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Erscheinung - Fata Morgana












Hallo Martin,

über die Stechmücken musste ich lachen. So klein und so lästig.

Es ist ein Irrtum zu glauben, man würde ärmer werden, wenn man etwas fortgibt. Das Gegenteil ist der Fall, man verarmt, wenn man nichts weggeben kann. Das sind so Sachen, da muss man sich trauen, sie einfach mal selbst auszuprobieren. Manche horten Wissen und geben davon nichts weiter, andere Geld, doch immer stagnieren sie den freifließenden Fluss und verhindern, dass ein anderer etwas davon hat. Nur, wenn ich nicht will, dass ein anderer mal einen Vorteil hat, werde ich selbst auch nie einen Vorteil haben. Es schaut vielleicht manchmal so aus, als würden solche Menschen Riesengewinne machen, aber am Ende gehen sie leer aus. Es ist nichts Schlechtes am Reichsein selbst, ganz im Gegenteil. Doch mein eigenes Verhalten anderen gegenüber kommt als Bumerang des Schicksals zu mir zurück.

Das Erscheinungsbild ist das, womit ich nach außen hin mehr SCHEINEN will, als ich in Wahrheit bin. Ich möchte einen guten Eindruck hinterlassen. Die anderen sollen eine gute Meinung von mir haben. Es ist also eine Art Manipulation zum Guten hin durch Kleidung und Benehmen. Meine schlechten Seiten soll ja niemand sehen, die verstecke ich. Also zeige ich nur die halbe Wahrheit, wenn nicht sogar weniger, indem ich vorgebe etwas zu sein, das ich nicht bin. Wenn ich frei bin von der Meinung anderer, kann ich einfach ich selbst sein, so wie ich bin, unabhängig von Kleidervorschriften und einem guten Erscheinungsbild. Eine Erscheinung erinnert mich an eine Fata Morgana, ein Trugbild. Wo ist also das Echte? Wenn ich jemanden neu kennen lerne, dann klopfe ich ihn ab, nach dem echten und wahren Anteil in ihm. Dann fällt alles Unechte ab wie bei einem nadelnden Tannenbaum. Das, was übrigbleibt ist das, was Nähe und Freundschaft ermöglicht, alles andere trennt und stößt ab. Manche Menschen können aber Wahrheit und Betrug nicht voneinander unterscheiden bzw. lieben das Unechte mehr als das Echte. Sie werden immer nur das Billige bekommen, nie das von wirklichem Wert, weil sie Letzteres nicht zu schätzen wissen.

Ich bin auch freiberuflich tätig. Meine Arbeit spricht für sich selbst. Ich kann mich nicht mehr verstellen, so wie ein freifliegender Vogel nicht mehr zurück in den Käfig möchte. Das Erscheinungsbild ist nur ein Bild, eine Momentaufnahme. Was sagt es dir über die Ehrlichkeit und Ware eines Kaufmanns, wenn er korrekt gekleidet ist? Sind das nicht alles bloß Vorurteile? Ist es nicht die Ware, die überzeugt?

Er hat Löcher in den Socken, ihm kann man nicht vertrauen. Sie hat rotgefärbte Haare, eine Hexe. Ihr Schmuck ist zu aufdringlich. Sein Haar ist zu lang. Er trägt Bart, furchtbar...

Der erste Eindruck zählt und schon wird das Urteil gefällt. Eine ganze Mode- und Fotomodellindustrie lebt vom schönen Schein. Der Mensch will betrogen sein und er bekommt, wonach er sich sehnt.

Ich will das alles nicht mehr, habe ich für mich entschieden. Mir ist das Wahre mehr Wert.

Liebe Grüße
karinchen
Forum -> Spiegel- und Reflexionsforum II


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