Ist die Hölle exotherm oder endotherm?


Seid Ihr denn alle schon so verklärt u./o. abgeklärt, daß Ihr gleich wieder die "Grundfrage" stellen müßt, ansstatt eine nette Story nur einfach zu genießen?
Wenn ich die aktuellen Antworten so lese, fühle ich mich z.T. umringt von Predigern, ganz so wie jener Prayer in dem Jodie-Foster-Klassiker "Contact".
Hehe, keine Sorge Wolfram; ich hab das Ding auch mal gepostet, und es ist entfernt worden *zwinker*.

Ich mag den nautischen Aspekt der Antwort mehr als die Frage (den Philosofisch) an sich, obwohl auch die Entsteheung dieser ein interessanter Aspekt der Zusammenhänge zwischen Physik und Philosophie oder eben auch Mathematik und Philosophie (die grössten Mathematiker waren auch Philosophen) ist.

Insofern spricht die Beschäftigung mit diesem Thema dem gewollten Sinn des stellenden Prof, die Diskrepanz und doch die Ähnlichkeiten und Nützlichkeiten zwischen den Wissenschaften und deren Denkweisen den Studenten zu vermitteln.

Also lassen wir unseren lieben Diskutierenden ihren Weg der Erkentniss und lehnen uns entspannt zurück, um evtl. noch was zu lernen.
Wolfram1st hat folgendes geschrieben:
Seid Ihr denn alle schon so verklärt u./o. abgeklärt, daß Ihr gleich wieder die "Grundfrage" stellen müßt, ansstatt eine nette Story nur einfach zu genießen?
Wenn ich die aktuellen Antworten so lese, fühle ich mich z.T. umringt von Predigern, ganz so wie jener Prayer in dem Jodie-Foster-Klassiker "Contact".


Hey, aber der Typ aus dem Film, ja, der ist eeecht lecker....!
Heinrich Stilling —
der Verfasser des vorliegenden Buches:
„Szenen aus dem Geisterreich!"
Um das Niedergeschriebene wirklich als Wahrheit in sich auf-
zunehmen und zu verarbeiten, müssen wir uns klarmachen, daß
Stilling — am 12. September des Jahres 1740 geboren — von
unserem heurigen Lebensstil weit entfernt ist. Auch seine
Schreibweise ist der Zeit eines Goethe, Herder u. a., mit denen
er freundschaftlich verbunden war, entsprechend. Sie ist an man-
chen Stellen „unmodern", aber — bei einem solchen Buche
kommt es, genau wie bei dem guten Klassiker — nicht auf die
Form, sondern lediglich auf den Inhalt an.
Dieser Inhalt kann niemals überholt werden, denn — er ist —
wirklich ein Blick in das Geisterreich. Die geschilderten Szenen
sind natürlich von ihrem Mittler und Durchleiter Stilling ge-
färbt. Aber ihre tiefe Wahrheit ist und bleibt für den Suchenden
ein Ausblick — die Möglichkeit, um selber in sich zu erforschen,
wie weit er das „Ja" zu dem hier Gesagten finden kann und da-
mit einsehen, ob er zu diesem Teil des unendlichen Vaterlan-
des gehört oder nicht.
Die Sehnsucht, Gott zu erfassen, wird stärker und immer
stärker werden, weil der Mensch sein Menschenwissen so bis
zum letzten lernt, daß sein Verstand randvoll angefüllt ist,
seine Seele jetzt aber wirklich „zu hungern und zu dürsten" be-
ginnt. Und erst dann, wenn wir auch „verstandlich bewußt"
Hunger haben, unsere Seele Durst nach dem lebendigen Wasser
des wahren Glaubens empfindet, werden wir auf die Weise
Gottes Reich fühlen und sehen, was unserer persönlichen Reife
entspricht. Da heutzutage aber alles über den Verstand geht,
ist es für den zeitgebundenen, also modernen Menschen nötig,
sich zu informieren, die Schriften zu lesen, die von Leuten ver-
faßt wurden, die um ihren Glauben gerungen haben, die um die
wahren Erkenntnisse im Kampf mit der Welt standen.
Ihr Sieg kann uns zum Sieg verhelfen.


