|
|
|
Es ist doch ein eigenartiger Auftrag, den der Mensch erhalten hat. Er soll in die Tiefen der Finsternis hinabsteigen, das Böse tun, das Böse erleiden und erst dann zu Gott gelangen. Er kann sich noch so dagegen wehren, er muß Schlamm und Unrat in seine Seele aufnehmen, ja, sich füllen lasen , um sich dann - mit viel Leiden und Mühe - wieder rein zu waschen. Und ruft er Gott noch so laut an, so scheint dieser Gott auch taube Ohren zu haben. Denn solange der Mensch nicht durch die Finsternis, nicht durch das Böse hindurchgegangen ist, scheint er von ihm nichts wissen zu wollen.
Der Verdacht liegt doch sehr nahe, daß der Mensch sich einst gegen ihn versündigt hat, und nun zürnt ihm Gott und wendet sich von ihm ab. Gott wendet sich von ihm ab und läßt ihn immer wieder von neuem schuldig werden. Daß nun Menschen, die ehrlich bemüht waren, Licht in die düstere Lage der Menschheit zu bringen und eine Geschichte über die Entstehung der Schuldhaftigkeit des Menschen kreiert haben, ist nicht verwunderlich. Es ist umso weniger verwunderlich, als dieser Geschichte, die Geschichte des "Sündenfalls" , ein reales Ereignis zugunde liegt. Nur erzählt die Geschichte nicht die Verschuldung eines einzigen Menschenpaares, deren Folge die "Erbsünde" wäre, sondern den Beginn der Bewußtmachung der Situation des Menschen auf der Erde und den Beginn jener Entwicklung, die den Menschen nun tatsächlich zum Menschen macht und ihn schließlich zu Gott zurückführt.
Die Geschichte von Adam und Eva ist das Ereignis, das die Ankunft der spirituellen Geistigkeit in der Erdspähre anzeigt. Es ist das Menschenpaar ADAM und EVA, das bereits jener hohen Geistigkeit teilhaftig war und sie auf die Erde brachte. Und dieses Ereignis fand nicht etwas am Anfang der sogenannten Menschwerdung statt, als aus dem Tierleib ein Menschenleib wurde, sondern bei der wahrhaften Menschwerdung. Es fand statt, als das Wesen, das dem physischen Leib nach bereits Menschengestalt hatte, nun auch im wahren Sinne menschlich zu werden begann. Es begann menschlich zu werden, indem es anfing, überhaupt erst einsichtsfähig und liebesfähig zu werden.
Damit aber begann für den Menschen auch die Möglichkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Er begann nämlich die Bedeutung dessen zu erkennen, was bisher geschehehen war und was er bisher getan hatte. Denn alles, was vorher auf dem unendlich lang scheinenden Entwicklungsweg geschah und was er vorher tat, war in seinen Augen weder gut noch böse, hatte er doch für ihre Unterscheidung noch keine Organe. Er lebte ja sich, seine Triebkräfte , ungehemmt und unbewußt aus, und dumpf, wie er war, konnte er die Bedeutung seines Verhaltens und seiner Handlungen nicht ermessen.
Mit Adam und Eva kam aber nicht nur die Erkenntnis in die Welt, sondern eine völlig neue Seinsqualität. Diese bedeutete, daß der Mensch, der nach oben bisher nicht oder nur in einem ganz geringfügigen Maße offen sein konnte, nun allmählich, sodann immer mehr fähig wurde, sich nach oben zu öffnen. Er konnte sich öffnen, weil diese neue, bis anhin für den Mensch nicht vorhandene spirituelle Geistigkeit, die für die Erde höchstmögliche Erscheinungsform des Göttlichen Geistes, sich in die Erddsphäre einzulassen begann.
|
|
|
|
Mit dem Einfließen dieser spirituellen Geistigkeit in die Erdsphäre wurde das Menschsein überhöht. Es erfuhr eine neue Qualität , die der höheren Geistigkeit, und diese Geistigkeit ermöglichte überhaupt erst dem Menschen, sich Gott bewußt zu öffnen und somit Gott zu erfahren.
Eine weitere Erhöhung der Qualität und eine Steigerung der Wirksamkeit dieser spirituellen Geistigkeit erfolgen im übrigen in der Gegenwart. Darum wird es zunehmend möglich, von Gottes Plänen und seiner Schöpfung nun etwas mehr zu erfahren und JESU Botschaft tiefer als bisher zu verstehen.
