Gott hat einen Plan ... oder?


Hallo Gabriele,

Gottes Plan ist vollkommen.
Die Frage ist nur, wollen wir uns diesem Plan anschliessen oder haben wir unsere eigenen Pläne.

Shri Krishna erklärt Seinem Geweihten Arjuna in der "Bhagavad-Gita wie sie ist":
"Alle belohne Ich in dem Masse, wie sie sich Mir ergeben. Jeder folgt Meinem Pfad in jeder Hinsicht, o Sohn Pritas." (BG 4.11)

Jeder sucht nach Gott in dem einen oder anderen Aspekt Seiner Manifestation. Die einen suchen Ihn als unpersönliches Brahman (Giana-yoga und Buddhismus) um mit dem unpersönlichen Aspekt des Herrn zu verschmelzen, die anderen durch mystisches Yoga (Dhyana-yoga/Astanga-Yoga) als den Alldruchdringenden lokalisierten Aspekt des Herrn (Paramatma), um außergewöhnliche Fähigkeiten zu erlangen. Und wieder andere suchen Ihn in Seinem höchsten Aspekt als Höchste Persönlichkeit Gottes zu erfreuen, um mit Ihm einen ewigen, liebevollen Austausch zu pflegen.
Wieder andere die nicht direkt an Gott interessiert sind, rennen zeitweiligen Freuden die einem durch die Sinne geschenkt werden, nach. Diese "Suchenden" werden durch die Vishva-rupa, die Universale Form des Herrn in Form von Zeit, Kala, mit dem allesverschlingenden Tod konfrontiert. So ist jeder auf den Pfaden des Herrn unterwegs.
Es gibt also viele Wege aber nicht alle führen direkt zum Ziel.

Laut dem Shrimad Bhagavatam ist das Höchste Ziel und der eigentliche Plan Gottes, reine motivlose Liebe, prema, zur Höchsten Persönlichkeit Gottes, Shri Krishna.
In all unseren Plänen liegt doch eigentlich immer das Bedürfnis der ewigen individuellen Seele (atma), ewiges Glück zu erlangen. Welches jedoch erst dann in seiner ganzen Vollständigkeit erfahren werden kann, wenn wir einen persönlichen, liebevollen Austausch mit Shri Krishna/Gott unterhalten.

Gruss
Hi, jivatma , ich bin überzeugt, daß die individuelle Seele erst viele Erfahrungen sammeln muß, in verschiedenen Personen , verschiedenen Kulturen und Religionen, ehe sie in der Lage ist, reine, bedingungslose Liebe zu geben.
Sie muß alles erfahren-muß in die dunkle Tiefe gehen , um dann in lichte Höhen streben zu können - mit diesen Erfahrungen im Gepäck wird Gott oder wie er immer überall heißen mag - durch uns erfahren - was er erfahren möchte.
Wichtig ist, die Liebe zu entwickeln, die Nächstenliebe und die Liebe zu den Menschen allgemein - zu allen Lebewesen , die zur Schöpfung gehören.

es kann einem schon der Kopf kreiseln , wenn man sich all die vielen Götter merken soll. Ist man aber in diesem Kulturkreis aufgewachsen, dann saugt man diese Religion mit der Muttermilch ein , doch wie auch der Dalai Lama einmal sagte: er plädiere dafür, daß jeder Kulturkreis bei seiner Religion bleiben möge.

Aber für diejenigen, denen es nicht genügt, die weiter streben, gibt es noch so viele Möglichkeiten, sich auf den Weg zu Gott zu machen.

Hallo Gabriele,
mir liegt es fern sektiererisch zu sein.
Aber wenn jemand wie ich konkret wird, wird er oft sofort "Schubladisiert" ...

Menschen mit ähnlicher Lebensphilosophie wie du sie hast treffe ich oft.
Ich kann deine Sichtweise auch gut verstehen.

