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Also bei mir ist es so, daß ich Buddhist bin, aber dennoch an freikirchlich-christlichen Traditionen hänge, weil ich da noch viele Leute kenne.
LG von Michael
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Hallo lieber Wu,
ich empfinde Deine Haltung zu diesem Thema als etwas widersprüchlich. Einerseits zitierst Du Deinen Freund und übernimmst dessen Position "Buddhist ist nicht, wer sich so nennt, sondern, wer buddhistisch handelt". Eine Ansicht, die ich teile. Allerdings hilft diese Aussage noch nicht viel weiter, weil die Frage offen bleibt, was "buddhistisches Handeln" ist.
Andererseits bestehst Du darauf, das buddhistische Etikett auf formale Handlungen zu kleben, anstatt eine Handlung einfach für sich stehen zu lassen.
Der Dharma ist kein Selbstzweck. Die von Buddha gegebenen Empfehlungen haben nur ein Ziel, nämlich die Wesen dauerhaftes Glück (=Erleuchtung) erlangen zu lassen. Jegliche buddhistische Philosophie und sämtliche Methoden sind Hilfsmittel, dieses Ziel zu erreichen. Die erste große Etappe auf diesem Weg ist das Durchschauen der Ich-Illusion.
Eine Denkweise, die dies nicht anstrebt, kann meiner Ansicht nach nicht als buddhistisch betrachtet werden.
Strebt ein Christ/Muslim/Philosoph in der Tradition von Nietzsche, die Erleuchtung an, dann handelt er buddhistisch. Im Falle des Christen und des Muslim stellt sich aber dann die Frage, wie sich das mit seinem Gottesglauben verträgt Denn die Zufluchtnahme zu Buddha, Dharma, Sangha entzieht einem Glauben an einen Gott jegliche Bedeutung.
Einer der beiden Begriffe Christ/Muslim oder buddhistisch wäre dann ein inhaltsleeres Ettikett.
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Hallo Alex!
Da versteh' ich jetzt Einiges nicht ganz -
| Zitat: |
| Andererseits bestehst Du darauf, das buddhistische Etikett auf formale Handlungen zu kleben, anstatt eine Handlung einfach für sich stehen zu lassen. |
- das widerspricht meiner Intention aber völlig - woraus schließt Du das? Viele meiner buddhistischen Freunde halten mich - etwas übertrieben, aber vielleicht doch nicht ganz unberechtigt - für einen 'extremen Bilderstürmer', der mit formalen Handlungen, gleich welcher Art, überhaupt nichts am Hut hat und dazu tendiert, alles für sich stehen zu lassen
Und 'dauerhaftes Glück' ist ein Terminus, dessen Bedeutung mir im Rahmen des Buddhismus ziemlich suspekt erscheint - und das als 'einziges Ziel' der Lehre - woher stammt das denn Das (intransitive) Erwachen, von dem der Buddha spricht, und für das später [nicht sehr glücklich] die (transitive) Erleuchtung verwendet wurde - inwiefern soll das damit gleichzusetzen sein? Wenn die Ich-Illusion durchschaut ist - wer ist denn dann 'dauerhaft glücklich'?
Um 'Erleuchtung' bemühen sich die Anhänger aller möglichen Religionen, nur meinen sie ganz Verschiedenes damit - solange aber eine Meinung darüber existiert, was die wirklich sei, bleibt sie ein Phantom, ob bei Buddhisten, Christen, Muslimen oder Anhängern eines 'Cargo-Kultes' (genau besehen, existieren da durchaus Ähnlichkeiten ).
Und inwiefern entzieht die Zufluchtnahme zu Buddha, Dharma, Sangha einem Glauben an einen Gott jegliche Bedeutung? Im Palikanon ist alle Naselang von irgendwelchen Göttern die Rede - nur haben sie eben wenig Bedeutung, und dienen mehr oder weniger als allegorische Figuren - und im Vajrayana ist's dem Vernehmen nach nicht viel anders. Ob ich 'ein Gott' denke oder 'kein Gott' - beides ist Meinen...
Sarva mangalam
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Hallo Wu,
ich habe Deine bisherigen Beiträge auch immer so verstanden, daß Du für Formalien und Rituale nichts übrig hast. Daher hat es mich überrascht, wie sehr Du darauf bestehst, daß allein der Umstand, daß jemand nicht tötet, Nichtgegebenes nicht nimmt, etc. bereits buddhistisches Verhalten sei.
Meine Ansicht dazu: Es fehlt noch die entsprechende Ausrichtung auf die (buddhistische) Erleuchtung, um die Handlung buddhistisch zu machen.
Ohne eine solche Ausrichtung ist eine Handlung nur eine Handlung. Sie bedarf keines Adjektivs, egal ob nun "christlich", "muslimisch" oder "buddhistisch".
Bezüglch des Glaubens an einen Gott habe ich mich vielleicht schlecht ausgedrückt. Ich meine nicht, daß die Existenz von Gott/Göttern durch die Zufluchtnahme zu den drei Juwelen in Frage gestellt wird, sondern ihre Bedeutung für den eigenen spirituellen Weg. Sobald ich mich an einen Gott als Ursache für meine Erleuchtung oder mein Glück wende, verfestige ich die Ich-Illusion, indem ich die Welt einteile in ein Ich hier und Du/Gott da. Dies aber widerspricht der Philosophie der Leerheit und der Lehre Buddhas.
Dies ist, was ich meinte: Die Zuflucht zu Buddha, Dharma, Sangha steht in Ausschlußkonkurrenz zur Zuflucht zu einem Gott.
Zum "dauerhaften Glück" vielleicht später. Nur soviel: Wer ist es denn, der mit Ich-ILLUSION glücklich ist?
Ich finde diese Frage sehr interessant.
Du hast völlig recht, wenn Du schreibst, daß man sich von der Erleuchtung keine Vorstellung machen kann.
Um nochmal auf die Rituale , Formalien und Etikettierungen zurückzukommen: Es gibt von Chögyam Trungpa Rinpoche ein sehr gutes Buch zu dem Thema mit dem Titel "Spirituellen Materialismus durchschneiden". Er beschreibt dort, wie so ziemlich alles, was wir tun, sagen und denken zur Festigung der Ich-Vorstellung benutzt wird. Auch die buddhistische Praxis. Es ist sehr leicht, den Dharma zu mißbrauchen und wir (Buddhisten) tun es ständig. Das ist kein Drama, man muß es nur bemerken und versuchen zu korrigieren.
Gruß, Alex
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Interessante Schlagabtausch Liebe Freunde. Irgendwie sind Eure Beiträge richtig professionell. Gefällt mir.
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