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Mythologie












Hallo Zaf-Ad,

Zitat:
Eindeutig gute Punkte, doch für das Verständnis brauche ich einige "Fehler-Beispiele" aus dem Islam und aus dem Judentum, damit ich die Fehlerart verstehe, die du anvisierst und meinst.
Sind es wissenschaftliche Fehler?
Oder Widersprüche innerhalb der Schrift?

Weder noch in diesem Fall.
Es ist eher eine Aussenbetrachtung.
Insofern ist eher die Frage "Werden alle Ursachen realer Situationen durch Religionen abgedeckt?" "Lassen sich alle Dinge und Ereignisse durch eine Religion erklaeren?"

Beispiele:
1. Zu Zeiten in denen Mangels naturwissenschaftlichen Wissens Mythologie grossgeschrieben wurde, mussten beispielsweise natuerliche Phaenomene erklaert werden. Wenn also jemand an einer damals unbekannten Krankheit verstarb, so war das eine Strafe Gottes. Das klang plausibel, denn "nur Gott ist so maechtig, dass er den boesen Fluch in Form einer Krankheit ausprechen kann, die den Menschen zerstoert". Folglich wurde nach schlimmen Dingen in der Biographie des armen verstorbenen Suenders gesucht. Fand man ihn, schups, war der "Beweis" fuer die Richtigkeit der Theorie erbracht.
Zu jener Zeit passt also Religion und wahrgenommene Realitaet recht gut zusammen. Religion war das Erklaerungsmodell der Wirklichkeit unter Beruecksichtigung des Standes der Wissenschaft.
Das Problem ist, das sich Wissenschaft und Gesellschaft fortentwickeln, die Formulierung eines Erklaerungsmodells (einer Religion) jedoch nicht (Ausnahme Baha'i)

2. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse schreiten fort, das Allgemeinwissen nimmt zu, die Glaubwuerdigkeit der alten Erklaerungen nimmt ab. Was tun?
Ein neues Modell muss her. Gesagt, getan. Die "neue" Religion beruecksicht den aktuellen Kenntnisstand der Bevoelkerung und der Wissenschaft. Schreibt diesen erneut fest und erreicht erneut ein "Matching" mit der Wirklichkeit. Gott ist zwar auf dem Rueckzug, spricht nicht mehr nun erklaerbare Krankheiten aus, sondern ist jetzt fuer z.B. noch nicht erklaerbare Naturkatastrophen verantwortlich und existiert mehr auf einer Metaebene (in den Herzen/Seelen der Glaubigen)
Auch Wunder werden kleiner und seltener, denn sie muessen fuer die Menschen weiterhin plausibel klingen.

3. Heuzutage haben wir eine Hochkomplexe Informationsgesellschaft, die mit Lichtgeschwindigkeit Informationen weltweit austauscht, in der in internationalen Kooperationen interdisziplinaer geforscht wird (und das seit Jahrzehnten), in denen die Menschen zum Teil ein grosses Allgemeinwissen haben und via Internet Zugriff auf annaehernd alles Wissen der Welt haben.
Erklaerungen sind hochkomplex: So ist die Krankheit, die einst ein Fluch Gottes war, spaeter durch z.B. die Lehren Galens erklaert wurde, heute eine Funktionsstoerung, deren Ursachen sowohl im psycho-sozialen Umfeld, der genetischen Vorbelastung als auch in einem aktuellen Anlass (welcher wiederum eine Kombination aus psychischen und physischen Faktoren sein kann) erkannt werden.
So ist (sollte sein) eine ausfuehrliche Anamnese im Detail jedesmal ein kleines Kunstwerk interdisziplinaerer Wechselwirkungen.

Sowohl auf diesem Gebiet, als auch auf anderen waechst das Wissen exponentiell, so das in der heutigen Zeit ein "Festschreiben" der Wissenschaft innerhalb eines neuen Erklaerungsmodells auf Grund seiner Entwicklungsgeschwindigkeit und seines Umfangs kaum mehr moeglich ist.
Die Komplexitaet ist zu hoch.
Was bleibt ist die Metaebene, der Gott in den Herzen der Menschen und der Gott dessen, was prinzipiell ausserhalb der moeglichen Erfahrungswelt des Menschen und seiner Hilfsmittel liegt.
Damit wird Gott notgedrungen weiter in die Unbeweisbarkeit zurueckgeschoben.

Soviel an dieser Stelle

Gruss
Martin
Forum -> Spiegel- und Reflexionsforum II


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