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Guten Morgen, Gabriele,
vorab: Ich bin kein Pragmatiker! Ich bin Rationalist, und das ist keinesweg identisch zu setzen, aber das nur nebenbei...
Meine Frage ist übrigens nicht "verzweifelt", sondern nachdenklich. Ich bin hierher ins Forum gekommen in "offener Neugier". Ich habe manchmal (!) in meinem Leben das fragende Gefühl gehabt, ob es "hinter den Dingen" noch etwas geben könnte. Diese Frage kann ich mittlerweile bejahen. Aber ich kann NICHT bejahen, dass da irgendein "Gott" oder irgendeine "transzendentale" Wirklichkeit existiert. Vielmehr begreife ich für mich immer mehr, dass das, was hinter den Dingen ist, von uns einfach (noch?) nicht erkannt werden kann, und dass der Mensch willig dazu neigt, Dinge, die er nicht versteht, zu vergöttlichen. Vermutlich tut er dies, weil er es als kränkend empfindet, eine Sache, die er nicht versteht, einfach als "nicht verstehend" zu akzeptieren. Da nimmt man dann lieber als Erklärung "Gott" in Anspruch...
>Wenn ihr den Glaubenden den Glauben nehmen möchtet,
Das habe ich keinesfalls vor. Ich will niemandem etwas nehmen noch jemandem etwas geben, ich will nur meine Einstellung dem entgegensetzen und darüber diskutieren.
>Glaube kann man nicht vermitteln - das spielt sich alles
>im innen ab und auf die Frage, warum ein Mensch so jung
>stirbt, gibt es von Pragmatikern eigentlich nur kühle bis kalte
>Antworten - die das Herz so wenig erfreut - würde ich sagen.
Die pragmatische Antwort kenne ich nicht, aber die rationale, und die sagt, dass es halt so ist, dass es zwar von Bindungen abhängt, aber letztendlich zufällig ist, ob jemand stirbt und wann und wo. Das ist weder kühl noch kalt, sondern es IST einfach so. Warum stellt der Mensch sich immer vor, Erkenntnis müsse kuschelig warm und einleuchtend sein. Als meine sehr geliebte Katze starb, hat sie sich vermutlich diese Frage nicht gestellt, soviel wir heute wissen. Aber der Mensch tut es.
>die Höhe des Intellekts haben sie, aber was ist mit dem, was
>da innen ist
Was ist denn da innen? Dieses Innen ist Teil des GEHIRNS, es gibt nichts anderes an "Seele" als das Gehirn, zumindest ist bisher nicht nachgewiesen worden. Nur INTERPRETIEREN wir das anders, weil wir den Gedanken, dass wir aus dem Nichts geboren werden und ins Nichts sterben werden, nicht ertragen können (er IST auch schwer erträglich!).
>weil die Menschen noch immer nicht einsehen wollen , oder
>können - dürfen - irgend etwas in ihnen wehrt sich - etwas
>anzunehmen, was nicht rational erklärt werden kann.
Warum pathologisierst Du das jetzt? Ich "wehre" mich nicht gegen Erkenntnisse, aber ich wehre mich dagegen, dass in religiösen Foren ständig irgendwelche Behauptungen aufgestellt werden, die zwar jedem Intellekt hohnsprechen, aber die als "Wahrheit" noch nicht einmal peripher infrage gestellt werden. Vielmehr wird arrogant (!) über andere "geschmunzelt", die anders denken, und die versuchen, ein MINIMUM an wissenschaftlicher Redlichkeit in die Diskussion zu bringen.
Bitte nicht missverstehen! Wenn jemand hier sagt "Das glaube ich, egal, ob es allgemein wahr ist oder nicht, und das, was ich glaube, hat keinen Anspruch, wissenschaftlich relevant zu sein"; so würde ich das sofort akzeptieren und mit KEINEM Wort dagegen argumentieren. Aber so ist es ja nicht. Hier wird z.B. von "historischen Beweisen des Lebens Jesu" geschrieben, und wenn ich dann die beiden einzigen "historischen Nachweise" liefere, die aber mittlerweile von der Wissenschaft als fragwürdig beiseitegelegt worden sind, und ich dann frage, welche Beweise es denn sonst noch gäbe, wird dieser Beweis "momentan nicht gefunden". Es wird also erst etwas behauptet, das ich widerlege, und dann wird gesagt "Jaaa, aber das gibt es, ich finde es nur zur Zeit nicht". Hätte ich nicht nachgefragt, wäre dieser Satz UNWIDERSPROCHEN hier stehengeblieben.
Ferner wird hier immer wieder auf "Wissenschaft" hingewiesen, die irgendetwas, das nur GEGLAUBT wird (und werden kann), beweisen soll. Auch da fehlen jedwede Beweise. Wissenschaft ist eine METHODE; und zwar eine, die auf LOGIK und BEWEISBARKEIT beruht. Wie gesagt: Wenn hier jemand sagt "Wissenschaft interessiert mich nicht, ich argumentiere nicht wissenschaftlich, sondern gläubig", wird das meine VOLLE Toleranz haben! Aber ich mag nicht, wenn Begriffe der Wissenschaft unsauber verwendet werden, und ich mag auch nicht, wenn jemand über mich und meine Argumentation "schmunzelt".
>Es ist vielleicht für die Zukunft geboten, mehr auf seine
>innere Stimme zu hören und darauf zu vertrauen.
Wohin das führt, zeigen alle Religionskriege, aber auch z.B. die Regierung einer Weltmacht, dessen Präsident an Kreationismus glaubt. Nein, vielen Dank, Gabriele, dann lieber "Pragmatismus"
>Ich lasse jedem den Glauben und wenn ich keinen Glauben
>hätte, würde ich mich wahrscheinlich nicht wohl fühlen in Foren,
>wo man die Gefühle anspricht -
Du irrst, wenn Du annimmst, dass ich keine Gefühle habe.
>Hat nicht jemand gesagt, daß unser Hirn nur zu 20 % ausgelastet ist ?
Richtig, das war Einstein. Aber dass heisst NICHT, dass die restlichen 80% Glaube/Vermutung sind, sondern dass die restlichen 80% HIRN noch nicht ausgeschöpft sind.
>Wer gibt die Gewähr, daß wir mit 100 % Hirnauslastung bessere
>Menschen wären ?
Niemand! Aber es wäre doch mal zu versuchen, es ist ja noch nie versucht worden! 100% (oder sind bescheidener, sagen wir 99%) Emotion und Steinzeitbewusstsein haben uns ja auch nicht gerade weiter gebracht, oder? Es wäre also erst noch zu widerlegen, dass eine RATIONALE Weltsicht schlechter wäre als das Halluzinieren, die sich seit Jahrtausenden hier auf unserem Globus breit macht (witzigerweise ist Deine Frage ein Standardargument vieler Gläubigen, aber sie übersehen dabei, dass es noch nie versucht wurde; ihr eigenes "Denken" aber zu dem geführt hat, das wir heute "Welt" nennen).
Schönen Gruss
Sucher
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