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Der Herrscher des Südmeeres war der Unachtsame, der Herrscher des Nordmeeres war der Unbesonnene und der Herrscher der Mitte war der Unbewusste.
Der Unachtsame und der Unbesonnene trafen sich häufig im Land des Unbewussten, und der Unbewusste war zu ihnen stets sehr gütig.
Der Unachtsame und der Unbesonnene beratschlagten miteinander, wie sie die Güte des Unbewussten vergelten könnten, und sprachen: "Alle Menschen haben sieben Öffnungen zum Sehen und Hören, zum Essen und Atmen. Er als einziger hat keine, wir wollen doch mal versuchen, sie ihm zu bohren".
Und sie bohrten ihm jeden Tag eine Öffnung.
Am siebenten Tage aber war der Unbewusste tot.
(Tschuang-Tse)
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Dieses Gleichnis von Tschuang-Tschou hat mich einige Zeit beschäftigt, bis ich entdeckt habe, was es bedeuten könnte.
Herrscher des Südmeeres und des Nordmeeres sind Menschen, während der "Herrscher der Mitte" als Sinnbild für das Dao steht (Ausgleich der Gegensätze...). Die Menschen - dass sie hier als Gegensätze (Nordmeer, Südmeer) dargestellt werden, ist sicher kein Zufall - treffen sich oft im "Land des Dao", d.h. werden sich des Dao bewusst (der "Unbewusste" ist das Dao). Nun überlegen sie, wie sie dem Dao "danken" können, und "vermenschlichen" es, wodurch sie es aber verlieren.
Ich glaube, dass dieses Gleichnis eine Warnung davor ist, das Dao zu vermenschlichen, zu personalisieren bzw. sich eine Vorstellung davon zu verschaffen. Sobald man dies macht, ist es nicht mehr das Dao. Auch dem Dao zu danken ist ein seltsamer Gedanke, denn das Dao ist ja unpersönlich, unparteiisch und unbewusst (eigentlich "ist" das Dao gar nichts, aber wegen der Unzulänglichkeit unserer Sprache bezeichnen wir es des besseren Verständnisses wegen hier mal so).
Falls hier Leute sind, die mit diesen Ausführungen etwas anfangen können - was meint ihr dazu?
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Hallo Dio!
Zu Hun-tun, dem 'Unbewussten', merkt Martin Buber an: "so wird das noch ungeschiedene Urwesen bezeichnet." Schu und Hu, die 'Herrscher des Süd- und des Nordmeeres', nennt er 'flüchtig' und 'plötzlich'. Leon Wieger, einer der fundiertesten Sinologen, nennt sie 'carried away' und 'turned away' - also eine Personalisierung von Eigenschaften; Hun-tun übersetzt er mit 'Chaos'. Sein Kommentar dazu: "All beings should be left in their natural deprived state; one should not seek to perfect them artificially, otherwise they cease to be what they were, and should remain." ['The Wisdom of the Taoist Masters'] Im Zen sagt man dazu 'Einer Schlange Beine anheften'.
Das ist nun eine Deutung; Deine hat aber auch viel für sich, wenn ich z.B. nach Lao-tse 42 Tao als 'ungeschiedenes Urwesen' ansehe... Die chinesischen Klassiker lassen sich kaum eindeutig übersetzen, weil die Begriffe immer mehrere Bedeutungen haben - es ist immer gut mehrere Übersetzungen zur Hand zu haben (und möglichst das Original auch noch ). Eine eindeutige Zuordnung, was da in einem bestimmten Kontext mit einem bestimmten Wort gemeint sein könnte, ist immer ein Vabanquespiel.
() Wu
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Hallo Wu,
du scheinst dich auszukennen.
Ich glaube, dass diese beiden Deutungen gar nicht sonderlich verschieden sind, denn in beiden geht es um die Wahrung des Urwesens (in einer anderen Auslegung). Danke für dein Posting!
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Um Nord- und Südpol kann es sich aber nicht handeln oder? *grübel
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