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Zu den Hadithen: Liebe Nurcan,

nach den 3 Unterscheidungskategorien, die Du in Deinem Beitrag genannt hast, fällt mir eigentlich nur auf: Alle beruhen auf "Hören-Sagen". Der Prophet selbst hat kein Hadith, egal wie stark oder schwach es sei, selbst niedergeschrieben oder diktiert. Das was er selbst niedergeschrieben oder diktiert hat, steht im Qur' an - und nicht in einer Sammlung weiser, starker oder schwacher Sprüche.

Bei uns Baha' i wird streng zwischen den von Baha' u' llah niedergeschriebenen Versen und den Erzählungen der ersten Babi/Baha' i unterschieden: Die Erzählungen haben keinen Lehrcharacter, sondern sind lediglich Erzählungen die das geistige, moralische und sittliche Umfeld der Lebenszeit Baha' u' llah' s beleuchten.

Zur Himmelfahrt: Lieber zaf-ad,

was ist "Himmelfahrt"? Nun, der Aufstieg der Seele in das Reich Gottes - ob wir dieses Reich nun "Jenseits", "andere Welt", oder "Königreich Abbha" nennen, bleibt der Sache nach egal. Jeder Mensch der seine leibliche Existenz beendet hat und in die Welt des Geistes aufsteigt, beginnt seine Himmelfahrt - und die Gesandten Gottes waren alle sterbliche Menschen, die eben diesen Aufstieg genauso gemacht haben, wie unsere Eltern/Grosseltern und die Generationen vor ihnen. Die "Himmelfahrt" von Baha' u' llah, Bab, Muhammad, Jesus, Moses etc. war also im Prinzip nichts Besonderes.

Zur Sure 17:90-93 Auch von Baha'u'llah erwartete die schiitische Geistlichkeit "Wunder". Es scheint die Eigenart der materiellen Welt zu sein, das man vor dem Glauben einen materiellen Beweis als "Wunder" verlangt - hätten die Menschen zur eit des Propheten mit den Augen des Geistes statt mit den materiellen Augen gesehen, hätten sie niemals materielle Wunder verlangt.
Grüss dich Thomas!

Zitat:
was ist "Himmelfahrt"?


Eine gewaltige Frage, die nicht leicht auf wenigen Zeilen zu beantworten ist!

Zitat:
und die Gesandten Gottes waren alle sterbliche Menschen, die eben diesen Aufstieg genauso gemacht haben


Nun, da du die Himmelfahrt nach dem Tod ansprichst, meine ich doch, dass die zitierten Verse aus Sure 17 eine "Himmelfahrt" während der Lebzeiten gemeint ist.


Zitat:
hätten die Menschen zur eit des Propheten mit den Augen des Geistes statt mit den materiellen Augen gesehen, hätten sie niemals materielle Wunder verlangt.


Selig, wer's erkennt!

Gesegnet, wer's verinnerlicht!

Erretet/Erlöst, wer's ausübt!



Herzlichst,
Zaf-Ad
Lieber zaf-ad,

ersetzen wir mal den Begriff der "Himmelfahrt" (zu Lebzeiten) durch den Begriff "Erleuchtung" nach Buddha.... Oder schauen wir uns das neue Testament an, wonach nach dem Tode Jesu der "Heilige Geist" auf die Apostel ausgegossen wurde..... Da haben wir 3 verschiedene Worte für vielleicht ein- und dieselbe "Aktion"...
Lieber Thomas!

Du verkomplizierst, was m.E. nach leicht ist. Der Koran spricht davon, dass er selber leicht zu verstehen sei (siehe 54:17,22,32 und 40) und auch an vielen anderen Orten spricht der Koran von sich selbst mit Adjektiven wie "detailliert", "klar", "deutlich" und dergleichen.

Deswegen ersetze ich den Begriff nicht (wobei deine Formulierung durchaus berechtigt sein kann - und, wie fast immer, sehr interessant ist) mit deinen gewählten Worten, sondern verbleibe mit einer "physischen Himmelfahrt" zu Lebzeiten des (der) Propheten.

offfff topic zu topic: wir sind ja sehr topic-relevant!
Zu den Lebzeiten des Propheten, lieber zaf-ad, war der Qur' an in einer wesentlich einfacheren, deutlicheren Begriffssprache abgefasst, als seinerzeit beispielsweise die Bibel oder die Thora. Woran lag das: Nun, der Qur' an war 606 n. Chr. "topmodern und höchst aktuell". Und man darf nicht vergessen, das jedes Heilige Buch zum Zeitpunkt seiner Niederlegung dem Wissens- und Bildungsstand der Gläubigen entsprach.
Der Qur' an gibt z.B. über die Person Jesu wesentlich einleuchtendere Erklärungen ab, als die Apostelbriefe oder die Edikte der Päpste.

Nun sind aber ein paar Jahrhunderte seit dem Erscheinen des Propheten in`s Land gegangen. Sowohl der auf dem Materiellen beruhende Bildungsstand, als auch der geistige Bildungsstand der Menschen war 1844 höher, als 606 (und 606 war er höher als im christlichen Jahr 0).
Schon 1844 forschten christliche, jüdische und schiitisch-muslimische (vielleicht auch sunnitische?) Gelehrte nach den geistigen Bedeutungen von Gleichnissen, Überlieferungen von "unklaren" Passagen (unklar für manche Schiiten war z.B. die "Josefssure" im Qur'an). Und - der Neugier des Menschen sind wenig Grenzen gesetzt - die Forschung geht natürlich weiter.

"Ersetzen" im Sinne von "Ausstreichen und Verändern" war vielleicht keine so glückliche Wortwahl. Also frage ich nach der "geistigen Bedeutung". Für Gott ist alles möglich, aber Gott hat neben den geistigen Gesetze auch die materiellen Naturgesetze geschaffen. Diese haben Bestand, denn sie sind von Gott verfügt - und da ist es kaum anzunehmen, das tatsächlich eine körperliche Wiederauferstehung von Jesu oder eine körperliche Himmelfahrt von Muhammad stattgefunden hat. Hier liegt eine tiefere, geistige Bedeutung, die es zu erforschen gilt.
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