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Entwicklung Des Monotheismus














Ich philosophiere gerade etwas ueber die Geschichte des Monotheismusses.
Auf Basis von ein wenig Internet Recherche habe ich mal die o.g. Graphik entworfen.

Mit abnehmenden Mystizismus und steigendem Rationalismus werden die Ausformungen der Religionen (Schriften) immer fehlerhafter und widerspruechlicher. Warum? Liegt das am Verlust des Gefuehls fuer Mystik?

Gleichzeitig wachsen die Mitgliederzahlen der aktiv Glaeubigen trotz steigender Fehlerzahl der Religionen pro Zeiteinheit umso schneller, je juenger die Religionen sind. Ist das die natuerliche Gegenreaktion? Eine Absage der Menschen an die zunehmende Komplexitaet der Welt und der damit einher gehenden Orientierungslosigkeit, basierend auf dem Wunsch nach einfachen, ueberschaubaren Strukturen? Dabei scheit diejenige Religion bevorzugt zu werden, welche die Juengste ist.
Sie beruecksichtigt quanitativ mehr reale Strukturen und so meint der Suchende daher naeher an der Realitaet zu sein als bei der Wahl der aelteren Religionen.

Aber ist die Zunahme der Fehler und Widersprueche nicht evtl. sogar unausweichlich, da die Religionen mit steigender Rationalitaet und Komplexitaet umgehen muessen und alleine deshalb zwangslaeufig an dem Versuch einer (zu) umfassenden Erklaerung scheitern?

Zeigt das Schaubild deshalb die zunehmende Divergenz von Wirklichkeit und Religion?

Ist das evtl auch der Grund, warum nach dem Islam keiner weitere Religion folgte? (Ausser der Baha'i, die in diese Theorie nicht passt, da sie meines Wissens die einzige Religion ist, die offen und deshalb dynamisch strukturiert ist. Das heisst, sie behauptet nicht endgueltige Loesungen und Wahrheiten zu kennen sondern macht sie zum Objekt der Forschung, was sie mir sehr sympatisch macht)

Lassen sich vieleicht so auch Verformungen von Glaubensinhalten erklaeren? Denn wie immer bei der "Stillen Post" werden bei Unsicherheiten in der Interpretation Modifikationen vorgenommen. Diese orientieren sich an der Geisteswelt dessen, der die Information weiter zu geben hat. Diese Geisteswelt jedoch aendert sich mit abnehmenden Mystizismus und steigendem Rationalismus. So sind die Ergebnisse der Stillen Post immer ein Spiegel der Geisteswelt im jeweiligen Stadium.

Aus alledem ergaebe sich die Forderung nach einer Reinterpretation der monotheistischen Religion oder eben noch besser, die Formulierung einer offenen, dynamischen Religion.

Dieses kaeme einer Reformation des Glaubens gleich. Sie wuerde sich dadurch spezifizieren das;

1. Religion sich auf (wenig komplexen) Urspruenge des Monotheismuses konzentrieren sollte,
2. dadurch die Fehlertraechtigkeit senken sollte,
3. deshalb allen erkenntnistheoretischen Aspekten standhielte,
4. zu einer Gleichschaltung von Islam, Christentum und Judentum, zu einer einzigen universellen monotheistischen Religion fuehren koennte,
5. durch die erneute Anpassung an die Realitaet mit geringerer Fehlerzahl, naeher am urspruenglichen Glauben waere.

Alleine durch die Reduktion auf die in allen 3 monotheistischen Religionen gleichlautenden Inhalte kaeme eine erhoehte Attraktivitaet zustande, da die Komplexitaet der Religion vermutlich abnaehme.

Ich glaube das die Lehren Baha'u'llahs sehr nahe an diese Forderungen heranreichen. Das die Religion also die auf seinen Ideen beruht z.Z. vermutlich das Optimum an Konvergenz darstellt.

Gruss
Martin
Hallo Martin!

Eindeutig gute Punkte, doch für das Verständnis brauche ich einige "Fehler-Beispiele" aus dem Islam und aus dem Judentum, damit ich die Fehlerart verstehe, die du anvisierst und meinst.

Sind es wissenschaftliche Fehler?

Oder Widersprüche innerhalb der Schrift?

LG
Zaf-Ad
Hallo Zaf-Ad,

Zitat:
Eindeutig gute Punkte, doch für das Verständnis brauche ich einige "Fehler-Beispiele" aus dem Islam und aus dem Judentum, damit ich die Fehlerart verstehe, die du anvisierst und meinst.
Sind es wissenschaftliche Fehler?
Oder Widersprüche innerhalb der Schrift?

Weder noch in diesem Fall.
Es ist eher eine Aussenbetrachtung.
Insofern ist eher die Frage "Werden alle Ursachen realer Situationen durch Religionen abgedeckt?" "Lassen sich alle Dinge und Ereignisse durch eine Religion erklaeren?"