Ich hätte nun ein paar Fragen an dich:
Du sprichst die vielen Erfahrungen an, die du in vielen Leben machen willst;
Zitat:
.... Sie muß alles erfahren-muß in die dunkle Tiefe gehen, um dann in lichte Höhen streben zu können. ....


Erfahrungen sind gut solange man sich an sie erinnern kann.
Erinnerst du dich denn an all deine vergangenen Leben und die Erfahrungen die du da gemacht hast?

Die Veden erklären, dass wir alle ohne Ausnahme, bereits viele Millionen Leben durchlebt haben und immer wieder die gleichen (mal positiv mal negativ) Erfahrungen gemacht haben. ---> die Rollen ändern sich, die Kostüme ändern sich, die Bühne wechselt, aber der/die Schauspieler(in) bleibt gleich. Selbsterkenntnis bedeutet nicht die Rolle und das Kostüm das wir tragen besser kennen zu lernen, sondern, die ewige, individuelle, unveränderliche Person die die Kostüme trägt und die Rollen spielen muss, zu erkennen.
In der Bhagavad-Gita wird das Wort avyayam (BG 2.21), unveränderlich, als eine Eigenschaft der Seele verwendet. Wir müssen also nichts verändern sondern uns lediglich Ent-Wickeln - von der Verwicklung befreien.
Mit der Philosophie des "ich muss dieses und jenes noch erfahren müssen", wird immer eine noch grössere Ver-Wicklung (Karma/Vikarma), anstatt Ent-Wicklung (Akarma) stattfinden.

Zitat:
.... - mit diesen Erfahrungen im Gepäck wird Gott oder wie er immer überall heißen mag - durch uns erfahren - was er erfahren möchte.


Bedeutet das, dass Gott nur durch die Lebewesen lebt und sonst "tot" ist?
Hat Gott keine eigene Identität?
Ist Gott gezwungen durch die Lebewesen zu geniessen?
Oder sind gar wir Gott?


Zitat:
Wichtig ist, die Liebe zu entwickeln, die Nächstenliebe und die Liebe zu den Menschen allgemein - zu allen Lebewesen , die zur Schöpfung gehören.


Sehr schön, dann bist du ja sicher Vegetarierin?

Zum Thema Liebe findet man in den Evangelien (dein "Kulturkreis") folgende Aussage:
Zitat:
"Habt nicht lieb die Welt / noch was in der Welt ist. So jemand die Welt lieb hat / in dem ist nicht die liebe des Vaters."
(vgl. 1Joh 2, 15)


Es scheint also verschiedene Arten der Liebe zu geben.

Zitat:
.... doch wie auch der Dalai Lama einmal sagte: er plädiere dafür, daß jeder Kulturkreis bei seiner Religion bleiben möge.


Ich bin in einer atheistischen Familie aufgewachsen, bedeutet das, dass ich auch einer bleiben soll?
Später stellte ich meinem Religionslehrer viele Fragen die er mir zum überwiegenden Teil nicht beantworten konnte. Muss ich trotzdem an der Christlichen Religion festhalten?

Es wird immer so viel über Liebe und Gottesliebe geredet (viele behaupten sie würden Gott suchen), aber sobald wir konkret werden sollen, schrecken wir zurück mit dem Argument noch vorher weitere "Erfahrungen" machen zu müssen, oder das Gott nicht unserem Kulturkreis entspricht.
Wie will man jemanden lieben können von dem man nichts weis?
(diese Frage bezieht sich sowohl auf Gott als auch auf die Lebewesen)

