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Rabbis, Prediger, Priester, Imane, Mullahs, Päpste












Tja, lieber Saed,

betrachten wir im Sinne der fortschreitenden Gottesoffenabrung Religion als wirksamstes Instrument zur zivilisatorischen Fortbildung der Menschen, dann gibts eigentlich niemanden, der aufgrund seiner Prägung oder Erziehung keiner Religion Verehrung entgegen bringt. Wer - wie viele der Esoteriker - "an das Gute im Menschen glaubt, seinen Mitmenschen nur Guites tun will", hat damit die Kernsätze der abrahamitischen Religionen verinnerlicht. Ein solcher Mensch kann sich sowohl Christ, als auch Jude, Zoroaster, Muslim oder Baha' i nennen.

Die Schwierigkeit, die manche Menschen mit dem Begriff "Religion" haben, liegt nicht so sehr an der Religion selbst, sondern an denjenigen unserer Mitmenschen, die Religion als Vordenker, Vorbeter, Führer, repräsentieren. Wer die bestehenden Religionen nur deshalb ablehnt, weil sie einen Kult darstellen, lehnt eigentlich nur die Vorbeter/Repräsitanten ab, nicht so sehr die Religion an sich.

Den Rabbi' s, Schriftgelehrten, Predigern, Priestern und Priesterinnen, Imanen, Mullah' s, Patriarchen und Päpsten ist es eigentlich auch zu "verdanken", wenn Menschen sich dazu entscheiden, Gott in ihrer eigenen Art zu verehren, dabei aber keine tiefere Bindung zu einer Gemeinschaft der Gläubigen eingehen. Wer mag schon, das man mit dem erhoben Zeigefinger auf ihn zeigt, weil man Gott auf seiner Weise huldigt. Erinnert sei an die Karthäer des frühen Christentums, die ihre eigene Interpretation von Gott und Jesus hatten - und von den byzantinischen Christen nach dem Konzil von Nicäa erbittert verfolgt wurden. Erinnert sei an die Gemeinschaft der Sufi, die unter der Osmanenherrschaft ihre Form des muslimischen Glaubens mit dem Tod bezahlten. Erinnert sei an die Stellung der Kanaaniter und Samariter zur Zeit des Jesus - obwohl beides jüdische Völker, liessen die Pharisäer kein gutes Haar an ihnen.

Und es gibt noch einen weiteren Aspekt (der sicherlich auch in den von Dir neu eröffneten Thread passen würde): Die Aufklärung hat uns ein "gesteigertes Bewusstsein" für den eigenen, freien Willen gebracht. Dieser freie Wille manifestiert sich eben auch daran, eigene Wege des Glaubens zu beschreiten ,was nach der Baha' i-Religion, genauer gesagt nach der Verpflichtung selbstständig nach Wahrheit zu suchen, auch förderlich ist. Ich kann niemandem einen Vorwurf daraus machen, wenn er eigene Wege des Glaubens beschreitet und dabei die bereits beschrittenen Wege oder noch zu gehenden Wege von Religionen erstmal "aussen vor" lässt. Die selbstständige Suche nach Wahrheit - gemessen an dem Wort des Jesus ".an Ihren Früchten sollt ihr sie erkennen". lässt auch die Möglichkeit offen, im Rahmen eines geistigen Entwicklungsprozesses sich "irgendwann/so Gott will" in einer Gemeinschaft von Gläubigen zu integrieren.

Natürlich kann sich jeder Mensch seine eigene Religion schaffen - die Freiheit hat der Mensch. Im Moment in Deutschland wird der "Fussballgott" verehrt; die Hippie-Bewegung verehrte den "Gott der freien Liebe und des LSD". - als einzelner Mensch kann ich mich mit Grausen abwenden oder mit Engelszungen reden - die Entscheidung, ob eine bestehende Religion oder eine selbst geschaffene Religion für einen Mitmenschen dessen einzigster Weg zum Seelenheil ist, kann ich für meinen Mitmenschen nicht treffen. Dies muss mein Mitmensch selbst entscheiden.
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