Beispiele:
1. Zu Zeiten in denen Mangels naturwissenschaftlichen Wissens Mythologie grossgeschrieben wurde, mussten beispielsweise natuerliche Phaenomene erklaert werden. Wenn also jemand an einer damals unbekannten Krankheit verstarb, so war das eine Strafe Gottes. Das klang plausibel, denn "nur Gott ist so maechtig, dass er den boesen Fluch in Form einer Krankheit ausprechen kann, die den Menschen zerstoert". Folglich wurde nach schlimmen Dingen in der Biographie des armen verstorbenen Suenders gesucht. Fand man ihn, schups, war der "Beweis" fuer die Richtigkeit der Theorie erbracht.
Zu jener Zeit passt also Religion und wahrgenommene Realitaet recht gut zusammen. Religion war das Erklaerungsmodell der Wirklichkeit unter Beruecksichtigung des Standes der Wissenschaft.
Das Problem ist, das sich Wissenschaft und Gesellschaft fortentwickeln, die Formulierung eines Erklaerungsmodells (einer Religion) jedoch nicht (Ausnahme Baha'i)

2. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse schreiten fort, das Allgemeinwissen nimmt zu, die Glaubwuerdigkeit der alten Erklaerungen nimmt ab. Was tun?
Ein neues Modell muss her. Gesagt, getan. Die "neue" Religion beruecksicht den aktuellen Kenntnisstand der Bevoelkerung und der Wissenschaft. Schreibt diesen erneut fest und erreicht erneut ein "Matching" mit der Wirklichkeit. Gott ist zwar auf dem Rueckzug, spricht nicht mehr nun erklaerbare Krankheiten aus, sondern ist jetzt fuer z.B. noch nicht erklaerbare Naturkatastrophen verantwortlich und existiert mehr auf einer Metaebene (in den Herzen/Seelen der Glaubigen)
Auch Wunder werden kleiner und seltener, denn sie muessen fuer die Menschen weiterhin plausibel klingen.

3. Heuzutage haben wir eine Hochkomplexe Informationsgesellschaft, die mit Lichtgeschwindigkeit Informationen weltweit austauscht, in der in internationalen Kooperationen interdisziplinaer geforscht wird (und das seit Jahrzehnten), in denen die Menschen zum Teil ein grosses Allgemeinwissen haben und via Internet Zugriff auf annaehernd alles Wissen der Welt haben.
Erklaerungen sind hochkomplex: So ist die Krankheit, die einst ein Fluch Gottes war, spaeter durch z.B. die Lehren Galens erklaert wurde, heute eine Funktionsstoerung, deren Ursachen sowohl im psycho-sozialen Umfeld, der genetischen Vorbelastung als auch in einem aktuellen Anlass (welcher wiederum eine Kombination aus psychischen und physischen Faktoren sein kann) erkannt werden.
So ist (sollte sein) eine ausfuehrliche Anamnese im Detail jedesmal ein kleines Kunstwerk interdisziplinaerer Wechselwirkungen.

Sowohl auf diesem Gebiet, als auch auf anderen waechst das Wissen exponentiell, so das in der heutigen Zeit ein "Festschreiben" der Wissenschaft innerhalb eines neuen Erklaerungsmodells auf Grund seiner Entwicklungsgeschwindigkeit und seines Umfangs kaum mehr moeglich ist.
Die Komplexitaet ist zu hoch.
Was bleibt ist die Metaebene, der Gott in den Herzen der Menschen und der Gott dessen, was prinzipiell ausserhalb der moeglichen Erfahrungswelt des Menschen und seiner Hilfsmittel liegt.
Damit wird Gott notgedrungen weiter in die Unbeweisbarkeit zurueckgeschoben.

Soviel an dieser Stelle

Gruss
Martin
Lieber mpoetschik,

erstmal "Vielen Dank für die Blumen... " die Du dem Bahaì Glauben gibst...

Aber wir dürfen nicht übersehen, das sowohl der Islam, als auch das Christentum in den Erklärungsmodellen von Qur`an und NT keine statische Religionsentwicklung vorsah. Weder Muhammad, noch Jesus schrieben ein statisches Welt- und Gottesbild vor - die jeweilige Geistlichkeit aus Priestern/Pfarrern, Imane/Mullah hat nach einer Zeit der Blüte (im Christentum bis zum Konzil von Niccäa, im Islam bis zur Zeit des 9. Iman) einen eher statischen Glauben gelehrt, der an der ethischen, moralischen, zivilisatorischen Entwicklung "des Volkes" teilweise weit vorbei ging. Mit zunehmender "Ver-Institutionalisierung" des jeweiligen Glaubens erlahmte auch die geistige Kraft des Glaubens - soweit, das z.B. die Weltauffassung des Herrn Ahmedenidschad oder des Herrn Bush den Inhalt der Glaubensbotschaft/der Religion, der diese Herren angehören, ins Gegenteil verkehrt (sowohl Jesus, als auch Muhammad würden "sich im Grab umdrehen" bei solchen "Anhängern").

Nach den Lehren der Baha`i-Religion hat jeder Religion ihr "Verfallsdatum" - und es gibt keinen Grund zur Annahme, das auch die Baha`i-Religion irgendwann einmal ihr Verfallsdatum erreichen wird. Irgendwann wird also doie Institutionalisierung des Glaubens in der Baha`i-Religion auch den dynamischen Fortentwicklungsprozess der Gesellschaft verhindern - wollen. Ich hoffe allerdings, dass das noch ein wenig dauert...
Lieber Thomas,

ich denke das in dem Moment, wo eine Ideologie, eine Religion oder eine Sekte fuer sich beansprucht die endgueltige Wahrheit zu kennen (und sei es nur in Teilbereichen), womoeglich sogar meint ein wahres Erklaerungsmodell zu sein, ist ihre Statik besiegelt.
Nur wenn ich Wahrheiten zum Gegenstand der Forschung mache, sie also als noch nicht gefunden, konstatiere (so wie m.W. es Baha'u'llah tat), kann ich auf eine hohe Eigendynamik des Modells setzen.

Das zunehmender "Ver-Institutionalisierung" jedoch durch definierte endgueltige Wahrheiten gefoerdert wird, steht ausser Frage.

Gruss
Martin
Forum -> Judentum und Christentum


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