Meinen Nächsten kann ich erst dann lieben wenn ich hinter das Kostüm und die Rolle blicke. Ansonsten sind wir lediglich mit "annehmen - ablehnen des Kostüms/Rolle" beschäftigt. Hinter dieses Kostüm des nächsten blicken zu können bedeutet jedoch, zuerst sein eigenes zu durchschauen.
Shri Krishna erklärt seinem Geweihten Arjuna, dass es ohne die persönliche Hilfe des Herrn nicht möglich ist, hinter das eigene Kostüm/Rolle zu blicken. ---> Selbsterlösung ist nicht möglich
Erst wenn sich das Lebewesen dazu entschliesst beim Höchsten Herrn Zuflucht zu suchen und alle Arten von weltlicher Religion (Glauben) hinter sich lässt, befindet es sich auf dem Weg der Er-Lösung/Ent-Wicklung.
(siehe BG 18.66)

Es liegt mir fern dich zu provozieren,
liebe Grüsse
Hi, jivatma , ja , ich bin Vegetarierin - seit ca. 12 Jahren - nachdem ich Menschen begegnet bin , die mich in dieses Wissen einführten - ich dann furchtbare Berichte über die Qual der Tiere gesehen hatte und ich innerlich etwas erwacht bin.
Aber - ich bin in vielen Dingen ein vorsichtiger Mensch - lasse nur ein, was ich auch verstehe - , so hoch ist mein Intellekt nicht und nachdem ich das Buch "Anatomie der Seele" gelesen habe - ist mir klar geworden, daß ich noch eine eher kindliche Seele bin, die noch viel zu lernen hat.
Es ist mir schon klar,daß die Theosophie ihre Wurzeln im Hinduismus wie auch im Buddhusmus hat -und das ist ziemlich kompliziert, wenn man sich die Geschichte der Gesellschaft anschaut.
Ich bin noch nicht soweit - ich brauche noch Zeit - ich lese und schaue auf und schau in die Realität - so lebe ich - ich las und las und dachte: irgendwann mußt Du das auch mal leben, was du da liest.
Mein erster Weg führte mich dahin, daß ich wie Aschenputtel zu sieben begann: die Guten ins Kröpfchen, die Schlechten ins Töpfchen - , was ich innerlich bejahen kann, was ich innerlich ablehne - was aber eher subjektiv ist - und wenn ich erst so schwierige Worte wie die Indischen erlernen muß - dann weiß ich: noch brauche ich es einfach - erklärbar - verstehbar - ich muß das Wissen vor meinem inneren Auge ablaufen lassen können - passiert da nichts - dann verstehe ich es nicht - das gebe ich unumwunden zu. Ich bin eher der Praktiker - der seine Erfahrungen aus dem Leben nimmt - holt - erfährt -
Es würde nicht zu mir gehören, würde ich mich größer machen als ich bin.
Ich weiß aber auch, daß selbst Intellektuelle, die das alles verstehen, oft verletztend sein können - habe es selbst erlebt.
Was nützt es also, wenn man das alles - diese komplizierten Denkweisen vom Intellekt her versteht, aber sie nur zur Machtfrage benutzt - dann doch lieber das Einfache leben und verstehen.

Wer das Gute predigt, aber im Leben diese Wahrheit nicht lebt - lebt auch vorbei.

Es ist mir auch bewußt, daß es immer wieder Fragen geben wird, egal, mit welcher Religion man sich beschäftigt oder mit welcher Philosophie.

Nicht immer ist es so, daß der , der keine Fragen mehr hat, nun erlöst ist.

Manchmal ist Derjenige nur müde und läßt sich in den "Sessel" fallen, weil er ausruhen möchte.
Hallo Gabriele,
freut mich das du das was du schreibst auch lebst.

Was das intellektuelle Wissen anbelangt so ist es wichtig aber nicht einzigwichtig.
Shri Krishna erklärt in der Bhagavad-Gita, dass wir alle drei materiellen Ebenen in Seinen Dienst stellen sollten.
- Sinnliche Ebene (Körper)
- Mentale Ebene (Geist)
- Intellektuelle Ebene (Intellekt)

Das Thema ist ja "Gottes-Plan".
Und was ich meinte, ist, dass es nicht möglich ist, diesen Plan durch Beobachtung und Erfahrung zu erkennen.

