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Wir können nur miteinander - in der Zukunft












http://www.solidaritaet.com/neuesol/2001/30/zepp-lar.htm

Das Ende der Spaßgesellschaft

Das Zeitalter der Eurasischen Landbrücke erfordert auch, mit Rußland, China, Indien und den anderen Staaten eine neue Form der geistigen Gemeinschaft zu finden, weil selbst eine auf gegenseitigen wirtschaftlichen Vorteil gegründete Zweckgemeinschaft nicht genügt. Die Nationen Eurasiens müssen sich auf das Universelle in ihrer jeweiligen Kultur besinnen und es wiederbeleben, weil man nur so die Grundlage für das Empfinden einer höheren Ordnung finden kann, die alle Teile der Menschheit verbindet. Es muß also eine seelische Kulturqualität dazu kommen, eine leidenschaftliche Liebe zur Idee der Völkergemeinschaft.
Wir brauchen also eine neue Idee vom Menschengeschlecht, Menschen, die nicht vom blanken Egoismus und Erwerbsgier getrieben sind, sondern von innen her bestimmt sind. Nun höre ich schon den Aufschrei vieler Bundesbürger: "Aber die Menschen werden sich niemals ändern, die Menschen werden egoistisch bleiben, die wollen doch nur Spaß haben!" Das ist genau der Punkt: Die materiellen Grundlagen der Spaßgesellschaft werden in kurzer Zeit hinweggefegt werden, und dann steht die moralische Substanz der Gesellschaft auf dem Prüfstand. Wenn die Menschen nicht ihren Egoismus aufgeben und sich dem Gemeinwohl zuwenden können, dann wird nur das Chaos übrigbleiben, und ein noch weit schlimmerer Absturz als in den 30er Jahren wird die Folge sein.

Nicht nur die Globalisierung ist gescheitert, gerade auch die "Spaßgesellschaft" hat versagt. Wer hat nicht in seinem Bekanntenkreis ein alterndes Ehepaar der 68er-Generation, deren Sohn oder Tochter im Teenageralter (Kinder hat man schließlich erst kurz vor der biologischen Barriere bekommen) von der Drogenszene bedroht sind, dem hirnlosen Druck ihrer Altersgenossen nachgeben, jeden Designertrend mitzumachen oder im Milieu abstruser Randgruppen versackt sind? Wenn diese Eltern noch einen Funken von Realitätsbezug haben, dann sind sie meist verzweifelt, weil sie den Zugang zu ihren Kindern verloren haben. Die Globalisierung hat uns eine Welt ohne Seele gebracht, die Spaßgesellschaft wurde zum Alptraum, aus dem das Aufwachen höchst unsanft erfolgen wird.

Die neue Ära der Eurasischen Landbrücke bedeutet zugleich auch die Chance einer neuen Goldenen Renaissance, wie wir sie zuletzt im 15. Jahrhundert in Italien, aber auch z.B. in Polen und anderen Teilen Europas erlebt haben. Denn leider sind die Menschen bisher nur in schweren Krisen bereit, sich mit großen Entwürfen auseinanderzusetzen. In den kommenden Erschütterungen sollten wir uns daran erinnern, wie Schiller in seiner Schrift Die Gesetzgebung des Solon und Lykurg den "Zweck der Menschheit" definiert - nämlich als "Fortschreitung". Nicht der maximale Spaß im hier und jetzt ist das Ziel, sondern eine zivilisiertere Menschheit und die größere Freiheit und fortschreitende Vergrößerung des Spielraums, innerhalb derer der einzelne seine geistigen Kräfte entfalten kann.

In dieser neuen Epoche können wir auch die Chance wahrnehmen, die 1989 verpaßt wurde: nämlich die Erringung der Souveränität Deutschlands. Eine vollkommene Neukonzeption der deutschen Außenpolitik muß an die Stelle des bisherigen "Statthaltertums" im Dienste der Besatzungsmächte treten: eine eigene Zielsetzung, getragen von einer Vision der positiven Identität Deutschlands im 21. Jahrhundert. Deutsche Interessen bedeuten nicht die flachköpfige und engherzige Verteidigung der vermeintlichen Privilegien in einem System, das die Menschheit in eine "goldene Milliarde" und fünf Milliarden, die eben Pech gehabt haben, unterteilt. Wenn wir das verstehen und statt dessen die frohe Identität jener Dichter und Denker übernehmen, die nie Angst haben, mit anderen zu teilen, weil sie darauf vertrauen, daß sie auch morgen einen kreativen Gedanken haben werden, der die Welt insgesamt reicher macht - dann ist das Problem gelöst.

Eines ist gewiß: Wir stehen vor Umwälzungen, von denen sich die meisten Zeitgenossen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht einmal annähernd eine Vorstellung machen können. Mit der Eurasischen Landbrücke bietet sich darin eine Chance für Deutschland und die Welt.
Wir erleben heute eine deutlich verschlechterte Lage der Realwirtschaft, horrende Einbrüche beim sog. Neuen Markt, systemische Gefahren, die von der Zahlungsunfähigkeit von Ländern wie Argentinien oder der Türkei ausgehen - und es wird im dritten und vierten Quartal dieses Jahres um Größenordnungen dramatischere Turbulenzen geben. Es ist eine Existenzfrage für Deutschland und ganz Europa, wie wir die Wirtschaft vor einem vollständigen Zusammenbruch bewahren können. Die Welt ist heute an dem Punkt angelangt, vor dem Lyndon LaRouche seit langem gewarnt hat: Das Weltfinanzsystem ist am Rande der vollständigen Desintegration. Nur mit einem großangelegten Wiederaufbau des Ostens und dem Ausbau der Eurasischen Landbrücke kann ein Absturz in das Chaos verhindert werden.

Im Augenblick halten es die meisten Wirtschaftsexperten und Politiker noch für ein unumstößliches Axiom, daß es zur Globalisierung und zur freien Marktwirtschaft keine Alternative gäbe. Ich wage hier die Prognose, daß dieses Axiom in kurzer Zeit von den Ereignissen hinweggefegt werden wird, und mit ihm alle Politiker und Regierungen, die daran festzuhalten versuchen. Das ganze existierende Finanzsystem auf der Basis flexibler Wechselkurse und alle Abkommen, die auf dieser Grundlage getroffen worden sind, werden in Frage gestellt sein. Eine Kombination von Finanz- und Währungskrisen, Hyperinflation sowie Depression der Realwirtschaft wird bald deutlich machen, daß die Existenz unserer Gesellschaft gefährdet ist, und dann wird nur eine Rückbesinnung auf die wahren "Grundtatsachen" eine Lösung ermöglichen.d

Eine solche Grundtatsache ist es, daß Deutschland nach wie vor von wachsenden Exportmärkten abhängig ist und stets reicher werdende Kunden braucht, die unsere technologisch hochwertigen Produkte kaufen können. Unter dem Diktat der IWF-Bedingungen und der Globalisierung sind viele unserer traditionellen Exportmärkte verschwunden. Es gibt für Deutschland heute nur eine einzige Perspektive - die aber ist eine hervorragende: nämlich zusammen mit den anderen kontinentaleuropäischen Staaten die infrastrukturelle und wirtschaftliche Integration Eurasiens zu verwirklichen. Das bedeutet, daß sich die Politik Westeuropas grundlegend ändern muß - in vielen Teilen der Welt ist dieser Wandel bereits im vollen Gange.
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