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Kurz vor Selbstmord!












Liebe Joop,
ja, das ist wirklich verrückt - Du hast allen Ernstes schon ein Datum für Deinen Selbstmord?

Hol Dir Hilfe! Das ständige Denken an Selbstmord ist ein Zeichen, dass Du alleine nicht mehr weiter kommst, dass Du immer tiefer in die Sackgasse Suicid hineintreibst.

Ich glaube, dass alle sensiblen, denkenden Menschen irgendwann in ihrem Leben sich mit Selbstmord auseinandergesetzt haben. Die Weltliteratur ist ja voll von diesem Thema!

Aber ich glaube auch, dass es eine Phase ist, die man überwinden kann. Viele Menschen, die schon nah vor dem Selbstmord standen, genießen danach ihr Leben aus vollen Zügen. Nimm Dir nicht diese Möglichkeit eines glücklichen Lebens - später.

Und ich bin sicher, dass du das auch schaffen wirst: nicht umsonst hast Du Dir so einen schönen Spruch ausgewählt:
Leuchtende Tage - nicht weinen, dass sie vorüber, sondern lächeln, dass sie gewesen!

Inanna
Hallo Inanna!

Danke für deine Antwort. Du magst ja recht haben, aber ich befinde mich in einer Situation, die mich an gar nichts mehr anderes denken lässt.
Du wirst es mir nicht glauben, aber man hat mich zum Clown einer ganzen Stadt gemacht. Die dafür "Zuständigen" wissen nicht was sie mir angetan haben. Keine Minute, die ich Zeit zum Denken habe, vergeht, ohne dass ich nicht an das Geschehene und Geschehen denke. Wann wache ich aus dem Albtraum endlich auf?
Ich habe nicht so weiße Hände wie die anderen und deshalb glauben alle, dass ich eine ansteckende Krankheit habe. Ich habe mir nie was dabei gedacht. Für mich war meine rötliche Farbe eigentlich normal. Das vor die Tür gehen artet derart massiv in Stress aus, dass ich schon gar nicht mehr raus mag. Leider bin ich der Typ, der nicht zuhause bleiben kann, weil ich etwas um mich sehen möchte. Ich habe keine Freunde und keine Bekannten und gehe deshalb einfach gerne durch die Straßen. Aber so? Es glotzen aber nur jene, die auf meine Hände aufmerksam gemacht wurden. Das sind quasi alle, mit denen ich irgendwie in Kontakt komme. Sag mir was ich tun soll! Sag mir bitte nicht, dass ich das ignorieren soll. Ich habe es versucht. ICH KANN NICHT MEHR. ICH KANN EINFACH NICHT MEHR UND SO WILL ICH NICHT MEHR WEITERLEBEN. ICH HABE DIESES LEBEN SATT. Und ein anderes Leben gibt es nicht mehr. Das war mein Leben, mein sinnloses Dasein.

Lg, Joop
Oh liebe Joop,

das ist ja einfach schrecklich, was man Dir da antut! Und die Deppen haben keine Ahnung, welches Verbrechen sie begehen!

Hast Du denn niemanden, mit dem Du reden kannst, hast Du niemanden, der Dir hilft? Rausgeht und den doofen Leuten laut und deutlich die Meinung sagt?

Ich kann Dich so gut verstehen: ich habe eine angeborene Behinderung und habe mein Leben lang gehinkt. Als ich noch Kind war, haben "böse Buben" mir den Namen "Entewackele" angehängt, das ist schwäbisch und heißt so was wie wackelnde Ente. Ich denke noch heute dran, wenn ich eine Ente laufen sehe. Es war furchtbar.

Aber ich hatte auch eine Großmutter, meine Omi. Diese ist wutentbrannt losgezogen und hat sich die Kinder im Dorf gepackt und sie zusammengeschimpft.
Das tut mir noch heute gut.

Gibt es denn keine Möglichkeit, Dich zu befreien von dem Mobbing der ganzen Stadt? Willst Du mal erzählen, wie Du lebst, vielleicht finden wir gemeinsam eine Möglichkeit, die Spirale des Mobbing und Deine Verzweiflung zu durchbrechen?

Schreib mir - wenn Du magst - eine persönliche Nachricht, vielleicht können wir Telefonnummern tauschen.

Bitte Joop, melde Dich bald!
Es denkt an Dich
die Inanna
Inanna, Du bist total lieb. Echt, so etwas kenne ich schon gar nicht mehr.
Ich hab mir schon des öfteren gedacht wie sich wohl ein Mensch mit einer Behinderung fühlen mag.

