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Hallo Martin,
Religionen halten dich von der eigenen Erfahrung fern. Du verlässt dich auf das, was andere dir erzählen, ohne dich selbst auf den Weg, die Suche, zu machen. Das ist bequem. Ich sage nicht, dass Religionen schlecht seien. Wir sind alle auf einem unterschiedlichen Wissensstand und so brauchen wir unterschiedliche Stufen und Treppen. Es ist also alles gut. Was nicht so gut ist, ist das Verharren auf einer dieser Stufen, weil man glaubt, nun alles zu wissen und sein Schäfchen im Trockenen zu haben.
Ob die Religionsbegründer wirklich das wollten, was die Religionen aus ihrem Wissen gemacht haben, ist die andere Frage.
Ich kann nicht wissen, was für andere gut ist, sondern nur von meinen eigenen Erfahrungen ausgehen. Aber ich sehe, dass sich manche Menschen im Kreise drehen und tagein tagaus immer dieselben Dinge tun, dieselben Dinge denken und gleich handeln. Sind sie tot oder lebendig?
Auch ich war einmal so und habe in Foren über den Sinn des Lebens geschwatzt. Bis ich merkte, damit komme ich nicht weiter. Wir können darüber reden, bis zum St. Nimmerleinstag und nichts wird sich ändern. Der Glaube wird zum Wissen, wenn man sich selbst darauf einlässt, sich zurückzieht und in sich hineinhorcht, wenn das äußere Leben nicht mehr wichtig ist und man sich auf etwas besinnt, was man bereits kennt, aber vergessen hat. An diesem Punkt geht jeder Mensch seinen eigenen Weg - allein. Da helfen keine Religionen und nichts von außen. So wie auch ich nicht für einen anderen essen oder trinken kann. Das muss man schon alleine tun.
Ich brauche aber niemanden zu missionieren oder andere von MEINEM Wissen überzeugen. Sie müssen es selbst erfahren, selbst wollen und selbst überzeugt werden. Es gibt nichts zu tun. Alles ist bereits gesagt. Ich tue das, was die Menschen machen, die den Weg vor mir gegangen sind: warten auf die, die etwas mehr Zeit brauchen oder andere Wege gehen, die etwas weiter sind.
Je weiter ich selbst komme, desto mehr verstehe ich, warum viele Worte nichts nutzen und desto stiller werde ich. Desto mehr muss ich staunen über die Vollkommenheit der Welt und meine eigene Begrenztheit. Ich kann das nur erzählen. Mehr nicht.
Unweise ist der, der gegen das Leben handelt, der sich ihm in den Weg stellt und seinen natürlichen Fluss behindert, der nicht lernen will, weil er meint, schon alles zu wissen.
Das Schweigen wird hervorgerufen durch die Erkenntnis der Wahrheit. Jemand, der überwältigt wird von etwas Schönem, ist nicht fähig etwas zu sagen. Du kennst das vielleicht aus deiner Kindheit? Wenn du unter dem Weihnachtsbaum dein ersehntes Fahrrad vorgefunden hast und mit offenem Mund darüber gestaunt hast? Schweigen ist auch die Erkenntnis, dass Streit keinen Sinn macht, Gewalt sich immer nur gegen dich selbst richtet und Worte überflüssig sind, wenn man liebt.
Jetzt fragst du, warum ich also so viele Worte tippe und nicht einfach still bin?
Ganz einfach: Weil ich noch nicht weise genug bin.
Herzliche Grüße
karin-chen
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