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Ursachen für die Entstehung der Bibel












Auch mich beschäftigt seit geraumer Zeit die Frage nach den Ursachen für die Entstehung der Bibel, besonders des Alten Testaments genauso, wie die Frage nach den Hintergründen: Wann und von wem die Bibeltexte geschrieben wurden, welches Ziel wurde damit verfolgt, wurden die Bibeltexte mit der klaren Absicht geschrieben, einen heiligen, bindenden Text zu schaffen; wie lebten ihre Verfasser damals - wie sah die Welt, in der sie lebten aus, wer waren sie, was wirkte auf sie ein, was wussten sie, was davon hielten sie in ihren Schriften fest und was (und warum) ließen sie aus? Besonders spannend für mich ist vor allem die Frage, welchen Einflüssen die Verfasser der Bibelgeschichten ausgesetzt waren, welche Rolle spielten bei der Entstehung der Bibeltexte die in diesem Raum lebenden Völker sowie die zuvor, wie auch zur gleichen Zeit dort existierenden Hochkulturen. Mich reizen Fragen nach der Gedankenwelt der Hebräer jener Zeit und nicht uninteressant ist für mich auch eine Antwort auf die Frage, ob die Bibel wirklich ein Geschichtsbuch ist, das die Geschichte des Volkes Israel und des alten vorderen Orients detailgetreu schildert, oder ob die Bibeltexte mit Legenden, Mythen und Erzählungen gleichzusetzen sind, wie es sie im Alten Orient seit tausenden von Jahren gab?

Nach der Auswertung der archäologischen Funde der letzten zweihundert Jahre aus dem gesamten Raum, den die biblischen Texte benennen, zeichnet sich ab, dass die Texte des Alten Testaments in Teilen auf historischen Ereignissen fußen aber akribisch so zusammen gestellt wurden, dass sie außer der religiösen Botschaft (oder vielleicht gerade deswegen?) vor allem einem bestimmten Ziel dienen konnten und sollten, nämlich den nationalen Zusammenhang aller Juden als das von Jahwe auserwählte Volk zu verdeutlichen, zu festigen und für immer zu bewahren (Psalm 137, 1.5.6.).

Wie erstaunt mussten Wissenschaftler des letzten Jahrhunderts gewesen sein, als sie nach der Übersetzung zahlreicher Keilschrifttexte der Mesopotamier aus dem 3. bis 1. Jahrtausend v. Ch. feststellen mussten, dass es die ihnen aus der Bibel bekannten Erzählungen schon sehr viel früher bei den Sumerern, Akkadern und Babyloniern gab und dass selbst altpersische Texte Eingang in die Bibel fanden.

Das Volk Israel kam mit allen Völkern des Alten Orients und darüber hinaus in Berührung, sei es auf Wanderungen mit ihren Herden auf der Suche nach Weideland, sei es auf Handelswegen oder sei es auf der Suche nach neuem Siedlungsland. Abends am Lagerfeuer wurden Geschichten aus zig Völkern und Kulturen der vergangenen Jahrtausende erzählt und Neuigkeiten ausgetauscht. Die Schrift war seit dem 3. vorchristlichen Jahrtausend von den Sumerern erfunden und die in Keilschrift auf Tontafeln im Laufe der Jahrtausende von ihnen und den nachfolgenden Kulturen niedergeschriebenen Epen, Mythen, Gesetzesvorschriften, religiösen Praktiken, medizinischen Texte oder astronomischen Beobachtungen und astrologischen Deutungen wurden nicht nur eifrig in riesigen Bibliotheken gesammelt (eine davon war Assurbanipals Bibliothek in Ninive), sondern bei allen Gelegenheiten und von Generation zu Generation auch mündlich weitergereicht. Das erklärt einleuchtend, warum den damals dort lebenden Menschen die alten sumerischen Mythen sowie das gesamte Geistesgut der Völker des vorderasiatischen Raums und Ägyptens und selbst griechische sowie italisch- etruskische Überlieferungen (z.B. über Sakralverbände von sechs oder zwölf Stämmen aus dem 8.Jh. v. Ch.) vertraut waren. Die wechselseitigen Einflüsse blieben nicht aus - mehr noch, sie waren enorm!

Mich verwundert es daher nicht, dass sich so viele Parallelen in all den Werken jenes Raumes finden - die Bibel nicht ausgenommen. Besonders auffällig finde ich die zehn Gesetzte Moses, die auf dem babylonischen Codex Hammurabi aus der Zeit um 1750 v. Ch. basieren und teilweise wortwörtlich von den Bibelverfassern übernommen wurden. Lex talionis, das im gesamten Orient verbreitete Prinzip der Vergeltung „Auge um Auge, Zahn um Zahn...“, finden wir sowohl in den Paragraphen des Codex H
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