Ein Beispiel aus dem Shrimad Bhagavatam:

Wir haben Lehm, wir haben eine Töpferscheibe, wir haben Werkzeuge und wir haben einen Töpfer. (die kosmische Manifestation und ihr Schöpfer)

Mit unseren Sinnen, unseren Emotionen und unserem Intellekt vermögen wir den Lehm, die Töpferscheibe und die Werkzeuge erkennen und ihr Wirken erfahren - aber den Töpfer werden wir auf diese Weise niemals ergründen können. ---> der Töpfer ist jenseits unserer Wahrnehmung = adokshaya
Weil die Wissenschaft den "Töpfer" nicht zu erkennen vermag, erklärt sie, Gott sei unpersönlich. Die Veden erklären jedoch, dass die kosmische Manifestation durch den Willen der Höchsten allmächtigen Person in Erscheinung tritt. Die bedingten Lebewesen sind qualitativ dem Töpfer gleich, und haben nichts mit dem "Lehm" gemein, der nur das "Fahrzeug" des Lebewesens ist.

Zitat:
Nur der Mensch in seiner Vermessenheit will ihn sich erklären - so etwas kann man sich nicht erklären, weil das Dimensionen sind, die für unser kleines Hirn unvorstellbar Weiten hat, die wir nie erfassen können. Wir können darüber nur philosophieren - uns nur etwas ausmalen - die Größe aber nie erfassen.


Das würde ich nicht sagen, dass das vermessen ist Gott zu erklären. Es ist ein natürliches Bedürfnis zu wissen wer unser Vater ist.
Wen fragst du wenn du wissen willst wer dein Vater ist?
Die höchste Autorität - richtig.
In diesem Falle deine Mutter, sie ist die höchste Autorität die dir diese Frage beantworten kann. Weder die Behörden, noch deine Nachbarn können dir eine verlässliche Antwort geben, die höchste Autorität ist und bleibt deine Mutter. Es mag sein, das dir deine Mutter eine Antwort gibt die nicht deinen Vor-Stellungen entspricht.

Shri Krishna erklärt in der Bhagavad-Gita, das die Veden die Autorität sind durch die man den Höchsten Herrn verstehen kann (siehe BG 15.15).
Shri Krishna erklärt in der Bhagavad-Gita, das Er genau aus diesem Grund in der materiellen Welt erscheint - um transzendentales Wissen, Raja-vidia (der König des Wissens) zu vermitteln.
Da wir weder Materie und auch kein Produkt von Materie sind, sondern selbst transzendental, können wir den Höchsten Herrn nur mit unserem waren transzendentalen Selbst erkennen, aber nicht mit unserer äusseren Hülle (Körper,Geist,Intellekt).
Es wird im Shrimad Bhagavatam das Beispiels des verschmutzten Spiegels gegeben. Unser Bewusstsein (Wahrnehmung) gleicht einem verschmutzen Spiegel. Dieser stark verunreinigte Spiegel, vermag die Wirklichkeit nur in geringem Masse Widerspiegeln. Religion bedeutet, diesen Spiegel (unser Bewusstsein) zu reinigen. Je sauberer dieser Spiegel ist, je klarer wird unsere Sicht für die Wirklichkeit.
Wir können jedoch diesen materiell verunreinigten Spiegel nicht mit materiellen Mitteln reinigen.
Die Veden erklären, dass in unserem Zeitalter des Kali nur noch die transzendentale Klangschwingung der Heiligen Namen Gottes (Mantra) den Lebewesen ermöglichen diesen Spiegel des Bewusstseins zu reinigen.
Auch in der Bibel (Psalmen) findet man dazu unmissverständliche Hinweise.

