Massenpsychologie


Lieber Martin,

>Konvertiert, reine Formalitaet um hier heiraten zu duerfen.
>Anderenfalls haette meine frau konvertieren muessen,
>waere auch gegangen, aber haett mehr Aufwand erfordert.

Atheisten dürfen dort nicht heiraten? Boah....

>aber genau das muss sein. Den Boden wegziehen.
>Aber(!) man muss ihnen vollwertigen Ersatz anbieten.

Das Problem scheint mir zu sein, dass jahre- oder jahrzehntlanges religiöses Fühlen und Denken anscheinend auch im Hirn gewisse Strukturen schafft, die man ohne weiteres nicht mehr mit Alternativen füllen kann. Ich meine das gar nicht ironisch oder zynisch. Auch an mir erkenne ich BIS HEUTE "katholisches Denken". Ich war ja das erste Vierteljahrhundert meines Lebens katholisch, wollte sogar mal Priester werden * rotwerd * und das ist einfach "drin".

>Das aber zu koennen, ist schon alleine eine Herausforderung
>aber vieleicht nicht unmoeglich.

Für beide Seiten. Wobei es natürlich eine Frage ist, ob das (aus der Sicht der Massenpsychologie) "erwünscht" ist, ich glaube es nämlich nicht.

>>Ich kenne die Schriften von Bahi'u'Allah nicht, aber
>>spontan muss ich sagen: KEIN Glaube hält der wissenschaftlichen
>>Überprüfung stand, sonst wäre es ja sofort kein Glaube mehr,
>>sondern Wissen...

>Nun, unter Standhalten verstehe ich auch die Nichtueberpruefbarkeit.

Sicher, Falsifizierbarkeit ist sogar laut Popper das einzige Kriterium wirklicher Wissenschaftlichkeit. Aber Religion ist in sich nicht falsifizierbar, weil sie für alle Kritik ihre Erklärungen parat hat (und somit immun ist), notfalls eben die "Gnade", die ein Nichtgläubiger halt nicht bekommen hat.

>Nur bei negativer Falzifikation wurde der Glaube als Aberglaube entlarvt.

Hat Bahi'u-Allah das so gemeint? Ich weiss es wirklich nicht, darum frage ich. Dies ist aber eher eine Frage an die Bahai hier unter den Lesern, Du hast ja schon geschrieben, dass Du es auch nicht so recht weisst.

>1. religiös-fanatischen Menschenmassen, zu denen oft auch
>europaeische konvertierte zaehlen.
>Sie sind jedoch quantitativ eher eine Minderheit, die sich lautstark
>Gehoer verschafft.
>2. Nicht relifioese Menschenmassen, zu denen ich auch "Papier-
>Christen und -Muslime zaehle.
>Sie sind die eigentlichen Massen, und die sind laengst dem Gott "Markt"
>verfallen.

Meinst Du z.B., die fundamentalistischen Christen in USA sind also gar nicht wirklich "religiös"?

>Aber die Argumentation koennte auch anders lauten und waere sicher
>aehnlich erfolgreich.
>Etwa die Israelis:
>"Die Palistinenser wollen unsere Kultur zerstoeren, uns unser Wasser
>wegnehmen und so wie Nazis uns ausloeschen.
>Und dann die Palestinenser:
>"Die Israelis besetzen einfach mein Land und behaupten es gehoert
>ihnen. Das ist ein Eindringen, vergleichbar dem eines Einbrechers.
>Diese Einbrecher toten meine Frauen und Kinder, also muss ich mich
>wehren.
>Du siehst eine Argumentation ohne jede Religion waere moeglich.

Ja, sicher, das ist klar. Aber ich frage mich, ob das wohl der Fall wäre, wenn z.B. Israel ein Staat wäre, den seine jüdisch-religiösen Wurzeln egal wären, und die Pälestinenser durch keinerlei islamischen Einfluss getrübt wären. Vielleicht liegt es an der Hitze, dass ich mich nicht richtig auszudrücken vermag, aber die WURZELN all dieser Konflikte sind doch religiöser Art, selbst wenn das Religiöse heute keine Rolle mehr spielt (was ich aber nicht so ohne weiteres glauben kann).

So, jetzt bin ich aber wiedermal off. Es ist einfach zu heiss im Rheinland.

Liebe Grüsse

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