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Der Fall Kevin. Ein Kommentar
Sie heißen Kevin oder Jessica, Dennis oder Carolina. Sie verhungern, werden von ihren Eltern totgeschlagen oder erstickt, misshandelt und vernachlässigt. Das Schreckliche ist, dass es immer wieder geschieht – und dass die Reaktionen immer die gleichen sind. Jedes Mal derselbe Aufschrei, dieselben hilflosen Beschwörungen der Politiker.
Dabei laufen in vielen Städten Modellversuche, und an vielen Kliniken existieren Studien etwa zum Thema Prävention durch Bindungstraining. All die Projekte, die Familienministerin Ursula von der Leyen jetzt zu evaluieren verspricht, existieren längst. Aber sie flächendeckend einzuführen und zu vernetzen kostet Geld (vgl. auch Seite 20 und 22).
Billig zu haben sind dagegen die fantasielosen Rezepte, die alle Monate wieder aufgetischt werden: Der Zwang zur Vorsorge¡Euntersuchung beim Kinderarzt. Oder der Elternführerschein. Am besten unter Androhung einer Kindergeldkürzung. Warum ist der Elternführerschein unsinnig? Weil man Auto fahren einmal lernt und dann sein Leben lang beherrscht; Kindererziehung aber nicht. Mütter von Neugeborenen brauchen keine Belehrungen über die Trotzphase, sondern geduldige Hilfestellung beim Stillen, und entnervte Eltern eines lebhaften Dreijährigen brauchen keine Informationen über die Nöte der Pubertät. Elternberatung muss situations- und zeitnah sein, oder sie ist völlig nutzlos.
Und die beliebten Pflichtuntersuchungen beim Kinderarzt? Der Fall Kevin in Bremen zeigt, dass auch sie nicht helfen, wenn das soziale System selbst marode ist – weil es kaputt gespart wird und völlig überlastet ist.
Natürlich wäre ein regelmäßiger Arztbesuch für viele Kinder ein Gewinn, aber auch hierfür gibt es bessere, weil menschenfreundlichere Lösungen: beispielsweise ein Sammelheftchen. Jeder Besuch beim Kinderarzt, einer Krabbelgruppe oder einem Erziehungskurs bringt Punkte. Einmal im Jahr darf man die Punkte im Jugendamt einlösen gegen eine CD mit Kinderliedern oder einen Besuch im nächstgelegenen Freizeitpark ... Und wer nicht erscheint, bekommt einen netten Brief vom Jugendamt und dann einen netten Besuch der Stadtteil-Familienpflegerin. All dies wäre möglich: Nur kostenlos ist Kinderschutz nicht zu haben.
Wirkungsvoller Kinderschutz würde bedeuten, junge Risiko-Familien zu besuchen – rechtzeitig, bevor die Beziehung zwischen Eltern und Kindern völlig entgleist ist. Wirkungsvoller Kinderschutz würde bedeuten, Kindern und Eltern Hilfe anzubieten, wie dies die Early Excellence Center in Großbritannien vormachen, wo Kinder betreut, aber auch gefördert, Eltern beraten, aber auch ausgebildet werden. Wo Sozialarbeit, Gesundheitsvorsorge und Bildungsangebote unter einem Dach vernetzt sind.
Wirkungsvoller Kinderschutz würde auch bedeuten, sich endlich der neuen, alten Unterschicht zuzuwenden. Wenn eine Bischöfin allen Ernstes meint, kirchliche Wickelkurse seien verzichtbar, dann zeigt das, dass sie das Ausmaß der materiellen und kulturellen Verelendung überhaupt nicht begriffen hat.
Und: Kinderschutz ist nicht zu haben ohne Armutsbekämpfung und eine andere Arbeitsmarktpolitik. Dieselben Politiker, die sich jetzt entrüsten, haben das Erziehungsgeld gekürzt; haben hunderttausende von Kindern in die Armut gedrängt, ignorieren seit Jahren die tickende Zeitbombe, die gerne verharmlosend Jugendarbeitslosigkeit genannt wird. Solange Menschen in Armut aufwachsen müssen, ohne Bildungschancen und vor allem ohne jegliche Perspektive, wird es Fälle wie Kevin oder Jessica geben.
Es wird wieder passieren: Das ist das Allerschrecklichste.
http://www.publik-forum.de/f4-cms/t.....aktuelleausgabe/art82583/
Wir hatten damals, in der DDR, eine gewisse Kontrolle. Manche meinen, es sei Unfreiheit gewesen. Jede Frau, die schwanger wurde, mußte zur Untersuchung. Und später mit dem Kind weiter zur Untersuchung. Damit war eine gewisse Kontrolle gegeben, aber sie verhinderte, was heute fast lautlos in den Familien passiert.
Sicherlich, alles war nicht gut und doch: einiges hätte man beibehalten können. Allmählich aber sickert es durch: der Mensch braucht die Kontrolle. Solange er noch innerlich nicht reif genug ist, Verantwortung zu übernehmen.
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http://www.wdr.de/themen/politik/nrw02/kinder/inhalt.jhtml
Themenschwerpunkt: Kinder in Not
In Duisburg wurden eine Frau und ihr Lebensgefährte zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, weil sie die vierjährige Tochter misshandelt hatten. Das Kind ist offenbar verhungert und wurde später an einer Autobahn verscharrt. Erst nach einem knappen Jahr war das Verschwinden aufgefallen. Nur ein Fall von vielen, in denen Vernachlässigung oder Brutalität zuhause auf Missachtung draußen treffen - mit verheerenden Folgen für die Kinder. Bundesweit gibt es rund 300.000 vernachlässigte Kinder, schätzt der Kinderschutzbund. Möglicherweise sind es noch viel mehr, denn Verwahrlosung findet nicht in der Öffentlichkeit statt. Wie kommt es dazu? Warum reagieren Familie, Freunde und Lehrer, Ärzte nicht frühzeitig? Wieso werden Alarmzeichen übersehen und ignoriert?
Kinder sind uns anvertraut. Wie wir mit ihnen umgehen, werden wir später erfahren, wenn wir alt sind und die Kinder uns die Wirkung der Ursache zeigen werden.
Ich frage mich oft: die Kinder, die die Kinder erziehen, wurden von uns erzogen. Was haben wir falsch gemacht ?
Weltweit:
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/27/0,1872,2242523,00.html
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