Den Plan Gottes kann man nur mit Hilfe Gottes erkennen, aber nicht durch eigene Forschung/Erfahrung.
Das Erleben unserer trügerischen Wirklichkeit ist nur dann hilfreich wenn wir diese wieder in Beziehung zum Höchsten Herrn verstehen können.
Der Heilige Name des Herrn, diese transzendentale Klangschwingung, gleicht einem Rettungs-Seil an dem sich der ernsthafte Spiritualist wieder aus dem dunklen Brunnen der Unwissenheit ziehen kann.

Gruss
Hi, Jivatma - an der Reinigung des Spiegels arbeiten wir ja alle - oder glaubst Du nicht ?

a
Auf die eine oder andere Weise anders - aber wir sind kräftig dabei
Hallo Gabriele,

Zitat:
Hi, Jivatma - an der Reinigung des Spiegels arbeiten wir ja alle - oder glaubst Du nicht ?


Nein, 99.99 % sind mit dem Gegenteil beschäftigt.

Shri Krishna erklärt in der "Bhagavad-gita wie sie ist", dass der Körper durch Tätigkeiten erzeugt wird und Tätigkeit wird durch den Körper erzeugt, ebenso wie ein Baum durch einen Samen erzeugt wird, der seinerseits von einem Baum erzeugt wurde. (der Baum wird mit dem Körper und der Same mit Tätigkeit verglichen)
Das nennt man Wechselwirkung = Ursache und Wirkung

Um Befreiung aus dem Kreislauf von Geburt und Tod zu erlangen ("und erlöse uns von unserem Übel") müssen wir Tätigkeiten beenden die einen neuen Körper erzeugen. (Tätigkeiten jenseits von Ursache und Wirkung)
Handlung (Karma) ist eines der 5 Hauptthemen der Bhagavad-Gita.
Man unterscheidet zwischen:
Vikarma = sündhafte Handlungen (erzeugen materielles Leid)
Karma = fromme Handlungen (erzeugen materielles Glück)
diese beiden Arten von Tätigkeit erzeugen neue Körper
Akarma = Handlungen auf der transzendentalen Ebene (lösen alle Arten von Vikarma u. Karma auf)
Das reinigen des Spiegels ist nur möglich wenn das Lebewesen transzendentalen Tätigkeiten nachgeht. ---> Akarma praktiziert
Da wir so oder so tätig sein müssen (da wir einen Körper haben), sollten wir unsere Tätigkeiten in den Dienst des Herrn stellen. (dies wird Bhakti-yoga, Hingebungsvoller Dienst für den Herrn, genannt)

Zitat:
Auf die eine oder andere Weise anders - aber wir sind kräftig dabei


Dienst für den Höchsten Herrn auf selbsterdachte Weise ist kein Dienen.
Der Diener eines Königs der sich einbildet dem König zu dienen in dem er sich selber ausdenkt was dem König gefallen würde, ist kein Diener. Erst wenn er anfängt nach den Wünschen seines Herrn zu handeln, auch wenn diese noch so mühsam und beschwerlich sind, beschäftigt er sich im Dienst.

Heutzutage ist es Mode geworden das sich die Menschen aus den verschiedenen Religionen ihre eigene Philosophie basteln. Man nimmt was einem gefällt aus dem Christentum, Judentum, Buddhismus, Islam und Hinduismus und macht sich seinen eigenen "Cocktail". (man lässt all das Unangenehme weg)
Und dann wird fröhlich verkündet, "der Weg ist das Ziel".
Aber wenn der Weg kein bekanntes Ziel hat, ist er nutzlos - erzeugt nur neue künstliche Wege.

Zitat:
"Für ein Schiff das seinen Hafen nicht kennt, wehen alle Winde ungünstig" (Seneca)


So mögen wir scheinbar "guten" Tätigkeiten nachgehen ohne zu wissen das uns diese nur wieder von neuem verstricken (den Spiegel unseres Bewusstseins verschmutzen).

Die Veden nennen drei Faktoren nach denen man sich richten sollte:

Shastra = die Heilige Schrift
Guru = der spirituelle Meister
Sadhu = die Heiligen

Diese drei sollten immer miteinander übereinstimmen und weisen uns den Weg mit einem klaren Ziel.

