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Kann man eigentlich wie ein Buddhist












Diese Frage, lieber Thomas, ist mir bereits so oft gestellt worden, dass ich vor vielen Jahren schon eine Standardantwort darauf geschrieben habe
Zitat:
Manchmal werde ich gefragt, ob ich wohl ein Christ sei, ein Buddhist, Taoist oder was sonst. Ich bin eine Flasche. Flaschen begegnen einem häufig, mit verschiedenen Farben und Etiketten: 'Christ, 50 Jahre kirchengeräuchert'; 'Buddhist, 30 Jahre in Nichts gebeizt'; 'Marxist, 12 Jahre gefängnisgelagert' etc. Ich habe mein Etikett verloren, das Glas wird immer durchsichtiger, und die Flüssigkeit darin farbloser. Vielleicht ist es irgendwann einmal so weit, daß man weder die Flasche mehr sieht noch den Inhalt. Einstweilen muß ich mich damit bescheiden: Es gibt zwar einen Sturm im Wasserglas, aber nicht in der Flasche. Man muß sie schon recht kräftig schütteln, damit kleine Wirbel darin entstehen, und auch die vergehen bald wieder...
Lieber Thomas,

Du hast im anderen Forum geschrieben - dort möchte ich aber den thread nicht stören
Zitat:
das man aber einer Ton- oder Steinstatur einen fast göttlichen Rang einräumt, das man angebliche Fingernägel oder Schneidezähne des Buddha als "Heilige Reliquien" ansieht und Tempel darum baut - das wird Buddha sicherlich nicht gelehrt und nicht gewollt haben

- da geb' ich Dir völlig recht, das ist eine Verirrung, die der ursprünglichen Lehre des Buddha total entgegengesetzt ist, wie aus den alten Texten völlig klar hervorgeht. Wie ich schon in meiner kleinen Übersicht schrieb, war es 500 Jahre lang streng verpönt, den Buddha überhaupt darzustellen - da die Menschen nach einem 'Verehrungsobjekt' verlangten, behalf man sich mit einem symbolischen Fußabdruck im Sand, einem Sonnenschirm mit nichts darunter u.ä....
Allerdings war das Bedürfnis der Menschen danach so stark, dass sich diese Regel mit der Zeit lockerte - die von den Griechen beeinflusste baktrische Kultur schuf die ersten Buddhastatuen. Wie auch schon angemerkt, ist in der buddhistischen Lehre von Bilder- oder Reliquienverehrung nicht die Rede. Ich möchte hier eine Passage aus Frederic Spiegelberg: Die lebenden Weltreligionen zitieren, die diesen Mechanismus recht deutlich macht:
Zitat:
Es gibt da eine Geschichte von einer merkwürdigen Gruppe von Menschen, die sich um einen Mann scharten, der Atheist und Agnostiker war, eine in Indien außerordentlich seltene Geistesverfassung. Er war ein Mensch, der mit dem ganzen Korpus religiöser Übung, die zur Entartung der unmittelbaren Erkenntnis von Wahrheit führt, aufräumen wollte. Er zog Jünger an, die sich an jedem Sonntag um ihn zu versammeln pflegten, während er zu ihnen von seinen Prinzipien sprach. Mit der Zeit versammelten die Jünger sich, um auf das Erscheinen des Meisters zu warten, denn sie kamen gern zusammen und sangen, ehe er kam. Schließlich wurde ein Gebäude zum Schutze der Jünger errichtet und dem Agnostiker ein Zimmer darin eingeräumt. Nach seinem Tod wurde es bei seinen Anhängern Regel, sich vor seinem leeren Zimmer zu verbeugen, ehe man die Halle betrat. Auf einem besonderen Tisch wurde sein Bild in einem goldenen Rahmen aufgestellt, und Kinder legten Blumen und Weihrauch dort nieder. In wenigen Jahren war eine Religion um diesen Mann gewachsen, der zu Lebzeiten an nichts dergleichen geglaubt, ja, der seinen Anhängern vielmehr gesagt hatte, derartige Praktiken seien in sich schlecht. Dies sei ein bescheidenes Gleichnis für die Entwicklung jeden Glaubens. Wenn wir zur Betrachtung der verschiedenen Verzweigungen der historischen Entwicklung des Buddhismus kommen, werden wir sehen, wie genau dieses Gleichnis ist.
Und, liebe Wu, wir sehen auch, das der Wandel in den Auffassungen, in der Lehre eben nicht nur die abrahamitischen Religionen betrifft, sondern auch den Buddhismus. Wenn nun ein solcher Wandel auch den Buddhismus betrifft, was ist dann dann so falsch wenn wir die These aufstellen, dass sich der heutige Buddhismus vielleicht von seiner Wurzeloffenbarung noch weiter entfent hat?
Lieber Thomas -

wir 'diskutieren' wieder mal im Kreis 'rum. Ich respektiere, dass die Aussage von Abdu'l Baha für Dich göttliche Offenbarung ist - respektiere bitte Du auch, dass das für Nicht-Baha'i nicht nachvollziehbar ist. Weder in der Lehre des Buddhismus noch in den zeitgenössischen Schriften seiner Gegner oder Befürworter lässt sich ein Hinweis darauf finden, dass der Buddha einen Gott im Sinne des Monotheismus verkündet hätte; die Historiker und Religionswissenschaftler sind ebenfalls der einhelligen Auffassung, dass das nicht so ist - und deshalb nenne ich es Glaubenswahrheit und nicht historische Wahrheit.
Mit der gleichen Logik könnte man behaupten, Noahs Arche sei in Wirklichkeit ein U-Boot gewesen, oder Jesus der wiedergeborene Echnaton, weil Nostradamus oder der Mühlhiasl das verkündet hätten...
Hallo, Thomas und Wu,

ich lese Euch ja schon eine ganze Weile zu (teilweise schmunzelnd, weil ich mich selber wiedererkennen konnte).
Ich möchte nun einwenden, dass es für einen Christen sehr verwirrend sein kann zu versuchen buddhistisch zu denken. Diese Glaubensrichtungen sind sich teilweise zwar ähnlich, aber:

Nehmen wir z. B. mal das christliche Denken über Schuld. Schuld wird verstanden als die willentliche Übertretung der regeln Gottes durch den Menschen. Das Problem ist nicht, dass der Mensch etwas nicht erkennen KANN. Der Mensch könnte durchaus den Willen Gottes erkennen, aber er WILL es nicht.

Der Buddhist redet nicht von Schuld. Er redet vom Karma. Ich bin solch eine Person (das EGO) geworden, weil ich einige Dinge getan habe und andere nicht. Das hatte Auswirkungen auf mich und auf meine Umwelt. (bitte verbessere mich, lieber WU, wenn das nicht stimmen sollte)

Was soll ich nun als Christ praktizieren? Kann ich noch Christ bleiben, wenn ich doch nicht an die Schuld glaube?

Und, was ist mit solch sensiblen Themen, wie z. B. die Reinkarnation? Kann man da wirklich Buddhistisch leben aber Christ bleiben?

Seid alle lieb gegrüsst
Bobo
Forum -> Hinduismus, Buddhismus, Zoroastrische Religion

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