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Kurz vor Selbstmord!












Meine Tochter hat eines Tage auf ihrer Arbeit gekündigt, sich den Rucksack umgeschnallt und als Rucksacktourist nach Indien geflogen, um dort von Süden bis Norden das Land zu durchwandern.
Sie hat viel erlebt und gesehen und nicht immer das Beste.

Es kann wirklich manchmal eine Therapie sein - wenn man viele Fragen an das Leben hat - und wer glaubt, er könne mit dem Selbstmord einer Sache ausweichen, der täuscht sich - wenn er oben ankommt und nicht gleich eingelassen wird, der wird sich wundern.

Wenn man wirklich an Gott glaubt, müßte es doch möglich sein, ihn um den Tod zu bitten, ehe man selbst Hand anlegt - oder sehe ich das so falsch - wenn der Gottesglaube so stark ist, müßte alles möglich sein - oder aber , man glaubt nicht genug oder Gott ist nicht stark genug.

Dann aber ist es nicht Gott.

"Die Welt sieht für ihn auch in anderen Belangen völlig anders aus als während seines "paradiesischen" Lebens. Vieles von dem, ws in seinem "Kinder-Paradies" noch als "gut" galt, kehrt sich in dieser zweiten Etappe in ihr Gegenteil um und wird als "falsch" , "irrtümlich", wenn nicht als "schlecht" oder "böse" bewertet. Hinzu kommt, daß er - bereits von er Mitte der zweiten Entwicklungsstufe an - beginnt, die Last der Vergangenheit: das Karma auch im Negativen zu spüren. Kein Wunder, daß der Mensch das irdische Leben nicht mehr als "Paradies" , sondern eher als "Jammertal" empfindet, das zu durchwandern ihm immer mehr Mühe kostet. Seine Lust, auf die Erde zu gehen und sich zu inkarnieren, nimmt dermaßen ab, daß er mitunter gezwungen werden muß, das irdische Leben anzutreten.
In der zweiten Etappe wird der Mensch genötigt, sich mit sich selber und seiner Welt auseinanderzusetzen. In der Mitte dieser Etappe beginnt die Phase des inneren Kampfes und der Reinigung der Seele.
Diese Phase erstreckt sich bis auf die höheren Entwicklungsstufen hinauf und läuft erst gegen Ende der dritten Etappe allmählich aus. "
Salam
Ich habe meine Frau gefragt und die meinte:
Selbstmord ist ein Zeichen für einen schwachen Glauben.

Stimmt natürlich....
Wer glaubt, fühlt sich geborgen.
Wer sich geborgen fühlt, hat keine Selbstmordabsichten.
Gruss
Liebe Joop,

also, ein Mensch mit einer Behinderung ist halt auch ein Mensch wie die anderen auch. Der eine hat blaue Augen, die andere blonde Haare, jemand hat ein schweres Schicksal, diese da kommt mit ihrer Ehe nicht zu Recht, der dort mit einer Krankheit nicht - jedes Leben ist bis an den Rand angefüllt mit Leid, aber auch mit Freude. Und ich hinke und du hast rote Hände. Na und?

Ich habe im Pschyrembel nachgeschlagen über das R-Syndrom. Das ist ja wirklich etwas Ekelhaftes. Und es ist etwas hormonelles, das heißt, dass man viel Geduld haben muss, bis man herausfindet, was es auslöst und wie das zu behandeln ist. Und schmerzhaft ist es auch? Das finde ich viel schlimmer als die Farbe Deiner Hände.

Ich kann gut verstehen, dass Dir diese neue, fremde Diagnose Angst macht, denn sicher hast Du vorher - so wie ich - noch niemals von diesem Syndrom gehört. Informiere Dich, werde zur Fachfrau für Deine Krankheit! Liefere Dich nicht aus an andere, die alles wissen (angeblich!) und Dir sagen, was Du machen sollst. Sei selbst die Queen!

Im Internet habe ich auf Anhieb ziemlich viel über diese Krankheit gefunden, auch Behandlungsmöglichkeiten sind dort aufgelistet. Ebenso Kliniken, die sich auf die Behandlung des Syndroms spezialisiert haben.

Wenn ich eine neue Krankheit bekomme, dann informiere ich mich auf allen Kanälen, hole auch Zweitmeinungen bei anderen Ärzten ein, schaue, wo ich Studien finde (geht gut übers Internet) und diskutiere dann mit meinen Ärzten, frage nach, bis ich so gut Bescheid weiß, dass ich weniger Angst habe. Denn Nichtwissen macht Angst.

