Alkohol und Narkotika in der Baha'i Religion


Hallo zusammen. Als Bahai darf man also kein alkohol trinken. Hmm grundsätzlich finde ich das gut. Ich hab mal gehört, dass ein Glas Wein am Tag gut sei. Das Abendmahl feiert man ja auch mit Wein.

Wenn man z.B. Abends eine leckere Pizza ißt und dazu ein Glas Rotwein trinkt. Es geht ja hier nicht um den Mißbrauch, sondern um den Geschmack. Es kommt ja auf die innere Stärke und Einstellung an. Also auch auf das eigene Ermessen. Ist es seitens der Bahai ein striktes Nein oder gibt es da auch so etwas wie die eigene Entscheidung ?

Ich kann mir auch gut vorstellen, dass wenn man erst mal den göttlichen Wein erfahren hat, das Bewußtsein sich verändert und man gar nicht mehr den normalen Wein braucht. Schätze das ist Erfahrungssache. Verbote sind beim ersten hinsehen ja immer problematisch. Doch wenn sie ja von Gott kommen, dann sind sie einfach nur gut und wir müssen sie halten.
Alkohol hat sich so als normal in unserer Gesellschaft angesiedelt und ich finde es immer wieder schrecklich wenn sich Leute betrinken und so erniedrigen. Da hat Bahaú´llah schon recht wenn er sagt: Edel erschuf ich dich, du erniedrigst dich selber. Alkohol macht Leben kaputt. Sicher können viele mit der Menge umgehen, aber viel mehr könne es nicht und zerstören ihr Leben und das von anderen. Ich habe da schon viele Erfahrungen gemacht. Mein Patenonkel hat sich tot getrunken, mein Vater war lange Alkoholiker und ich sehe wie ein guter Freund sehr unter dem Alkohol leidet. Und das ist einfach ein starkes Argument dafür nicht zu trinken. Handeln ist nunmal die logische Konsequenz aus dem Glauben.

Gruß Ralf
Hallo Ralf,

das Alkoholverbot für die Bahá'i ist sehr strikt, denn Alkohol gilt schon in geringsten Mengen als schädlich für den Körper. Der Konsum von Alkohol ist nur für medizinische Zwecke, d.h. in Medikamenten, erlaubt.
Und hätte Bahá'u'lláh Alkohol in Maßen erlauben wollen, wäre da das praktische Problem, daß jeder unterschiedlich viel Alkohol verträgt, bzw. anders darauf reagiert. In Russland ist eine Flasche Wodka z.B. viel weniger als hierzulande Ausserdem sind manche Leute suchtanfälliger als andere... Es gibt also keine Alternative zum Totalverbot.

Die Wirkung von Alkohol auf den Körper ist bislang kaum erforscht worden, deshalb würde ich die Behauptung, daß ein Glas Wein am Tag gesundheitsfördernd sei, kritisch betrachten.

Ich empfehle folgenden Link für weitere Infos:
http://www.stiftung-alkoholforschung.de/

Der Hauptgrund für das Alkoholverbot ist aber (von den ganzen sozialen Folgen abgesehen...) natürlich die Tatsache, daß der Verstand durch Alkoholkonsum beeinträchtigt wird. Aus diesem Grund werden generell alle Rauschmittel abgelehnt. Und Du hast Recht: der Mensch verliert im Rauschzustand seine Würde.

Zitat:
Ich kann mir auch gut vorstellen, dass wenn man erst mal den göttlichen Wein erfahren hat, das Bewußtsein sich verändert und man gar nicht mehr den normalen Wein braucht.


Guter Punkt! Da gibt es ein Zitat von Bahá'u'lláh: "Werdet trunken vom Wein der Liebe Gottes und nicht von dem, was eueren Verstand zerstört, o ihr, die ihr Ihn anbetet!" Kommt bestimmt gut wenn man jemandem sagt, man trinke kein Alkohol weil man lieber vom Wein der Liebe Gottes trunken sei als von dem, was den Verstand tötet...
Der Wein ist bei den Sufis (islamische Mystik, Rumi und Co.) eine häufige Metapher für den Zustand der Entzückung, den man durch die Nähe zu Gott erfährt. Leider wird das oft mißverstanden...

Also ich persönlich lehne Alkohol vor allem ab weil ich so ein Authentizitätsfanatiker bin. Ich habe lieber echten Spaß, an den ich mich am nächsten Morgen noch erinnern kann. Und mit Leuten unter denen ich mich nur im berauschten Zustand wohl fühlen würde, mag ich eh nicht soviel zu tun haben... Ich finde es immer wieder sehr irritierend wenn die Leute durch Alkohol auf einmal so freundlich werden. Auf solche Freundschaft kann ich irgendwie verzichten. Aber ich gebe zu: manchmal wünsche ich mir auch, ich könnte mit einem Gläschen Alkohol die Beine auf der Tanzfläche auflockern... aber machen würd ichs nie!
Liebe Freunde
Die Sache mit dem Alkohol ist glaube ich nur ein eher kleiner Ausschnitt aus der ganzen Drogenpalette. Erst recht wenn man in die Zukunft und an die Jugend denkt. Bin mir sicher , dass alle Aufklärung und Warnung vor verantwortungslosem Drogenkonsum keine wirklich schützende Wirkung haben wird. Es ist eine Illusion zu glauben, dass man (und schon gar nicht Jugendliche in immer jüngeren Jahren) berauschende Stoffe wirklich verantwortungsvoll handhaben kann, ohne je andere Menschen zu gefährden. Mich schützte der „Glaube“, dass verbotene Drogen kriminell und sehr gefährlich seien, davor je eine andere Droge als den Alkohol zu konsumieren. Bahai, und als solcher wirklich clean, bin ich erst seit wenigen Jahren. Daher bin ich auch überzeugt, dass es allein der Glaube (auch und vor allem aus religiöser Sicht) an die absolute Verwerflichkeit aller abhängigmachenden und Bewusstseinsstörenden Drogen sein wird, der die Menschen wirklich vor diesem Übel schützen kann. Man darf ja nicht vergesse welchen erniedrigenden Schaden das organisierte Verbrechen, die Beschaffungskriminalität, der Arbeitsausfall und auch die Folgeschäden anrichten. Der Gewinn aus jeglichem Drogenkonsum ist ja nur eine Flucht in eine Scheinwelt und vor der Wirklichkeit, die dringend unsere ganze Aufmerksamkeit bräuchte anstatt einer rosaroten Brille die uns in Rauschschwaden hüllt und uns Vieles vergessen lässt.