Gruss
Mal ganz praktisch gefragt: wie praktizierst du das und woher weißt du, daß dein Weg der Richtige ist ?

Das Nichtstun geht nicht - zumindest nicht in unserem Kulturkreis - steht nicht in der Bibel schon was von der Regsamkeit - Bete und Arbeite - Faul sein wird verpönt - wohl in allen Religionen - also wie kann man sich das dann vorstellen ?

An einem praktischen Beispiel wäre ich schon interessiert.

Jivatma hat folgendes geschrieben:
Und dann wird fröhlich verkündet, "der Weg ist das Ziel".
Aber wenn der Weg kein bekanntes Ziel hat, ist er nutzlos -
erzeugt nur neue künstliche Wege.

Dem widerspreche ich - obwohl ich den Spruch 'der Weg ist das Ziel'
ebenfalls für eine unzulässige Vereinfachung halte.
Ein Weg, der ein bekanntes Ziel hat, kann mich nur zu dem führen,
was ich eben schon kenne. Das scheint mir aber nicht der Weg der
Religion - gleichgültig welcher. Gott hat einen Plan? Mag sein, aber
würde ich den kennen, wäre ich ihm zumindest in diesem Aspekt
gleichgestellt. Für mich führt jeder religiöse Weg notwendig ins
Unbekannte.

Mir fällt da 'Adson von Melk' ein, dem Umberto Eco in 'Der Name der Rose'
diese Abschiedsworte in den Mund legt, die zumeist der deutschen Mystik
entlehnt sind -

Zitat:
Nun bleibt mir nichts mehr als zu schweigen. Oh wie heilsam, wie süß und
glückselig ist es, in der Einsamkeit zu sitzen und schweigend mit Gott zu
reden. Bald schon werde ich wiedervereint sein mit meinem Ursprung,
und ich glaube nicht mehr, daß es der Gott der Herrlichkeit ist, von dem
mir die Äbte meines Ordens erzählten, auch nicht der Gott der Freude,
wie einst die minderen Brüder glaubten, vielleicht nicht einmal der Gott
der Barmherzigkeit. Gott ist ein lauter Nichts, ihn rührt kein Nun noch
Hier... Ich werde rasch vordringen in jene allerweiteste, allerebenste
und unermeßliche Einöde, in welcher der wahrhaft fromme Geist so selig
vergehet. Ich werde versinken in die göttliche Finsternis, in ein Stille-
schweigen und unaussprechliches Einswerden, und in diesem Versinken
wird verloren sein alles Gleich und Ungleich, in diesem Abgrund wird
auch mein Geist sich verlieren und nichts mehr wissen von Gott noch
von sich selbst noch von Gleich und Ungleich noch von Nichts gar nichts.
Und ausgelöscht werden sein alle Unterschiede, ich werde eingehen in
den einfältigen Grund, in die stille Wüste, in jenes Innerste, da niemand
heimisch ist. Ich werde eintauchen in die wüste und öde Gottheit,
darinnen ist weder Werk noch Bild...
Hallo Gabriele,

Zitat:
Mal ganz praktisch gefragt: wie praktizierst du das und woher weißt du, daß dein Weg der Richtige ist ?


Wie ich oben geschrieben habe, gibt es drei wichtige Faktoren die uns im spirituellen Leben helfen das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Shastra, Guru, Sadhu

Wir sind immer gezwungen irgend eine Autorität zu akzeptieren, die Frage ist nur die geeignete zu finden.

Wenn man sich für eine bestimmte Schulrichtung festgelegt hat, in meinem Falle, Vaishnava-vedanta, dann sind diese drei "Ratgeber" unerlässlich. ((Diese drei (Shastra/Guru/Sadhu) sollten sich auch nicht gegenseitig widersprechen))

Zitat:
Das Nichtstun geht nicht - zumindest nicht in unserem Kulturkreis - steht nicht in der Bibel schon was von der Regsamkeit - Bete und Arbeite - Faul sein wird verpönt - wohl in allen Religionen - also wie kann man sich das dann vorstellen ?