Wenn Dir das Nitroglyzerin gut getan hat, Du es halt wegen des Blutdrucks nicht vertragen hast, dann heißt das doch, dass es Behandlungsmethoden gibt, Du halt so lange suchen mußt, bis die Nebenwirkungen auf ein Minimum reduziert werden. Also nicht aufgeben!

Das ist das eine Problem. Ich glaube aber fast, das Mobbing Deiner Umgebung trifft Dich noch viel härter.
Du brauchst jemanden wie meine Omi, ich habe Dir die Geschichte nicht einfach so erzählt. Du brauchst jemanden, der Deiner Umgebung sehr deutlich sagt, was Sache ist. Denn nach meiner Erfahrung besteht dann die Chance, dass das Mobbing aufhört.

Du schreibst, dass du viel arbeitest. Heißt das, dass Dir Deine Arbeit Spaß macht? Das wäre doch schön. Aber Du schreibst, Du bist eine Gefangene, weil Du Dein Leben der Arbeit geopfert hast. Auch da gibt es Möglichkeiten, die guten Seiten zu verstärken und die schlechten einzudämmen.

Ich bin auch schon einmal fast "drüben" gewesen, und auch ich weiß, wie hell und strahlend vor Liebe das andere Land ist. Aber ich denke mir, dass es sicher kein Zufall ist, dass ich noch hier bin, und ich möchte meine Sache hier so gut wie möglich machen. Und es ist ja nicht so, dass wir ewig im tiefsten Loch sind, es geht ja immer auch wieder aufwärts. Und dann hat man viel gelernt in der Tiefe, nachträglich, allerdings wirklich nachträglich hat es sich gelohnt, das durchgestanden zu haben.

Wenn in Deinem Leben viel schiefgelaufen ist und das schon in der Kindheit angefangen hat, dann hast Du natürlich nicht so viele Ressourcen, wie es wünschenswert wäre. Aber da ist immer noch Gott, der Dich, so wie Du bist wollte und der dich liebt und Dich einhüllt in seine Liebe, wenn Du das möchtest. Fehlende Liebe im Leben kann man gut ausgleichen mit Spiritualität. Allerdings ist auch dies ein Weg, es geht nicht von jetzt auf gleich.

Und beziehungsunfähig sind wir doch alle immer mal wieder und immer mal wieder nicht. Auch das ist ein Weg und auch das geht nicht von jetzt auf gleich.

Geh neue Wege, suche Dir einen Sinn. Man muss nicht immer gleich in ein tibetisches Kloster gehen wie Martin es vorschlägt, aber auch das ist ein Weg. Such Dir Deinen eigenen, du findest ihn, da bin ich sicher.

Geh die Punkte, die Du angesprochen hast Schritt für Schritt an:
- Infos über Deine Krankheit
- Auseinandersetzung mit den Ärzten
- Suche nach Hilfe beim Mobbing

Wenn Du das möchtest, so würde ich Dich gerne begleiten auf Deinem Weg. Und es ist mir egal, wenn Du erst spät schreiben kannst, ich schreib dann halt, wenn ich kann.

Inanna

Joop, Deine leuchtenden Tage kommen noch!
Inanna, ich glaube bei mir hat es ausgeleuchet. Ich arbeite eigentlich nur mehr um mich zu erhalten und es ist auch eine Art Flucht. Wenn das eine nur alles wäre. Ich putsche mich, um all dem noch gewachsen zu sein, jahrelang auf. Aber nicht mal das nützt mehr was. Trotz dem ganzen Zeug bin ich müde, unendlich müde.
Jeder Weg, auch wenn er noch so kurz ist, ist für mich schon eine enorme Anstrengung.
Eine kleine Ewigkeit schlage ich mich mit meinem Essproblem rum. Mit den Mitteln schaffe ich es fast immer (fast, aber immer seltener) einen Essanfall zu verhinden. Es kostet alles einfach so viel Energie, so viel habe ich nicht mehr davon, eigentlich hab ich gar keine mehr.

Ich habe auch über die Krankheit im Internet gelesen, aber bald wieder "zugeschlagen", weil ich mich damit nicht konfrontieren möchte.
Mobbing belastet mich um ein vielfaches mehr, du hast recht. Mich stören meine Hände auch nicht, aber möchtest du unentwegt angestarrt werden?