Der Mensch kommt nicht von oben, er ist nicht durch einen Sturz wegen Ungehorsams gegen Gott in die irdische Materie verbannt worden. Jenes Wesen, das heute als Mensch gilt, setzt sich aus sehr vielen Schichten - namentlich aus sieben Seelenschichten und einer Basis - und einer Überschicht - zusammen. Jede dieser Schichten hat einen eigenen Ursprung und eine eigene Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte. Jede Schicht entstand immer aus zwei Entwicklungslinien, aus einer, die irdischen Ursprungs und also materiell ist, und aus einer zweiten, die geistig-seelischer Herkunft ist und also von oben an die Erde herangetragen wird. Die letzte, die höchste Schicht im Menschen entstand anläßlich der Ankunft des "ersten" Menschenpaares.
Es mußte vorher die Menschheit durch die vorangehende Entwicklung vorbereitet werden, damit sie nun die höhere, die spirituelle Geistigkeit empfangen konnte. ADAM und EVA bildeten das "erste" Menschenpaar im
tieferen Sinne, da sie die ersten Menschen waren, die tatsächlich bereits "menschlich" waren. Dies ist der Grund, warum sie sogleich in einen Konflikt gestellt werden konnten, in eine Situation also, die vorher von dem Menschen nicht hätte als Konflikt empfunden werden können, da er für die Unterscheidung von Gut und Böse noch überhaupt nicht reif war.
Gott plante das Wesen "Mensch" vor unvorstellbar langer Zeit. Er ließ die Erdsphäre nach und nach aufbauen, damit jenes Wesen entstehen konnte, das einst fähig sein sollte, bewußt an der Zurückführung der Schöpfung in Gott mitzuarbeiten. Der Mensch wurde als nicht "fix und fertig" in die Schöpfung, auf die Erde geschickt, sondern sein Entstehen wurde allmählich und mit sehr viel Bedacht und Umsicht, das Ziel stets vor Augen, in kleinen Schritten ermöglicht.
Die hohe Aufgabe des Menschen ist es nun, wahrlich zum Menschen zu werden und das Unten und das Oben , die Materie, aus der er stammt und den Geist, aus welchem er ebenfalls entspringt, in sich, in seiner Mitte, und das ist, in seiner Seele zu vereinigen. Er vereinigt die Materie und Geist, wenn er die Materie vergeistigt und den Geist mit Erfahrung des Materiellen und der Materialität "auffüllt", inhaltsvoll macht, bereichert.
Der Gedanke, der den Menschen hervorbrachte, war, ein Geschöpf zu schaffen, das nicht durch unmittelbare Erschaffung aus Gottes Hand hervorgeht, sondern den Kreislauf der Schöpfung an der entscheidenden Wende und bei der Rückführung bewußt miterlebt und bewußt mitvollzieht. Gott ist stets darauf bedacht, seinen Geschöpfen soviel an Mitarbeit zu überlassen, als sie bewältigen können, wie auch ein fürsorglicher Vater , eine liebende Mutter den Kindern von frühem Alter an schon ermöglicht, mit ihnen die Freuden an der Tätigkeit zu teilen. Seelisch reifere Kinder empfinden es ja nicht als Fron, sondern als Gunst, wenn sie mithelfen und somit zeigen dürfen, was sie bereits können.
|
|
|
|
Dem Wesen "Mensch" wurde eine hohe Aufgabe zugemutet, ihm dafür aber auch eine überaus hohe und im Kosmos nicht alltägliche Belohnung zugedacht. Es gibt Geschöpfe Gottes, die immer um ihn sind. Sie sind die Engel einer großen Anzahl der Engelsordnungen, die von Anfang an - falls es bei ihnen sinnvoll ist, von "Anfang" zu reden - in der Nähe Gottes leben und sein Angesicht - wie die Engel der Kinder (Mt 18,10) - stets sehen dürfen. Sie sind somit einer ununterbrochenen Seligkeit teilhaftig. Dem Menschen aber wurde eine völlig andere Art von Seligkeit beschieden, die Seligkeit , die jemandem nach einer außergewöhnlich großen Leistung zuteil wird.
Jeder, der mit Mühe erarbeiteten Prüfungen , gemeisterten Lebenssituationen, mit Schweiss und Leiden gelösten Schwierigkeiten und Problemen und unter schweren Kämpfen bewältigten Hindernissen ausgesetzt war, wird wissen, wie groß die Freude ist, die er - vielleicht nach einer Zeit der Erschöpfung - erfahren hat, da er etwas Großes hat leisten können. Es ist die Seligkeit, die einem nach getaner Arbeit beschert ist, die Seligkeit, den Auftrag erfüllt zu haben. Es ist dies jene Seligkeit, sich mit ihm , mit Gott , darüber zu freuen, daß nun die Schöpfung zu ihm zurückströmt und daß er, der Mensch, selber hat dazu beitragen dürfen.
