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Grüsse euch alle ,
bevor wir wieder alle Möglichen Abhandlungen von Mystik und Meditation
durcheinander bringen, wäre es vielleicht sinnvoller, sie deutlicher zu
definieren. Hier meine eigene Erfahrung dieser beiden Aspekte:
Mystik :
Mystik ( Sammlung, Vertiefung, Versenkung ) ist die Erfahrung einer anderen Bewusstseinsdimension immer im hier und jetzt. Es ist die Erfahrung des Nichtgetrennsein zwischen Geist und Materie, ein Nichtgetrenntsein von dem was wir mit allen Sinnen wahrnehmen. Es ist ein Zusammenfallen der Gegensätze jetzt in diesem einen Augenblick. Gleichzeitig ein Erkennen, dass genau dies schon immer einen Teil von uns allen ist.
Dieses unmittelbare Erleben z.B. in Form "Gottes", die Vereinigung (unio mystica) ist allen Traditionen bekannt: Sei es im Sufismus ( Islam ), der Kabbala und dem Chassidismus ( Judentum ), im Unio Mystica des Christentums, dem Daoismus Chinas, den Veden des alten Indiens, dem Yoga des Hinduismus, dem Samaddhi ( Jhanas ) im Buddhismus oder dem Zen Japans, den Mysterienkulten im alten Griechenland, oder dem Neuplatonismus der Spätantike.
Die weltüberhöhenden ( weltüberwindenden ) Kraft mystischer Erfahrung, führt dazu, daß die unterschiedlichen Grundauffassungen im Hinblick auf religiöse Schubfächer und Etiketten, als nutzlos und verängend angesehen werden. Ob Hindu oder Moslem, ob Parse oder Jude, ob Christ oder Buddhist - im letzten Grunde sind die religiösen Durchbrüche nicht an solche Benennungen gebunden. Die stets gleiche Realität der existenziellen Erfahrung sprengt die gewohnte Enge der Wahrnehmung. Die Mystik (er ) gehören der ganzen Menschheit, da die Erfahrungen und Weisheiten, die daraus abgeleitet werden, universellen Charakter haben.
Was die Meditation angeht, verhält es sich ähnlich wie mit der Mystik. Auch diese Sache ist keine Besonderheit die vom Buddhismus oder Fernöstlich geprägten Lehren aus geht. Die Begrifflichkeit ja, aber nicht der Zweck und der Sinn dessen. Sicherlich gibt es diesbezüglich auch im Hinblick auf die Georgrafischen und zeitlich- geistig vorhandenen Wissen, gewisse Unterschiede. Aber meditiert wurde schon zu allen Zeiten und in allen Kulturen. Die ursprüngliche Form des Gebetes im Islam und Christentum, das sich zur Besinnung zurückziehen, die Yoga - Übungen ( immer mit geistigem Hintergrund ) zeugen von dieser vielfälltigen Facette an Meditationsmöglichkeiten. Das was den Buddha auszeichnet, war der Umstand, das er diese Form der Achtsamkeits- Konzentrations-Übung ( um die es sich in letztlich in jeder Meditation handelt ) wieder ihrer ursprünglichen Sinn gemäß den Menschen wieder zugänglich gemacht hat.
Die Wesen ( aller Kulturen und Zeiten ), die erkannt haben, das ihre Charaktereigenschaften/Neigungen (Herzensstruktur) unmittelbar mit ihrem Denken/Sinnen und Trachten und damit mit ihrem Welterleben zu tun haben, werden nur noch ein Ziel auf Dauer verfolgen können – nämlich ihr Herz (die Summe aller Triebe/Anliegen/Neigungen) verändern zu wollen zu immer mehr innere Helligkeit , Leichtigkeit und damit weg von Schwermut, Traurigkeit, weg von unheilsamen Gedanken und Gefühlen.
Meditation schliesst deswegen nicht nur diese Phasen des sich Zurückziehens ein, sondern die ganze Zeitspanne der Existenz. Die Kunst einer guten Meditation liegt deswegen darin, diesen auf alle Wahrnehmungen zu projezieren. So gesehen ist auch die Vorstellung, daß Meditation nur in stiller Abgeschiedenheit möglich ist unsinnig. Sicherlich gelingt eine Meditation auf rein geistiger Ebene, diesbezüglich, leichter. Aber auch der ganze Alltag erfordert vom Menschen gewisse Verhaltens, Sprech- und Denkmuster, die alle zusammengenommen ( durch Erhellung des Gemütes ) erst die Möglichkeit erzeugen andere, tiefere Schichten der Existenz ( Mystik, Sammlung, Versenkung, Jhanas etc. ) in ihrer Fülle zu erfahren.