An einem praktischen Beispiel wäre ich schon interessiert.


Ein praktisches Beispiel ist das Essen.
Shri Krishna erklärt in der Bhagavad-Gita (9.26):
"Wenn Mir jemand mit Liebe und Hingabe ein Blatt, eine Blume, eine Frucht oder etwas Wasser opfert, werde Ich es annehmen."
Shri Krishna isst mit den "Augen", denn Seine Augen sind überall.

Wenn ich koche, koche ich nicht für mich (meine Sinne), sondern versuche ganz bewusst für Shri Krishna zu kochen. Danach opfere ich das Essen mit bestimmten Mantras zum Herrn.
Die geopferten Speisen nennt man "Prasadam" (Barmherzigkeit).
Vor der Opferung wird es "boga" (Lust) genannt.

Die Tätigkeit des Kochens kann somit entweder auf der Ebene von Karma (Ver-strickung) oder eben Akarma (Ent-wicklung) geschehen.

Shri Krishna erklärt in der BG (3.13), dass Essen das nicht zum Herrn geopfert ist, eine karmische Reaktion auslöst (verunreinigung unseres Bewusstseins-Spiegels). Wenn wir uns nur noch von Prasadam ernähren, fällt es uns viel leichter die Sinne zu beherrschen.

Ein anderes Beispiel:
Ich habe einen Altar zu Hause auf dem ich den Herrn in Form einer Bildgestallt verehre (genannt Arca-vigraha). Diese ist vergleichbar einer Buddhastatue oder dem Jesus Christus am Kreuz (auch diese sind Arca-vigraha). Ich verehre den Herrn mit Räucherstäbchen, Blumen und frischem Wasser. So ist "mein Zuhause" ein "Tempel", ein Wohnsitz Shri Krishnas.
Ein beträchtlicher Teil meines Lohnes erarbeite ich um "meine" Wohnungsmiete zu bezahlen, aber genau betrachtet arbeite ich auch um Shri Krishna ein angenehmes Zuhause bieten zu können.

Ein weiteres Beispiel:
Ich stehe jeden Morgen früh auf und praktiziere Mantra-Meditation.
(das wichtigste dabei ist das konzentrierte "Zuhören" - wie in jeder Beziehung)

Ein weiteres Beispiel:
Ich habe Freizeit, und in dieser Zeit lese ich in der Bhagavad-Gita und dem Shrimad Bhagavatam. Auch diese Tätigkeit ist aktiver Dienst.
Die Höchste Persönlichkeit Gottes ist Absolut und Transzendental, je mehr wir unsere Tätigkeiten für Ihn tun, je mehr haben wir mit Ihm Gemeinschaft. (andere sitzen lieber den Abend vor dem Fern-seher zur Entspannung und füllen ihren Geist mit In-Form-ationsschrott, oder lesen die "wichtigen Neuigkeiten" in der Zeitung)
So müssen wir uns ständig entscheiden wem wir unsere Aufmerksamkeit schenken wollen. (auf was wir unser Bewusstsein richten = unseren Spiegel reinigen oder verunreinigen)

All diese Arten der Tätigkeit sind nicht auf "Ein-Bildung" beruhend, sondern auf den Aussagen der Veden, insbesondere der "Bhagavad-Gita wie sie ist". Entscheidend für mich war, die Erfahrungen die ich in all den Jahren der Praxis des Bhakti-yoga gemacht habe.
Die eigenen Erfahrungen die wir in unserer spirituellen Praxis machen sind mehr Wert als blosses Buchwissen und sollten schlussendlich der entscheidende Faktor sein.

Ich hoffe das gibt dir einen kleinen Einblick
Gruss

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