....Wenn man nun im Schattenreich sein Angesicht vom Licht ab
gegen Abend richtet, und dann den Zug dorthin beginnt, so
kommt man endlich so weit, daß das Licht des Himmels ganz
verschwindet, dagegen entdeckt man vor sich in großer Ferne,
ganz niedrig über dem Horizonte, einen dunkelroten Streifen,
der sich zur Linken und Rechten sehr weithin erstreckt; er hat
das Ansehen wie Eisen, das eben anfängt zu glühen, und durch
einen schwarzen Rauch schimmert. Sowie man näher kommt,
sieht man ein zackiges, schroffes Gebirge, welches sich nach bei-
den Seiten in ungeheure Weite ausdehnt. Vor diesem Gebirge
ist ein ödes Tal, in welchem eine unzählbare Menge armer Gei-
ster in schrecklicher Unruhe wie lauter schwarze Schatten durch-
einander schwärmt. Die ganze Gegend wird über das Gebirge
her ebenso erhellt, wie die fernen Gefilde von einer Feuers-
brunst in der Nacht. Von Zeit zu Zeit kommen die Fürsten der
Hölle in Riesengröße, aber mit der schrecklichsten Verzerrung
der menschlichen Figur, so daß alle Glieder, je nach den herr-
schenden Leidenschaften, etwas Ungeheures an sich haben, in
eine Glutwolke gekleidet, über das Gebirge herüber, wo sie als-
dann die zur Verdammnis reif gewordenen Geister aussondern,
und mit allem Grimme des Despotismus vor sich hin über die
Gebirge jagen, und jedem die ihm zukommende Region und
Stelle anweisen. Sowie man sich über das Gebirge hinschwingt,
sieht man in der tiefsten Ferne abermals ein weit und breit sich
erstreckendes, noch weit höheres und schrofferes Gebirge, über
welchem die schrecklichste Glut bis hoch hinauf in die ewige
Nacht tobt. Es sieht aus, wie wenn Flammen in die Finsternis
bohrten, um sich Luft zu machen, und man hört in tiefster Ferne
ein dumpfes Gebrülle, wie von tausend Donnern, wovon die
Grundfeste der Hölle zittert. Die ganze Region, die man jetzt
übersieht, ist das Reich des Jammers; die ganze Fläche besteht
aus lauter verworren durcheinander liegenden ungeheuren Fels-
massen, um welche sich enge tiefe Täler hinwinden; hier ent-
deckt man nirgends etwas Grünes, sondern alles, was hin und
wieder einzeln hervorkeimt, sieht aus wie der Tod und Ver-
wesung, und der Boden erscheint wie ein schwarzer Grieß und
Asche. Die hierher verwiesenen Geister wohnen in den weiten
und geräumigen Höhlen, welche von den Felsenmassen gebildet
werden.
Mahlon: Das ist wohl ein jammervoller Aufenthalt; aber wo-
mit beschäftigen sich diese Geister?
Adriel: Jeder beschäftigt sich je nach seinen Neigungen und
Leidenschatten; sie suchen sich in dieser schrecklichen Einöde
dasjenige beständig wieder zu verschaffen, was sie im Leben be-
sessen und genossen haben; viele bestreben sich, schöne Paläste
zu bauen, und wenn das jämmerliche Ding fertig ist. so stürzt
es ihnen über dem Kopfe zusammen; andere suchen Gärten an-
zulegen, und in der Hölle ein Paradies zu pflanzen, indem sie
die einzelnen giftigen Gewächse zusammen ordnen: allein die
Ausdünstung dieser Greuel betäubt sie. und wenn sie sich um-
sehen, so ist alles wieder Graus und Ruin. Noch andere suchen
Gesellschaft, in welcher sie sich vom vergangenen Genuß unter-
halten; viele geraten darüber in die traurigste Verzweiflung,
so daß sie ins unendliche Leere hinstürzen, und manchmal so
lange herumirren, bis sie von ihren Fürsten wieder herbeige-
geißelt werden: andere erhitzen sich gegeneinander mit einem
solchen Grimm, daß sie fürchterlich kämpfen, bis sie endlich,
von einem Starkeren gezüchtiget, wieder in ihre Höhle zurück-
kehren. Nichts aber ist schändlicher und schrecklicher, als wenn
ein männlicher und weiblicher Geist sich gegeneinander zur
Wollust erhitzen, und dann in der höchsten Glut der Leiden-
schaft auf einmal einer dem andern in der abscheulichsten Dra-
chengestalt erscheint: mit dem schrecklichsten Wehklagen fah-
ren sie dann ohne den geringsten Genuß aus der Umarmung zu-
rück, und fliehen von einander, so weit sie können. Mit einem
Worte, des mannigfaltigen Jammers ist kein Ende….
_________________
...und die Menschen auf der Erde machen Wumtata!
"Das Beispiel vom reichen Mann und vom armen Lazarus

Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte.
Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war.
Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren.
Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben.
In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß.
Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir und schick Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer.
Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafür getröstet, du aber musst leiden.
Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, sodass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte.
Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters!
Denn ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen.
Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören.
Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, nur wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren.
Darauf sagte Abraham: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht." (Lk 16, 19-31)

Was ist bei diesem Gleichnis geschehen?

Der Reiche, der zu Lebzeiten bereits den Blick für Recht und Unrecht verloren hat, kann ihn auch im Jenseits nicht mehr erlangen. Seine Perspektive hat sich "verschoben".

Nicht einmal jetzt, da er in der Unterwelt ist, erkennt der Reiche, dass er im Unrecht ist und der Gnade und Verzeihung Gottes bedarf. Er denkt immer noch nur an sich und bemitleidet ausschließlich sich selbst. Er klagt Abraham (hier stellvertretend für Gott) an für seine missliche Lage. "Schick gefälligst den Lazarus her!" spricht er Abraham und nicht einmal den armen Lazarus selbst an.

Er sieht nach wie vor nicht den "tiefen Graben", den er durch sein Leben zwischen sich und Gott gesetzt hat - es geht ihm nach wie vor nur um Materielles und nicht um Umkehr und Einsicht. Es ist auch nicht echte Umkehr, dass er Abraham bittet, seine Brüder zu warnen - er handelt nicht aus Läuterung sondern nur aus "Angst vor Strafe" - diese Strafe schreibt er aber nicht sich selbst und der Entwicklung seiner Seele zu - sondern Gott.

Und genau diese Situation - das endgültige Verlieren Gottes - das ist die Hölle. Sie wird vom "thermischen Zustand" her oft mit großer Kälte oder Hitze verglichen, weil es Zustand höchsten seelischen Schmerzes ist. Der Schmerz darüber, sich selbst verloren zu haben, alleine zu sein, abgeschnitten und weit weg vom wahren Leben, ohne noch erkennen zu können, warum das so ist.

"Ich sehe deutlich, dass alles Gute, was in mir oder in irgendeinem anderen Geschöpf und selbst in den Heiligen ist, einzig Gottes ist; doch wenn ich Böses tue, so bin ich es allein, die es tut."

Katharina von Genua (Catarina Fieschi) (1447–1510; Mystikerin)