Zitat von Wu :
| Zitat: |
| - damit ist auch der Mystiker definiert - jemand, der eine religiöse Erfahrung gemacht hat, anstatt etwas auf Treu und Glauben anzunehmen |
Lieber Wu, herzlich Willkommen zur Diskussion.
Diese Menschen, die man als Mystiker umschreibt haben in der Regel sehr viel "Opfer" ( durch Verzicht auf alle Annehmlichkeiten, denen der gewöhnliche Mensch anhängt ) dargebracht. Für sehr lange Zeit die Einsamkeit und Abgeschiedenheit aufgesucht und unermüdlich kämpfend, sich trotz oft widriger äußerer Bedingungen von ihrem Weg " das ewige, Gott, das unvergängliche zu finden, nicht abbringen lassen. Ohne einen Glauben und Vertrauen an eine höhere Instanz ( Gott / Allah/ Jahwe/ Buddha etc. ) wäre dies so nie möglich gewesen.
| Zitat: |
| Das Beispiel, das sich mir dabei aufdrängt, ist Mohammed - der wohl unbestreitbar eine tiefe religiöse Erfahrung gemacht hat, von dem ich aber noch nie gehört habe, dass er Meditation geübt hätte. |
Lieber Wu, wenn du beide Beschreibungen der Mystik und Meditation vergleichst, wirst du feststellen, daß sich diese beiden Aspekte gegenseitig fördern. Und das eine tiefe religiöse Erfahrung ohne entsprechende Meditation ( sukzessive Umgestalltung des Herzens zum edleren ) unmöglich ist. Darin lag letztlich auch die ursprüngliche Form des Betens, welches mittlerweile zu oft als eine rituelle Handlung vollzogen wird.
Zum Abschluss würde ich noch die Erfahrung eines guten Freundes anführen wollen, der seine Vorstellung von Meditation gut wiedergibt.
| Zitat: |
Früher hatte ich immer geglaubt, Meditation hat immer nur mit der richtigen Zeit (ruhigen Verfassung), dem richtigen Ort (äußere Abgeschiedenheit) und der richtigen Geisteshaltung (Grundstimmung) zu tun. Dies erscheint mir auch heute zwar nicht ganz unwahr, jedoch lehrte mich die Erfahrung, dass der wenig erfahrene Übende diese Aussagen viel zu dogmatisch praktiziert. Das hat zur Folge, wenn eines dieser drei scheinbaren Vorraussetzung nicht gegeben sind, er den Meditationsvorgang abbricht oder noch schlimmer, meint ihn gar nicht aufnehmen zu können - unbeachtet der Tatsache, dass ja jeder bewertende Denkvorgang immer ein meditativen Prozess beinhaltet (siehe den ausführlichen Beitrag von Natha in diesem Forumsteil „Meditation…wie und was…?“).
Der Erwachte kannte dieses Problem sehr gut und gerade die häuslich lebenden Nachfolger der Lehre des Erwachten kamen oft mit Fragen diesbezüglich zum ihm.
Diese Nachfolger, die sich oft (wie wir heute auch) mit mannigfaltigen Anliegen ihrer Umwelt (als Hausfrau, Mutter, Elternteil, ob im Berufsumfeld) konfrontiert sahen, suchten auch für sich die Möglichkeit ihr immer tiefer werdendes Empfinden für die Existenz - auch in diesem Umfeld zu stärken und zu festigen.
Als ich vor vielen Jahren diese Meditationsanleitung erhielt „Die 6 unübertrefflichen Erinnerungen“, erschien sie für mir fast zu einfach, fast zu wenig durchschauend für mich. Mir war damals der Tiefeneffekt dieser Betrachtung noch nicht offenbar.
Nachdem ich jedoch dann anfing die Betrachtung mitten im Berufsumfeld zu üben (in den Pausen, oder Arbeitsunterbrechungen, die auch im Berufsumfeld immer mal wieder auftreten) musste ich mit großen Verwundern feststellen, das sie eine sehr schöne Wirkung auf mich hatte. Der Geist wurde auf etwas gesammelt, was nicht aufregt, nicht unruhig macht, nicht traurig macht, und nicht aus der Dynamik in die Stille gehen musste, um sich sogar immer mehr mit Freude zu füllen.
Das führt dazu, dass ich bald gerne auf Züge, Busse was auch immer, warten konnte, mit immer geringer werdender Ungeduld - sondern sogar mit großen, inneren Gewinn.
In diesem Sinne und herzliche Grüsse
Karno |
Mit lieben Gedanken an euch alle
Natha
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