|
|
|
Hallo zusammen,
ich interessiere mich schon länger für die Baha'i-Religion und bin über google auf dieses Forum gestoßen. Ich möchte zunächst einmal sagen, dass ich es toll finde, dass es ein solches Forum gibt und wie höflich und fair hier miteinander umgegangen wird!
Sicher könnt Ihr mir zu folgenden Fragen etwas sagen.
Soweit ich weiss dürfen Bahai keinen Alkohol trinken und sich auch nicht politisch betätigen. In keiner Partei Mitglied sein und so. Wie stringent wird das denn in der Praxis gehandhabt? Ich bin weiss Gott kein Freund von Besäufnissen (igit!), aber ab und zu mal ein Bier oder ein Glas Wein... . Und wieso darf man in keiner Partei aktiv sein? Gilt dieses Verbot auch für Gewerkschaften?
Ich hoffe Ihr könnt mir weiterhelfen. Vielen lieben Dank!
Der Brummbär
|
|
|
|
Hi Brummbär,
es freut mich, zu hören, dass die Bahá´í-Religion Dich schon länger interessiert. Ich bin ein Bahá´í und will versuchen, Deine Fragen zu beantworten. Es sei allerdings vorausgeschickt, dass ich aus meinem eigenen Verständnis heraus spreche und keinen Anspruch auf Verbindlichkeit meiner Äußerungen erhebe.
Bezüglich stringenter Handhabung der Gebote: generell gilt, dass jeder Bahá´í vor Gott selbst verantwortlich ist für alles, was er tut. Die Einhaltung von Geboten sollte nicht aus blindem Gehorsam, sondern aus einer Haltung der Einsicht und der Liebe gegenüber dem Offenbarer, d.h. gegenüber Bahá´u´lláh, erfolgen. Meiner Meinung nach wird erst in dieser Geisteshaltung der wahre Sinn der Gebote und die Autorität ihres Schöpfers sichtbar. Ich bin der Überzeugung, dass jedes Gebot einen tieferen Sinn hat, den es zu erforschen gilt. Einerseits liegt der Sinn sicher darin, uns Menschen auf unserem Weg durch diese materielle Welt zu führen und zu schützen, damit wir unser geistiges Ziel, nämlich die Vorbereitung auf das Leben in der nächsten Welt erreichen.
Andererseits hat das stetige Bemühen um die Einhaltung der Gebote, so schwer es auch erscheinen mag, einen erzieherischen Zweck, der ebenfalls auf unseren Eintritt in die nächste Welt und auf die Entwicklung unserer Beziehung zu Gott ausgerichtet ist.
Nach meiner Erfahrung wird die Selbstverantwortung im Umgang mit den Geboten in der Bahá´í-Gemeinde in den Vordergrund gestellt. Sanktionen aufgrund von Verstößen gegen die Gebote treten normalerweise nur dann ein, wenn ein Bahá´í mit seinem Verhalten offenkundig und langanhaltend dem Ansehen der Gemeinde schadet. Eine gegenseitige Überwachung ist nicht erlaubt und wird meiner Kenntnis nach auch nicht praktiziert. Wer sich also entschließt, ein Gebot nicht einzuhalten und es nicht an die große Glocke hängt, braucht kaum mit Konsequenzen von Seiten der Gemeinde oder der Institutionen zu rechnen. Er schadet damit dann im wesentlichen sich selbst und seiner Beziehung zu Gott.
Die Bahá´í-Religion ist ganz allgemein darauf ausgerichtet, den Menschen zu einem Höchstmaß an Selbstverantwortung, Mündigkeit und Vertrauenswürdigkeit zu erziehen. Für mich ist das einer der wichtigsten Gründe, weshalb ich Bahá´í geworden bin.
Den genauen Grund für die Nichtbeteiligung an politischen Aktivitäten kenne ich nicht, möchte aber aus meinem Verständnis Folgendes dazu sagen: ich denke, dass es in der Politik heutzutage viele gute Ideen und Menschen gibt, die diese Ideen mit großem Einsatz verfolgen. Leider gibt es dabei anscheinend nur in einer Hinsicht einen Konsens: nämlich den, dass jeder seine eigenen Ziele verfolgt. Das Ergebnis ist, dass ungeheuer viel Energie und Zeit mit schier endlosem Gezänk vergeudet wird und am Ende kaum mehr als "Reförmchen" und Politikverdrossenheit dabei herauskommen. Nach meinem Verständnis können alle guten Ideen nur dann fruchten, wenn sie auf einem Boden von Einheit, gegenseitigem Verständnis auch über nationale und kulturelle Grenzen hinweg und tiefer Einsicht in das geistige Wesen des Menschen und seiner Bestimmung gepflanzt werden. Diesen Boden zu bereiten ist heute eine der wichtigsten, wenn nicht sogar die wichtigste Aufgabe für die ganze Menschheit. Ich glaube nicht, dass ein Mensch in dieser Hinsicht wesentlichen Fortschritt erzielen wird, wenn er seine Kräfte in der Beteiligung an politischen Aktivitäten verzehrt.
Ich hoffe, dass Du mit meiner Antwort etwas weiter kommst. Wie schon eingangs gesagt, möchte ich darauf hinweisen, dass sie nicht allgemein verbindlich ist, sondern aus meiner persönlichen Sicht geschrieben. Sicher sind noch viele andere gute Gedanken dazu zu ergänzen.
Liebe Grüße,
Herzlich
|
|
|
|
Hallo...
nur das ich das auch mal versteh:
das ein Bahai kein Mitglieder einer Partei sein darf, erschließt sich daraus, dass er auch nicht wählen geht?
Oder soll er wählen?
Liebe Grüße
|
|
|
|
Hallo brummbär,
klar darf und soll er Wählen! Ein Bahai ist immer Teil der Gesellschaft in der er von Gott gestellt ist und er hat die Pflicht sich in diese Einzubringen (so langen es nicht dem Glauben zuwiderläuft).
Zum Alkohol möchte ich noch was sagen! Jeder 10te in Deutschland ist Alkoholiker (Dunkelziffer wahrscheinlich noch mehr). Alkoholismus ist eine Krankheit deren Ursache noch nicht vollständig ergründet ist. Möglicherweise ist sie Erblich! In jedem Fall sind die meisten Alkoholiker vom ersten Glas an süchtig! Alkoholgenuss ist also mehr oder weniger ein russisch Rolett. Alkoholismus verläuft immer tödlich!
Viele die glaube normal zu trinken, trinken in Wirklichkeit schön längst süchtig! Einige sind schon sozial Auffällig, andere werden es erst in ein paar Jahren sein.
Tatsache ist: Ein Mensch der nicht süchtig ist, kann jederzeit und ohne einen Verlust zu empfinden auf Alkohol verzichten. Jemand der mit dem Alkohol etwas wichtiges aufgibt und nicht verzichten will und kann, der ist schon süchtig. Der ist Krank und braucht therapeutische Hilfe.
Das Gebot auf Alkohol zu verzichten ist also nur vernünftig und dient dem wohl des Menschen. Wer sein Leben dennoch riskieren mag, tut das immer auf eigene Verantwortung und grob fahrlässig.
Genau wie rauchen.
Gruß Heiko
|
|
|
|
Hallo!
Bezüglich Parteizugehörigkeit: man kann doch beobachten wie die politischen
Parteien sich gegenseitig schlecht machen. Das allein verstößt schon
gegen einen Grundsatz Baha'u'llahs.
Liebe Grüße
|
|
|