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http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,450616,00.html
Von David Crossland
Die Deutschen sind ein Volk von paranoiden Schizophrenikern, die sich nicht entscheiden können, ob sie sich lieben oder hassen sollen. Meint wenigstens Roger Boyes, Deutschlandkorrespondent der Londoner "Times". Mit seinem Buch "My dear Krauts" hat er eine Auflockerungs-Mission für eine verwirrende Nation gestartet.
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"Mal sind sie überzeugt, komplette Versager zu sein und machen sich über alles in die Hosen, mal sind sie glühende Patrioten die glauben alles besser zu wissen. Es ist absolut verwirrend", sagt der altgediente Journalist, der seine Laufbahn in den siebziger Jahren in Bonn startete und seit 1993, nach Stationen in Osteuropa, dem Balkan und Italien, wieder in Deutschland lebt.
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Journalist Boyes: Der Humor in Deutschland ist auf den Hund gekommen
Die WM 2006 war ein typisches Beispiel, meint Boyes, 54. "Vorher hieß es wochenlang: 'Oh Gott, wir kriegen es nicht hin! Der Ticketverkauf funktioniert nicht, die Sicherheit funktioniert nicht! Keiner wird kommen.' Dann kam die WM, alle wurden patriotisch, und auf einmal hieß es, keiner macht es besser".
Boyes bekennt: Ihm ist das gepeinigte Land ans Herz gewachsen ist. Daher hat er beschlossen, Abhilfe zu schaffen - mit einer ironischen Schilderung der Eigenarten teutonischen Lebens anhand diverser Abenteuer, die er im Lauf der Jahre bestanden hat: Wie er zum Beispiel aus einer Speed-Dating-Sitzung flog, weil er mit milder Ironie drei Frauen zum Heulen gebracht hatte. Oder wie er Hitlers ehemaligem Kellner eine Mund-zu-Mund-Beatmung verpassen musste. Oder wie er lernte, wie man beim Berlin-Marathon schummelt. Geht ganz leicht: Man bezahlt einen Studenten fürs Rennen, wartet in einem mobilen Klo kurz vor der Ziellinie auf ihn und läuft erst die letzten 400 Meter selbst.
Doch unter all den Anekdoten über Zusammenstöße mit Bürokraten, Berliner Taxifahrern, Radlern in Spandex-Höschen und Veteranen des Zweiten Weltkriegs findet Boyes auch Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und seinem Heimatland England: "Beide haben eine besch...issene Küche."
Aussöhnung mit Humor
"Ich betrachte mich als Entwicklungshelfer für den deutschen Humor. Grundsätzlich brauchen die Deutschen in dieser Hinsicht jede Hilfe, die sie kriegen können. Und ich bin entschlossen, meinen Teil dazu beizutragen", sagt Boyes bei einem Interview zwischen Stapeln vergilbender Zeitungen in der hinfälligen Eleganz seines Berliner Wohnbüros, einer früheren Tanzschule.
"Dabei können sie durchaus lustig sein. Sie lachen gern. Sie sind nur nicht ganz so schlagfertig wie der Rest der Welt. Und sie verstehen nichts von Ironie."
Bei aller Kritik ist "My dear Krauts", das diese Woche in Deutschland erscheint, als Werk der Aussöhnung gedacht. "Ich versuche hier, meinen Frieden mit den Deutschen zu machen, und das, glaube ich, geht mit Humor."
Den deutsch-englischen Beziehungen werde es nicht schaden, "die Deutschen mögen ja, dass man sie verspottet und kritisiert. Das ist das Masochistische an ihrer Mentalität". Hat er konkrete Tipps in Sachen Humor? "Sie sollten jeden Tag 10 Minuten vorm Spiegel stehen und rufen: 'Ich bin lustig'. Das könnte helfen. Aber optimistisch bin ich nicht".
Leider sei Humor in Deutschland an bestimmte Ereignisse oder Termine gebunden - an Comedy-Shows im Fernsehen oder die Woche Karneval am Rhein, sagt Boyes. "Humor hier ist ghettoisiert. Eingezäunt. Warum kann er nicht jeden Teil des Lebens durchdringen?"
Das klingt, als würde er sein heimatliches England vermissen; dabei wird er selber zunehmend deutsch, wie er gesteht: "Ich merke, dass ich deutscher geworden bin, wenn ich nach England komme und nichts funktioniert. Ich bin in London mit dem Stansted Airport Express gefahren, der ist sauteuer und verdreckt. Ein japanischer Reisegast wollte sich hinsetzen, und der Sitz brach zusammen. Alle lachten. Ich dachte: Herzlich willkommen in Großbritannien. Kaputte Sitze, gepfefferte Preise, ausgelachte Ausländer, und das alles in knapp 10 Minuten nach der Ankunft".
Öde Wortgefechte, aufgeblasene TV-Programme
Abgesehen von den sauberen Zügen, mag Boyes an den Deutschen, dass sie Freundschaft ernster nehmen und besser pflegen als es die Briten tun. Auch fühlt er sich hier sicherer. "Als ich eingezogen bin, sagte mir meine Nachbarin, dass bei ihr 1964 eingebrochen worden ist. Sie hatte dabei so einen besorgten Ton!"
Was ihn aber stört, ist, wie jegliche öffentliche Debatte durch ein kollektives Bedürfnis nach Konsens abgewürgt wird, meint Boyes. Ihm gehen die endlosen TV-Talk-Shows auf die Nerven, die sich meist um belanglose Veränderungen im spendablen Sozialsystem drehen. Solche langweiligen Shows scheinen hierzulande die Meinungsbildung zu bestimmen, sagt Boyes.
