Wie eine Großmutter zur Terroristin wurde


http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,450495,00.html

Für ihre Familie ist sie eine Heldin: Fatma al-Nejar ließ sich von der Hamas rekrutieren - und sprengte sich als bisher älteste Selbstmordattentäterin in die Luft. Ihre Hinterbliebenen, 9 Kinder und gut 40 Enkel, feiern die Bluttat gegen Israel voller Stolz.

Gaza - Am Morgen rief Fatma Omar al-Nejar noch einmal ihre Kinder zu sich. Jene, die nicht kamen, besuchte sie. Denn es sei dringend, sagte sie. Auf Video nahm sie ihr Testament auf: Sie hoffe, dass Gott ihre Entscheidung akzeptiere. Ihre Entscheidung - das war, mit Gewehr und Sprengstoffgürtel gegen Israel loszuziehen. In den Tod zu gehen und möglichst viele mit sich zu reißen. Als erste alte Frau, die zur Selbstmordattentäterin wurde.

Schafft neues Karma. Wann soll es abgeglichen werden ?


Es kam nicht so wie geplant. Die alte Frau näherte sich einer Patrouille von israelischen Soldaten, die durch das Flüchtlingscamp von Dschebalia fuhr, nördlich von Gaza-Stadt. Den Soldaten fiel die alte Frau sofort auf. Sie waren vor Attentats-Versuchen gewarnt worden. Fatma Omar al-Nejar trug einen schwarzen Sprengstoff-Gürtel. Um ihren Hals hing ein Sturmgewehr. Die Soldaten warfen eine Betäubungsgranate. Da zündete die Attentäterin die tödliche Last, die sie trug.

Auch die Soldaten sind einer Mutter Sohn. Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. Wann ?

Sie wurde zerfetzt. Drei israelische Soldaten wurden leicht verletzt. Kurz darauf bekannten sich die Iss-el-Din al-Kassim-Brigaden zu der Tat, der bewaffnete Arm der Hamas.

Die Bluttat am gestrigen Donnerstag wäre ein Selbstmordanschlag von vielen gewesen - wäre da nicht das außergewöhnliche Alter der Attentäterin. Fatma Omar Mahmud al-Nejar war Mutter von 9 Kindern und Großmutter von 30 bis 40 Enkeln, die Familie hat sie nicht gezählt; ihr Alter wird unterschiedlich angegeben: 57 Jahre, sagt die Hamas, 68, sagt die Familie.

Nejar war das weibliche Oberhaupt einer Großfamilie. Ihre Verwandten sind voll Stolz auf die Bluttat. Die Großmutter sei mit Abstand die älteste der mehr als 100 Selbstmordattentäter, die in den vergangenen sechs Jahren Israelis angegriffen haben. Ein Sohn, Dschihad, sagte der israelischen Zeitung "Haaretz": "Der Märtyrertod ist Männern und Frauen erlaubt." Er preist die Tat seiner Mutter: "Sie bringt uns und unserem Vaterland viel Ehre. Wir sind nun alle in dem Kampf verbunden." Er hoffe, dass seine Familien in Zukunft noch weitere Märtyrer stelle.

"Wir gingen in die Moschee und suchten das Märtyrertum"

Ihre älteste Tochter Fatije sagt zu Motiv ihrer Mutter: "Die Israelis haben ihr Haus zerstört, sie haben ihren Enkel - meinen Sohn - getötet." Ein anderer Enkel sitze im Rollstuhl. Die Familie hat sich offenbar völlig radikalisiert: "Wir gingen in die Moschee und suchten das Märtyrertum." Ihre Mutter habe durch die Tat den israelischen Artillerieangriff auf Beit Hanun im Gazastreifen rächen wollen. Bei dem Angriff Anfang November waren auch 19 palästinensische Zivilisten getötet worden. "Sie war von dem, was passiert ist, sehr bewegt", sagt die Tochter.