Dann ist der Mensch bei Gott zu Tisch geladen, wie dies JESUS in seinem Gleichnis kundtut (Mt 22,1-14; Lk 14, 15-24). Es ist jenes Mahl , bei dem, nach arbeitsreichem Tag, der Knecht mit dem Patron, dem Herrn, mit Gott , am selben Tisch sitzt,das heißt, an seiner Freude und an der Seligkeit der Engel teilhat, einer Freude, einer Seligkeit, die dem Gefühl entspringt, zum Gelingen beigetragen zu haben.
GOTT, der das Wesen "Mensch" wie eine Sumpfblume aus dem Schlamm herauswachsen , durch das Böse und durch das Leiden nähren läßt, weiß nur zu genau, was er tut. Er zeigt dem Menschen, daß er ein Teil seiner irdischen Schöpfung ist, ein Teil, der mit dem Ganzen völlig verwachsen, ja mit ihm identisch ist. Und er gbit ihm die Möglichkeit, indem er sich selber durch diese irdische Masse hindrucharbeitet, auch diesen Teil des Irdischen in die Entwicklung mitzunehmen, ihn mitzuvergeistigen.
Tritt die spirituelle Geistigkeit in die Menschheit, so ist damit das Zeichen gegeben, daß der Vergeistigungsprozeß der Erdspähre und damit der Zurückführung der irdischen Schöpfung zu Gott ihren Anfang nimmt. Der Mensch beteiligt sich am Vorgang der Vergeistigung , er ist Gehilfe all jener Kräfte, die die Vergeistigung vorantreiben. Er ist Mitarbeiter jenes Seelenpaares, das ausschließlich darum auf die Erde gesandt wurde, damit es der Menschheit die Vergeistigung ermögliche und die Vergeistigung der Erdsphäre in sich, in der eigenen Seele eines jeden , stattfinden könne.
Das Seelenpaar, das als ADAM und EVA seine irdische Aufgabe in Angriff nahm, vollendete sie im irdischen Bereich als JESUS und seine Mutter MARIA. Er wurde beim Abschluß seiner unmittelbar irdischen Wirksamkeit , bei Vollendung seines Erlösungwerkes , zu Christus, sie zur Himmelskönigin, durch die seitdem die weibliche Liebe des Vaters auf die Menschheit herabströmt.
Sie wirken freilich weiterhin und unentwegt weiter, für viele noch unerkennbar und noch im Unsichtbaren, für etliche aber schon immer wieder - zumindest auf der Kosmischen Ebene - deutlich wahrnehmbar, doch allen - ob sie erkannt oder nicht - stets gegenwärtig.
Der Mensch aber, der im wahren Sinne zum Menschen wird, und das bedeutet in seiner Entwicklung, daß er aus dem inneren Alter des Kindseins herauswächst und beginnt, erwachsen zu werden, sieht immer mehr und immer klarer ein, wie lohnend und im Grunde wie schön seine Aufgabe , die Aufgabe, Mensch zu sein, ist, wächst er doch immer mehr in jene große Gemeinschaft hinein, in welcher der Vater und der Sohn mit allen Himmlischen und mit allen, die nun bewußt an der Ausführung ihres Auftrags arbeiten, ihre unendliche Liebe zu allen teilen.
Quelle: "Vaterunser" A.Gosztonyi
|
|
|
|
Ausschnitte aus dem Abschnitt:
Die Erlösung von dem Bösen und die Erlösungsbereitschaft:
.....
Wenn nun jemand behauptet, es sei Gottes Wille, dass sich der Mensch in einem einzigen irdischen Leben entwickle und jene Früchte trage, deren Reifung einer sehr langen Entwicklungszeit bedarf, so hält er Gott ebenfalls für einen Einfaltspinsel. Denn dann würde Gott vom Menschen etwas verlangen, wovon er wissen müßte, daß der Mensch es mangels Reife noch nicht leisten kann. Jeder Vernünftige weiß, wie töricht es ist, von einem Kind etwas zu verlangen, wozu es noch nicht fähig ist.
Aber nicht nur Gott, auch ein einigermaßen reifer Mensch sollte wissen, wozu ein Mensch überhaupt fähig ist und wozu nicht. Diesbezüglich herrscht allerdingt, wie täglich zu erfahren ist, mehr Illusion als Einsicht.
|
|
|