Martin`s Idee mit dem Kloster hört sich toll an. Davon träume ich schon lange. Aber das wird wohl ein Traum bleiben.
Selbst für das bin ich schon zu müde. Ich habe keine Pläne und kein Ziel mehr.
Zum ersten Mal höre ich von jemanden, dass Selbstmord viel Mut kostet. Genau dassag ich auch immer. Man hört sonst immer nur, dass SM feige ist. Ich finde SM sogar sehr mutig. Um das zu schaffen muss man den richtigen Moment abwarten. Einfach ein hoffnungs-, aussichtsloser Moment mit total depressiver Stimmung. Dem rücke ich immer näher.
Inanna, ich komm da nicht mehr raus. Ich bin depressiv, abhängig, einsam, müde, hoffungslos erschöpft. Seit mindestens einem Jahr ziehe ich meine Vorhänge nicht auf.
Warum? Warum kann ich nicht so leben wie die meisten anderen. Einmal in einem Straßencafe zu sitzen und ohne schlechtem Gewissen ein Eis essen. Das scheitert schon daran, dass ich niemanden habe. Das einzige was ich noch kann ist jammern. Das tu ich gerade, ich jammere und hab nicht mal das Recht dazu.
Holt mich bitte da raus, ich kann nicht mehr.

Joop
Liebe, liebe Joop,
du hast wirklich viel zu lange gewartet, bis du dir Hilfe geholt hast. Jetzt bist du voller Verzweiflung und einfach müde, hast keine Kraft mehr.

Bitte sage mir, was ich - oder ein anderer hier - tun können, um dich "rauszuholen". Wenn ich mehr über dich und dein Leben wüßte, würde mir bestimmt auch von alleine etwas einfallen. Ich möchte nämlich, dass du bei uns bleibst.

Wenn ich mir vorstelle, Joop antwortet nicht mehr .... das wäre sehr schlimm. Für mich und auch für andere hier. Bleib bei uns.

Bitte versprich mir, dass du unserem Gespräch noch 4 Wochen Zeit gibst. 4 Wochen nichts anstellst. Vielleicht finden wir einen Weg, den du gehen kannst, um aus deiner Sackgasse herauszukommen. Versprichst du mir das?

Heute vormittag bin ich mit einem Mädchen in die Psychiatrie gefahren, dort ruht sie sich jetzt aus. Sie hat eine posttraumatische Belastungsstörung, wurde von ihrem Vater mißbraucht, hat eine Eßstörung, schneidet sich, hat Krampfanfälle, ein entzündetes Fersenbein und und und ...

Sie erinnert mich an Dich. Eines kommt zum anderen, es wird immer mehr, immer mehr ... irgendwann kann man nicht mehr.

Joop, du bist krank, schwer krank. Hol dir Hilfe. Ich garantiere dir, dass du dann irgendwann einmal im Straßencafe sitzt und ohne schlechtes Gewissen ein Eis ißt! Am liebsten würde ich das mit dir zusammen tun (ich bin auch zu dick!)

Geh in ein Krankenhaus, laß Dich behandeln. Heute ist Psychiatrie nichts schlimmes mehr. Ich kenne viele Menschen, die ein richtig schönes Leben wieder leben können, wenn sie die richtigen Medikamente endlich haben. Weißt du, dass Depression als Todesursache gleich nach Krebs kommt? Dabei gibt es so viele, gute Medikamente dagegen. Es ist einfach ein Drama, dass es auch heutzutage immer noch Menschen gibt, die sich nicht behandeln lassen wollen.

Du darfst jammern! Ich erlaube dir das! Wenn du nicht jammern darfst, wer darf es denn dann?

Schenk mir die vier Wochen Zeit, bitte! Und such Dir Hilfe. Geh zu einer Beratungsstelle, geh zu einer Psychologin, tu irgendwas, auch wenn du zu müde dazu bist.

Und dann, wenn es dir besser geht, dann läßt du dir von Martin ganz genau sagen, wie man das macht, in ein tibetisches Kloster zu gehen. Es muss kein Traum bleiben. So weit ich weiß, ist der Flug das teuerste. Das Leben dort ist ganz billig.

Ich weiß, dass Selbstmord nichts mit Feigheit zu tun hat. Aber die Kraft und die Energie, die du brauchst, um dich zu töten, die kannst du auch benutzen, um einen neuen Weg zu finden für ein glückliches Leben.

Ich will mit dir Eis essen gehen! Und ich nehme dich mit in meine Meditation!

Inanna
Forum -> Psychologie und Psyche

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