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Zum Problem Nahtoderfahrung












Liebe Inanna,

>ich kann immer gar nicht so gut verstehen, weshalb es
>Menschen gibt, die sklavisch der Naturwissenschaft glauben.

Ich "glaube" nicht "sklavisch" an die Naturwissenschaften, sondern naturwissenschaftliche BEWEISE beeindrucken mich mehr als glaubende VERMUTUNGEN.

>Alle Wissenschaften, auch die Naturwissenschaft, sind je eine!
>Möglichkeit der Erkenntnis.

Immerhin POTENTIELL beweisbare...

> Haben wir nicht ununterbrochen Hinweise darauf, wie sehr sich
>auch die Naturwissenschaft täuschen kann?

Aber ja!!! Das ist ja das Fantastische der Naturwissenschaften: Sie WOLLEN falsifizieren! Karl Popper fordert als HAUPTKRITERIUM für Wissenschaftlichkeit, dass eine These grundsätzlich falsifizierbar sein muss. Ist sie in sich nicht falsifizierbar, ist sie nicht wissenschaftlich (z.B. die klassische Psychoanalyse, die jede Kritik an sich als "Widerstand" interpretiert und damit vom Tisch fegt, ist darum nicht falsifizierbar und somit KEINE Wissenschaft)

>Und so geht ja auch der Erkenntnisprozeß:
>Beobachten
>Theorien entwickeln
>diese dann an den Phänomenen überprüfen
>beobachten usw.

Das ist heute nicht mehr Stand der Wissenschaft. Vielmehr:

Beobachten.
Theorie entwickeln.
Mit ALLEN reproduzierbaren (!) Mitteln der Wissenschaft versuchen, diese Theorie zu widerlegen. Das ist Falsifizierbarkeit.
Wenn sich die Theorie nicht falsifizieren lässt, hat sie so lange zu gelten, bis sie falsifizierbar ist.

>Wir hatten schon bewiesen, dass sich die Sonne um
>die Erde dreht, welche abenteuerlichen Erklärungen hat
>die Physik hinter sich. Erinnert Euch an die Suche nach dem
>kleinsten Baustein.

Du sprichst mir aus der Seele! Jede Theorie hat nur so lange Gültigkeit, bis sie nachweisbar und mit wissenschaftlichen Mitteln widerlegt ist.

GLAUBE aber ist weder falsifizier- noch verifizierbar, er entzieht sich einer wissenschaftlichen Aussage.

>Leute! Wollt Ihr wirklich ein so zentrales Thema wie mein Leben,
>der Sinn in meinem Leben, Gott und Tod der Naturwissenschaft
>anvertrauen?

Keineswegs. Ich möchte nur nicht, dass Gott etc. zu einer "allgemein gefälligt zu glaubenden Fakt-Aussage" wird, bei der so getan wird, als sei das alles die allgemeine Wahrheit. Wenn das DEINE Wahrheit ist, so ist das klasse. Aber es ist nicht "die" Wahrheit (jaja, auch meine Aussagen sind nicht "die Wahrheit", mit dem Unterschied, dass ich ständig darauf hinweise, dass meine "Wahrheiten" falsifizierbar sein müssen, während "Ihr " die Euch als sacrosanct hinstellt).

>Also, ich habe den Mut nicht. Ich will mir sicher sein
>und Sicherheit ist in meinem Inneren und nicht in den
>Wechselfällen des äußeren Lebens, z.B. in den Naturwissenschaften.

Siehst Du, und mir geht es umgekehrt. Die psychologische Kenntnis (ich bin ja von Hause keine Natur-, sondern Sozial- und Humanwissenschaftler!) des Menschen, seiner Ängste und seiner Verdrängungsmethoden erlauben es mir nicht, DARAUF zu bauen. Mir ist "knallharte" Realität lieber als mir selbst aus Angst oder Panik oder Unsicherheit eine "Sicherheit" und "Tiefe" vorzugaukeln, die ich so nicht annehmen kann.

>Vielleicht müssen wir alle wirklich akzeptieren, dass wir nichts
>wissen - und für mich bedeutet das, dass ich mich nur auf mein
>Innerstes Selbst verlassen kann.

Das akzeptiere ich voll und ganz! Solange dieses Vertrauen auf das eigene Selbst nicht zur Allgemeinverbindlichkeit erklärt wird, wie es fast alle grossen Religionen tun.

Zum Problem Nahtoderfahrung kann ich nichts weiteres sagen. Ich habe meinen Einwurf nur gemacht, weil man all das auch GANZ anders sehen kann. Mehr will ich doch gar nicht sagen ...

>Ihr, die Ihr die Naturwissenschaften zu Eurem Glauben erhoben habt,

NEIN, dagegen wehre ich mich! Ich glaube an die Lieber meiner Frau zu mir, an die Liebe meine Freunde, an meine Liebe, ich glaube daran, dass der Mensch durchaus zur Verantwortung fähig ist und ich glaube daran, dass diese Welt in ihrer Grossartigkeit unbegreiflich ist. Aber ich "glaube" nicht an die Naturwissenschaft, weil sie kein GLAUBE ist, sondern ein "aktuelles" Wissen, das sich immer wieder ändert und das geändert werden WILL und MUSS. Das ist ein HIMMEL(!)grosser Unterschied.

>Ihr könnt doch nicht hergehen und die Erfahrungen von Millionen
>Menschen seit Anbeginn aller Zeiten einfach vom Tisch wischen!

Ich kann nicht für "uns" sprechen, ich spreche nur für mich: Ich wische das keineswegs vom Tisch, sonst wäre ich nicht in diesem Forum, denn einfach nur Stimmung gegen etwas machen, das liegt mir nicht, das ist nicht mein Stil. Aber ich wehre mich mit Händen und Füssen, dass a) diese Erfahrungen als "wissenschaftlich" hingestellt werden, und b) anderen (wie mir) einfach über den Kopf gestülpt werden sollen.

>Und wenn Ihr mal mit Sterbebegleitern sprecht: auch sie
>machen immer wieder dieselben Erfahrungen in ihrer Arbeit:
>dass sich das Bewußtsein weitet, je näher man dem Tod kommt.
>Das bedeutet doch was, das kann ich doch nicht einfach den
> Naturwissenschaften opfern.

Jetzt machst Du genau das, was ich oben bemängelte. EINZELerfahrungen werden zur allgemeinen Aussage. Es mag solche Sterbebegleiter geben, aber wie ich an anderer Stelle schon schrieb: Mein bester Freund arbeitete lange Jahre im Hospizbereich. Er hat dort viel berührendes gesehen, erlebt, viel Grossartiges und viel Schlimmer, aber er hat nicht EINEN Fall erlebt, bei der er religiös ins Zweifeln gekommen wäre. Deine Aussage beweist genau das, was ich sagen will: Wer glauben WILL, wird überall "Beweise" für seinen Glauben finden, weil er selektiv wahrnimmt. Das tut übrigens auch der naturwissenschaftliche Experimentator. Aber er ist sich seiner Fehlbarkeit bewusst

Liebe Grüsse

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