Ich habe absolut niemanden mit dem ich darüber reden kann. Wahrscheinlich würde man mich für verrückt halten.
Unlängst hat man festgestellt, dass ich das Raynaud-Syndrom habe. Ich habe nicht immer rote Finger, manchmal sind sie auch weiß. Seit ein paar Monaten habe ich auch richtige Finderödeme. Das macht mich total fertig, weil ich nicht weiß was das bedeuten soll. Morgen gehe ich wieder zur Hautärztin. Ich möchte jetzt endlich wissen was mit meinen Fingern los ist. Damals, als man das R.-Syndrom festgestellt hat, hatte ich vor der Untersuchung Nitrat (Nitroglyzerin heißt das, glaube ich) bekommen. Ich sag Dir, ich habe mich nie so wohl gefühlt mit den Fingern. Die haben richtig "geatmet" und ausserdem waren die Hände ein paar Tage weiß. Es ist nur so, dass davon der Blutdruck stark abfällt. Mir ist schon ganz schwarz vor den Augen geworden und ich habe gehofft, dass ich bald gehen kann, weil ich wäre fast umgefallen. Das wär nicht so toll gewesen.
Ich kapier diese Welt einfach nicht. Irgendwelche Leute sehen irgendwas, habe keine Ahnung davon und erzählen weiß Gott was herum. Meine Seele ist so was von verletzt. So etwas kann man auch nicht wieder gut machen. Du weißt ja wie die Leute sind.
In meinem Leben scheint überhaupt alles schiefgelaufen zu sein, was nur schieflaufen kann. Das hat schon in der Kindheit angefangen. Heute bin ich nicht mal beziehungsfähig. Und dann kriegt man immer und immer wieder einen Schlag ins Gesicht. Ich bin einfach schon total fertig, burnout und sehe absolut keinen Sinn mehr, weil ich auch einfach nur mehr müde bin. Müde von der Arbeit, müde von dieser Hetzjagd, müde von diesem Leben. Das Dazwischen-Leben war meine schönste Zeit. Ich wäre fast schon mal hinüber gegangen. Damals hat man mir den Magen ausgepumpt. Ich hatte was genommen, mit Coca Cola vermischt und anscheinend ist es mir nicht bekommen. Was ich aber so erlebt habe, das war ein Traum.

Dir ging es aber auch nicht besser. Ich bin so froh für Dich, dass Dir Deine Omi das Leben "gerettet" hat.

Wenn wir uns weiter unterhalten könnten würde ich mich freuen. Es ist nur so, dass ich während der Woche immer erst spät abends heimkomme. Das heißt, dass ich Dir erst spät antworten kann. Aber es gibt ja noch den nächsten Tag.

Ich wünsche Dir noch einen schönen Sonntag.

Deine Joop

PS. Bevor Du mich fragst warum ich keine Freunde und keine Bekannten habe. Ich habe mein Leben der Arbeit geopfert. So kann man`s nennen. Tu das nie, aus dem Kreis kommst Du nämlich nicht mehr raus. Du bist eine Gefangene.
Liebe Joop

Bevor Du Dein Leben weg wirfst, kannst Du doch noch was ganz anderes ausprobieren.

Setze Deine Krankenkasse auf einen Anwartschaftsbeitrag. Dann zahlst Du nur noch ein Viertel. So ist es kaum eine finanzielle Belastung solange Du Weg bist. Solltest Du krank zurück kommen, wirst Du wieder aufgenommen. Such Dir irgend ein Ziel, das weit weit weg ist und wo man günstig leben kann. Meines war damals Rishikesh am Fuße des Himalaja 150 km Nördlich von Delhi. Kann aber auch ganz wo anders sein. Besorge Dir mindestens ein 6 Monate Visum und einen entsprechenden Flug. Wichtig wäre nur, dass es dort irgendwelche Klöster gibt, so dass Du nicht untätig die Zeit absitzt. In einem Hindu-Kloster wurde ich der Karma-Jogi genannt (der Gott durch selbstlosen Dienst erreicht). Wahrscheinlich werden Deine Probleme anfangs noch größer sein, denn nun hast Du nicht mehr Dein gewohntes Umfeld, das Dich eben zum Teil auch ablenkt (obwohl das Paradox klingt). Von anderen Kulturen kannst Du wahnsinnig viel für Dein Leben lernen.

Und bitte eines (trifft vielleicht auch gar nicht zu): sage nie dazu fehlt mir der Mut! Zur Selbsttötung gehört viel mehr Mut!

Gruß Martin
Forum -> Psychologie und Psyche

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