahrzehnten der Großmeister der Rosenkreuzer: "Wenn Sie Ihren Körper nicht verlassen können, dann wissen Sie nichts über die Unsterblichkeit der Seele."
Ich werde jetzt nicht mit Dir darüber diskutieren, ob man den Körper verlassen kann oder nicht, denn das ist wissenschaftlich nicht verifizierbar. Und meine Aussage steht gegen Deinen Zweifel. Sowas trennt, deshalb beschäftigen wir uns nicht damit.
Aber dann gibt es die Meditation. Dann gibt es Bewußtseinszustände von absoluter Einheit, von der Auflösung meiner Persönlichkeit in Gott.
Wir können jetzt darüber reden, ob das nicht hormonelle Zustände sind, die durch bestimmte Endorphine ausgelöst werden ....
Ich erlebs halt recht oft. Und ich sehe mich, wie ich im Beruf durchaus meine Frau stehe. Keine Anzeichen von Geisteskrankheit. Ich bin schon recht gesund.
Ja, und an dem Punkt höre ich dann auf zu diskutieren. Denn ich weiß. Zwar nur für mich ganz allein, aber ich! weiß. Jetzt. Ich habe auch erlebt, dass mir dieses Wissen wieder verloren geht in einer Krise. Das ist dann fast unerträglich.
Gestern war ich in dem Film "What the Bleep do we (k)now?" (Ich stelle nachher einen Beitrag in die Rubrik Film), und ich habe an Dich und an mpoetschik gedacht. Ich kauf mir jetzt auch das Buch zum Film. Es ist nämlich toll, wenn die Quantenphysik meine Ansichten, die ich schon seit Jahrzehnten lebe bestätigt. Stell Dir vor: Die Quantenphysik erklärt, wie es zur Erleuchtung kommt. Wirklich wahr! Die Quantenphysik bestätigt die Seinszustände der Mystiker. Noch sind wir nicht so weit, dass die Quantenphysik Gott beweist und ein Leben nach dem Tod. Aber ich suche seit Jahrzehnten nach wissenschaftlichen Beweisen für das, was ich erlebe, und ich finde sie immer häufiger. Ich habe fast den Eindruck, da geschieht ein Quantensprung ....
Sucher, wir sind gar nicht weit auseinander, wenn wir ehrlich suchen, wenn wir uns konfrontieren mit uns selbst (Erkenne dich selbst!) und wenn wir die Einheit mit dem Lebendigen suchen. Dann sind wir sogar sehr nah beieinander. Egal wie der verbalisierbare Glaube heißt, den wir beide haben oder auch nicht haben.
Bitte, schau Dir den Film an, er ist sehr anstrengend (ein ständiges Bombardement von Neuronen und Diskolärm - halt für junge Menschen gemacht) aber die Aussagen sind phänomenal.
Inanna
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