Und dann ist da die negative Energie, die das Land ausstrahlt. "Alle Türken haben Deutschland bei der WM begeistert angefeuert, das hätte der Integrationsdiskussion doch einen positiven neuen Schub geben können. Gab es diese Diskussion? Nein. Stattdessen führen sie seit ein paar Monaten lieber ihre alte Angstdebatte darüber weiter, wie problematisch Einwanderung ist."
Da leben, wo das Bier billiger ist
Und was ist mit der Kritik, dass ausländische Journalisten wie er sich nur auf Geschichten aus der Nazizeit stürzten und dabei ignorierten, was wirklich in Deutschland geschieht?
"Es stimmt, dass die Briten unterbelichtet sind, was Deutschland angeht, und dass nur Nazigeschichten die Londoner Zeitungsmacher aufhorchen lassen. Doch letztlich sind es die Deutschen, die von Nazigeschichten besessen sind. DER SPIEGEL wird wissen, wie sehr seine Auflage jedes Mal steigt, wenn er Hitler auf dem Titel hat. "Bild" bringt ganze Serien über Görings Köche oder Hitlers Kugelschreiber. Es ist ein deutsches Problem, und wir greifen es auf und reflektieren es. Doch das Problem fängt mit Deutschland an, nicht mit England. Außerdem finde ich es nicht verkehrt, von der Nazizeit fasziniert zu sein. Es war eine einmalige, böse Zeit, und nach meiner Meinung ist es keinesfalls ungesund, über die Wurzeln des Bösen nachzudenken".
Boyes ahnt, dass es länger dauern könnte, bis seine Humor-Kampagne Wirkung zeigt. Aber er kann warten. "Ich bin in beiden Ländern Außenseiter, und wenn ich schon als Außenseiter leben muss, dann wenigstens da, wo das Bier billiger ist".
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Demütigung statt Comeback
Das ist aber nicht so lustig.
Axel Schulz' Comebackversuch nach sieben Jahren Wettkampfpause wurde zur Blamage. Boxerisch schwach verlor der frühere Publikumsliebling verdient gegen den US-Amerikaner Brian Minto. Wie geht's jetzt weiter?
Profi-Boxer Axel Schulz ist das Comeback gründlich misslungen. Der 38 Jahre alte Schwergewichtler aus Frankfurt/Oder verlor in Halle (Westfalen) gegen den Amerikaner Brian Minto nach technischem K.o. nach 1:30 Minuten in der sechsten Runde. Es war der erste Kampf von Schulz nach einer siebenjährigen Pause. Zuletzt hatte er 1999 im EM-Duell gegen den heutigen IBF-Weltmeister Wladimir Klitschko im Ring gestanden und ebenfalls durch technischen K.o. verloren. Schulz' Bilanz als Profi weist nunmehr fünf Niederlagen bei 26 Siegen und einem Remis aus. Sein Gegner Brian Minto feierte im 28. Kampf den 27. Sieg.
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Behäbig und berechenbar
Vor 12.000 Zuschauern im nicht ausverkauften Gerry-Weber-Stadion tat sich der Publikumsliebling aus Deutschland gegen den elf Zentimeter kleineren Minto schwer. Von einem neuen Kampfstil und größerer Schlaghärte, die der ehemalige deutsche Meister unter der Anleitung seines neuen Trainer Rick Conti in den USA erlernt haben soll, war überhaupt nichts zu sehen. Schulz boxte behäbig und ausrechenbar wir früher und verlor hochverdient.
In der vierten Runde ging er nach schweren Wirkungstreffern sogar zu Boden, nur der Gong rettete ihn da. Danach ging nicht mehr viel, Schulz schlich gedemütigt durch den Ring. In der sechsten Runde flog dann sogar das Handtuch und der Ringrichter brach den Kampf nach 90 Sekunden ab. "Vielleicht habe ich mich überschätzt", gab Schulz zu und beschönigte nichts. "Ich habe keine Entschuldigung. Ich habe einfach beschi...ssen geboxt."
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Nach der blamablen Niederlage könnte der Brandenburger das Experiment Comeback beenden. "Wenn ich verliere, war's das", hatte Schulz bereits vor einigen Wochen verkündet. Unmittelbar nach dem Kampf wollte er sich dazu aber nicht äußern. Ursprünglich hatte Schulz vor, mindestens zwei weitere Kämpfe zu bestreiten, um sich im Vorderfeld der Weltrangliste zu platzieren und damit die Chance auf einen Titelkampf zu erhalten. Drei Mal hat er in seiner Profi- Karriere bislang um die Weltmeisterschaft, drei Mal um die Europameisterschaft gekämpft. Nie konnte er jedoch einen Titel gewinnen.
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Ich glaube er brauchte Geld deshalb ist er nochmal in den Ring gestiegen, nun wie es ja heißt der Bessere soll gewinnen.
In diesem Sinne
Gruß Rachel
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Gibt auch einen schönen Spruch: Wenn`s dem Esel zu gut geht, geht er auf`s Eis tanzen."
Nun sieht man, wohin der Tanz führt.
Mit der Blamage muß er nun allein fertig werden.
Er hat geschlafen oder geträumt - und letztendlich den Realitätssinn, was ihn betrifft, vollkommen aus den Augen verloren. Oder sich auch nie seine Härtegrenzen kennen gelernt.
Schade.
Ob er wohl wieder auf den Couch`s der vielen Shows landen wird ?
Wer hat ihn geleitet und geprüft und wer hat ihn auf`s Glatteis geführt ?
Bestimmt wird man viel später noch mehr erfahren.
Hoffentlich ist es dem Henry M. eine Warnung.
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