Die Rechtfertigung passt in die Propaganda der radikalen Palästinensergruppen, die die Selbstmordattentate als Akte eines Freiheitskampfes verkauft. Auch die Großmutter selbst las in einer von der Hamas veröffentlichten Videobotschaft eine Erklärung vor, in der sie ihren Tod den palästinensischen Gefangenen in israelischen Gefängnissen widmete. Außerdem wolle sie Ministerpräsident Ismail Hanija von der Hamas ehren. Die Attentäterin hatte zu Beginn dieses Monats an einer Demonstration palästinensischer Frauen teilgenommen, die erfolgreich israelische Truppen ablenkte - während Hamas-Aktivisten aus einer Moschee entkamen. Ihr vor kurzem verstorbener Mann saß in israelischen Gefängnissen ein, ebenso fünf ihrer sieben Söhne.

Ihr vereitelter Anschlag zeigt, dass die palästinensischen Terrorgruppen inzwischen Attentäter aus allen Bevölkerungsteilen rekrutieren, um die Israelis zu überrumpeln - gleich welchen Alters oder Geschlechts. Immer häufiger zogen zuletzt Frauen zu Selbstmordattentaten los, jüngst am 6. November im nördlichen Gaza-Streifen. Zumeist waren es junge Alleinstehende. Diesmal nicht
http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,450560,00.html

Mal was anderes. Auch die orientalische Welt öffnet sich. Urlaub auf Dubai.
Wie schön.

Und alles passiert gleichzeitig. Und alles passiert in dieser Welt.

Glück , Freude und Elend laufen nebeneinander her.


Wüstensand statt Karibikstrand
Häfen wie Madeira, Miami oder Montego Bay auf Jamaika sind traditionelle Ziele für Kreuzfahrtschiffe im Winter. Jetzt holt die ähnlich sonnenverwöhnte Golfregion auf: Immer mehr Schiffe wählen die Baustellenmetropole Dubai als Basishafen.


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Rostock/Frankfurt/Main
- In dieser Saison werden sich viele Kreuzfahrt-Gäste an bisher ungewohnte Namen gewöhnen: Bahrein, Abu Dhabi und Maskat. Mit Aida Cruises und Costa Crociere stationieren gleich zwei große Kreuzfahrtenanbieter Schiffe in Dubai am Persischen Golf. Für beide Reedereien bedeutet das eine Premiere - ebenso wie für das Emirat. Der Erfolg ist aber bereits da - viele Reisen waren schon einen Monat vor Weihnachten ausgebucht. Für den Tourismus in Dubai bedeute diese Entwicklung "einen weiteren Meilenstein", sagt Mara Kaselitz, Leiterin der Dubai-Tourismusvertretung DCTM in Frankfurt.


Dubai: Kreuzfahrer als Dauergäste

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Auch in der Vergangenheit haben immer wieder Kreuzfahrtschiffe das boomende Reiseziel Dubai besucht. Im Jahr 2006 waren es zum Beispiel 28, allein im ersten Halbjahr 2007 werden 40 erwartet. Seit 2001 hat Dubai ein eigenes Kreuzfahrtterminal, "das Einzige der arabischen Welt", wie Kaselitz betont. Bisher war es aber so, dass das Emirat nur für ein oder zwei Nächte auf dem Programm stand, wenn die Schiffe zwischen Europa und Asien unterwegs waren. Mit Dubai als Basishafen für die "Aidacara" und die "Costa Classica" ändert sich das nun: Vor allem Kreuzfahrtgäste aus Deutschland werden zu Dauergästen in Dubai.

Die 193 Meter lange "Aidacara" mit Platz für knapp 1200 Passagiere kommt vom 22. Dezember bis 9. Februar für sieben einwöchige Touren an den Golf. "Wir sind ausgebucht. Es gibt nur noch Restplätze, wenn in Reisebüros Optionen zurückgegeben werden oder Stornos eintreffen", sagt Hansjörg Kunze, Sprecher von Aida Cruises in Rostock.

Bessere Chancen haben Buchungswillige dagegen noch bei Costa. Die "Classica" ist mit Platz für 1680 Gäste nicht nur größer als das Aida-Clubschiff, sondern sie bleibt auch bis in den April in Dubai, also gut zwei Monate länger. "Neujahr ist ausgebucht, Ostern stark angebucht. Dazwischen sind aber noch Plätze an Bord zu haben", sagt Costa-Sprecher Werner Claasen. Mehr als die Hälfte der Kabinen werde durch deutsche Passagiere belegt sein. In anderen wichtigen Märkten der italienischen Reederei, etwa in Spanien, den Benelux-Ländern und Frankreich, seien die Dubai-Buchungen dagegen zögerlicher gestartet.

