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Das mit dem Handeln in Liebe verstehe ich. Was ich nicht verstehe ist, wie das praktisch in Bezug auf einen Rechtsstreit funktionieren soll? Du sagst ganz ruhig "Es ist unrecht. Du musst mir die 200 Euro geben"? Was ist, wenn er sie dir nicht gibt? Jahrelanger Gerichtsstreit und jahrelange Rechtsanwaltsbeschäftigungen?
Wir haben auch Kunden, die uns übers Ohr hauen und nicht bezahlen. Diese Kämpfe kosten Energie, Zeit und Freude. Sie machen Magenkrämpfe und schlechte Laune. Wo bitteschön soll da Liebe möglich sein, wenn nicht in der Vergebung: Du weißt, dass es Unrecht ist, die Rechnung nicht zu bezahlen und du weißt, dass du dir selbst am meisten damit schadest. Dein schlechtes Handeln kommt als schlechtes Schicksal wie ein Bumerang zu dir zurück. Damit ist die Sache für mich gegessen. Es ist das Problem des anderen, nicht meins. Streite ich mit ihm, hämmere ich weitere Nägel in Jesu Hände. Wie oft sollst du deinem Nächsten vergeben?
Wir sind alle Gebende und Empfangende zugleich, das funktioniert nicht einseitig. Strom fließt im Austausch.
Die Sonne strahlt und nicht jeder verträgt das. Ich bin ein Schattenmensch und flüchte, ein anderer bekommt eine Sonnenallergie usw. So ähnlich ist es mit deinem Strahlen auch. Das Licht ist in einer angenehmen Weise unaufdringlich allgegenwärtig und jeder kann es nutzen, so wie er es gerade braucht. Es ist unabhängig und hat kein anderes Ziel als bloß zu sein. Dein Strahlen wirkt zweckerfüllt, du WILLST etwas damit bezwecken. In meinen Augen liegt es weniger daran, dass du die falschen Menschen angestrahlt hast, sondern eher in der Art und Weise.
Jemanden anstrahlen assoziiere ich mit einer Verhörsituation bei dem der Lichtkegel auf die Augen des Täters fällt, sodass er die Fragenden nicht erkennen kann. Ich ziehe sanftes Kerzenlicht einer hellstrahlenden Neonröhre vor, weil es mich beschützt und zärtlich ummantelt. Wenn man weiß, dass man strahlt, strahlt man willentlich und schießt vielleicht über das Ziel hinaus, weil man es zu gut meint. Es gibt Menschen, die wissen gar nicht, dass sie leuchten (anderen ein Beispiel sind) und wärmen die Herzen trotzdem.
Du kennst diese Fotos von Frauen, die sich für den Fotographen in Szene zu setzen wissen und die Fotos von Menschen, die gar nicht wissen, wie schön sie sind. Das sind sehr unterschiedliche Ausstrahlungen, die unterschiedliche Wirkungen hervorrufen. Haben, als hätte man nicht, hat etwas Unschuldiges.
Liebe kann man meiner Meinung nach gar nicht willentlich steuern oder ausdrücken. Sie ist entweder da und fließt zwischen zwei Objekten hin und her oder sie ist nicht da. Das, was wir Menschen oft als Liebe bezeichnen, hat sehr viel mit Egoismus zu tun und ist nur die Imitation von Liebe.
Mir fällt auf, dass du stark in Kontraste denkst - entweder ich strahle oder ich setze ein Pokerface auf. Da gibt es nichts dazwischen, kein sowohl alsauch.
Es genügt, wenn du dein eigenes Herz offen hältst und annimmst, was von außen auf dich zukommt. Es ist gefährlich zu glauben, man könne für die anderen etwas tun, was sie nur ganz alleine für sich selbst tun können, oder die Dinge der Welt müssten den eigenen Vorstellungen von Richtigkeit entsprechen, weil man glaubt, man wisse ganz allein, wie die Dinge des Lebens zu sein hätten. Wenn du es ernst meinst und für die anderen etwas tun möchtest, dann bleibe bei dir selbst. Lass' die anderen selbst ihre Erfahrungen machen und höre auf, sie ändern zu wollen. Mir bekommt das sehr gut, weil ich dadurch unabhängiger von der Meinung anderer werde und dennoch meinen eigenen Teil dazusteuern kann, wenn der andere es will. Unfreiwillig erteiltes Wohlwollen wird natürlich skeptisch und misstrauisch beäugelt. Wenn der andere nicht dazu bereit ist, kann der Strom nicht fließen. Es ist dann sinnlos Energien auszuströmen, weil niemand auf Empfang ist und sie mit aller Wucht auf einen selbst zurückprallen. Ohne eine feinfühlige Bereitschaftsabfrage gleicht das einer Vergewaltigung. Nicht alle Menschen wollen von uns geliebt werden. Gott überrollt auch niemanden, sondern wartet geduldig, bis wir ebenfalls bereit für eine wahre Begegnung sind, in einem angenehmen Abstand.
Vor Menschen Vorträge zu halten über Spiritualität ist etwas anderes, als sich die eigene, egoistische Motivation bewusst zu machen. Was steckt wirklich dahinter? Warum tue ich das? Warum will ich jenes und lehne dieses ab? Wenn der Teufel im Detail erkannt ist, ist man seine Probleme im Außen los. Man verursacht dann auch keine neuen, sondern verwandelt Krieg in Frieden. An den Handlungen der Menschen erkennt man ihren wahren Glauben.
Ich bin nur wenigen begegnet, die daran geglaubt haben, dass die Welt Gottes bereits vollkommen ist. Die meisten waren sehr damit beschäftigt, irgendetwas nach ihren eigenen Vorstellungen zu verbessern, zu verändern oder zu korrigieren. Sie konnten die Dinge nicht einfach so sein lassen, wie sie sind. Treffen mehrere dieser Menschen aufeinander, so streiten sie sich, wer von ihnen Recht hat und am besten wüsste, wie die Dinge zu sein hätten.
Seitdem ich mich selbst so sein lassen kann, wie ich bin, seitdem ich mich selbst mit meinen Fehler lieben kann...fällt es mir leichter, auch die anderen so sein zu lassen und ihnen die Zeit zuzugestehen, die sie brauchen, um ihren eigenen Weg zu gehen. Ich bin in den letzten Jahren um einiges friedlicher geworden, weil ich mich nicht mehr in die Dinge anderer oder in die Angelegenheiten Gottes einmische. Die Dinge im Außen sorgen für sich selbst, so wie es geschah, als ich noch nicht auf der Welt war und so wie es geschehen wird, wenn ich nicht mehr in der Welt bin. Ich bin ein Gast, ein Beschenkter und darf dankbar sein. Das Hausrecht obliegt einem anderen, der wohl auch fähiger ist, als ich selbst es je sein könnte.
Liebe Grüße
Karin
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