Alles Liebe
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"Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger"
Bahà'u'llàh
Liebe Marion!

Ich bin gerade beim Übersetzen, und bei diesem Absatz ist mir Deine Frage und dieser thread wieder eingefallen - ich denke man sollte solche 'Nebenaspekte' nicht aus den Augen verlieren - gerade die 'Drogen der Ideologie und des falschen Idealismus' sind heute vielleicht oft gefährlicher als eine Flasche Bier...

Zitat:
Im Bereich von Alkohol und Drogen würden die meisten Buddhisten Arbeitsverhältnisse vermeiden, bei denen sie an der Herstellung oder dem Verkauf von Alkohol oder illegalen Drogen beteiligt wären. Das scheint ein relativ leicht zu definierendes Gebiet zu sein, bei dem rechte und unrechte Lebensführung klar zu unterscheiden sind - aber Grauzonen sind auch hier nicht weit entfernt. Um wieder zum Bauern zurückzukommen: entspricht es für ihn der Ethik, Korn an eine Brennerei zu verkaufen? Wenn ein Arzt einem Patienten die Nebenwirkungen seiner Chemotherapie mit Cannabis erleichtern kann - ist es klug, ihm diese Droge zu empfehlen oder nicht? Und da gibt es noch die Drogen der Ideologie und des falschen Idealismus... Wenn jemand eine Regierungsstelle hat - ist es recht, diese den Menschen nahezubringen, um eine wichtige soziale Aktion zu unterstützen? Es ist nicht immer einfach zu sagen, ob eine bestimmte Arbeit mehr Gutes oder mehr Schlechtes bewirkt.
Im Christentum war ja Alkohol offensichtlich nicht verboten - in der Bahai-Religion bzw. seit dem Islam gibt es aber ein Verbot, da Alkohol den Körper schädigt. Wenn aber alle Religionen von Gott kommen: Hat dann Alkohol zu Jesus Zeiten dem Menschen noch nicht geschadet? Kann ich mir mal eher nicht vorstellen. Gibt es eine sinnvolle Erklärung dafür?
aqua hat folgendes geschrieben:
Im Christentum war ja Alkohol offensichtlich nicht verboten - in der Bahai-Religion bzw. seit dem Islam gibt es aber ein Verbot, da Alkohol den Körper schädigt. Wenn aber alle Religionen von Gott kommen: Hat dann Alkohol zu Jesus Zeiten dem Menschen noch nicht geschadet? Kann ich mir mal eher nicht vorstellen. Gibt es eine sinnvolle Erklärung dafür?


Weil Religionen in bestimmten historischen Kontexten entstehen und ihre Sendung sich auf bestimmte Umstände bezieht.

Soweit ich weiß waren mit Alkohol versetze Getränke lange die einzigen Getränke in weiten Teilen Europas, die nicht stark bakteriell belastet waren.

Wobei "saufen" auch im Christentum nicht erlaubt war bzw. ist.
Zitat:
Weil Religionen in bestimmten historischen Kontexten entstehen und ihre Sendung sich auf bestimmte Umstände bezieht.


Was sehen die Schriften in einer vom Bahai-Glauben inspirierten Regierung zum Thema Drogen vor?
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ஜ ♥ ஜ www.tempel.in ღ ஜ ღ
Obstbaum hat folgendes geschrieben:
Was sehen die Schriften in einer vom Bahai-Glauben inspirierten Regierung zum Thema Drogen vor?


Meines Wissens sind weder Drogen noch Alkohol erlaubt.
Ausnahme: medizinische Zwecke.

LG,
Minou
_________________
»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Minou hat folgendes geschrieben:
Obstbaum hat folgendes geschrieben:
Was sehen die Schriften in einer vom Bahai-Glauben inspirierten Regierung zum Thema Drogen vor?

Meines Wissens sind weder Drogen noch Alkohol erlaubt.
Ausnahme: medizinische Zwecke.
LG,
Minou


Schon klar.

Die Frage meint wie dies in einer von Bahai-Glauben inspirierten Regierung für Nicht Bahai's gehalten werden soll, also will man diesen Menschen vorschreiben was sie zu tun und zu lassen haben?
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ஜ ♥ ஜ www.tempel.in ღ ஜ ღ
Obstbaum hat folgendes geschrieben:
Die Frage meint wie dies in einer von Bahai-Glauben inspirierten Regierung für Nicht Bahai's gehalten werden soll, also will man diesen Menschen vorschreiben was sie zu tun und zu lassen haben?


Hallo Obstbaum,

nein, das Verbot gilt natürlich nicht für Nicht Baha'i, auch gelten alle verordneten Bestimmungen ausschließlich für Baha'i.

Alles Liebe,
Minou
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten

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