Kultur-Lektionen statt Bikini-Landgang

Die Routen von "Aidacara" und "Costa Classica" sind identisch: Beide Schiffe steuern neben Dubai noch Maskat im Oman, die Emirate Fujairah und Abu Dhabi sowie Bahrain an. Landausflüge führen in die Wüste, zum Einkaufen und zu Oasenstädten. Eine vierstündige Tour mit Geländewagen in Abu Dhabi etwa kostet bei Costa 104 Euro pro Person. Dass die Ausflüge etwas anders ablaufen als in der Karibik, liegt auf der Hand - im Bikini von Bord zu gehen, würde in der arabischen Welt sicher nicht gerne gesehen. "Wir haben Lektoren dabei, die den Gästen die speziellen kulturellen Hintergründe nahe bringen", erklärt Kunze.


Prestigeprojekte in Dubai: Die größte Baustelle der Welt
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Doch warum gerade Dubai? "Wir wollen unseren vielen Stammgästen immer wieder neue Ziele bieten", sagt der Aida-Sprecher. "Und Dubai ist als Destination superinteressant." Auch Costa habe Alternativen zu der im Winter "wahnsinnig überbesetzten" Karibik gesucht und am Golf gefunden, erklärt Claasen. "Dubai vereint die Vorlieben der Gäste mit den Zwängen der Reedereien", formuliert es DCTM-Leiterin Kaselitz. Die Passagiere freuten sich über die Sonne und ein interessantes Ziel, die Anbieter über eine gute Infrastruktur, ein als stabil und sicher geltendes Ziel sowie die kurze Anreise zum Einschiffungshafen. Wieder einmal mache sich damit die "strategische Lage" zwischen Europa und Asien für Dubai bezahlt, meint Kaselitz.

Volle Hotels trotz Baustellen-Flair

Für die Idee, Dubai und seine Nachbarn per Schiff zu entdecken, spricht vielleicht auch etwas anderes: Obwohl das Emirat die größte Baustelle der Welt ist und ständig neue Hotels fertig werden, sind Zimmer an Land nicht immer leicht zu bekommen. "Die Auslastung liegt bei mehr als 90 Prozent, und immer mehr andere internationale Märkte drängen nach Dubai", sagt Mara Kaselitz. Mit anderen Worten: Chinesen und Inder spielen immer mehr mit beim Einkauf der Hotelkapazitäten und konkurrieren mit den Europäern um freie Gästebetten. Dass es für Aida und Costa auch im Winter 2007/08 nach Dubai geht, ist heute - ein Jahr vorher - dagegen schon klar. Ob die "Aidacara" dann länger als sieben Wochen bleibt, sei aber noch nicht entschieden, so Kunze.

Wer im Winter bei einer Kreuzfahrt arabisches Flair erleben will, hat aber noch mehr Möglichkeiten. Der Reiseveranstalter FTI hat zum ersten Mal die "MS Sapphire" der Reederei Louis Cruise Lines komplett gechartert: Vom 17. Dezember bis 15. April ist das 149-Meter-Schiff mit 288 Kabinen für die FTI-Marke Air-Maritime auf dem Roten Meer unterwegs. Zu den Zielen gehören Akaba in Jordanien, Sharm el Sheikh auf dem Sinai, Suez und Hurghada. Landausflüge führen unter anderem zu den Pyramiden, nach Kairo und zur Felsenstadt Petra in Jordanien.

Diese Tour sei völlig anders als bei Aida und Costa, sagt FTI-Chef Dietmar Gunz: "Das Schiff ist viel kleiner, und nach Petra und Kairo kommen Kreuzfahrtpassagiere sonst gar nicht." Auch auf der "Sapphire" sind 75 Prozent der Kabinen bereits vergeben. Die Sehnsucht nach Wärme und Erholung sorgt im Winter eben nicht nur in Miami und Madeira für Sonnenschein in den Buchungslisten der Reedereien.

Von Christian Röwekamp, gms